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Metal-Festival: Wacken Open Air

10. Dezember 2016 | 00:23 Uhr

Wacken-Chef : Holger Hübner: Darum ist das WOA 2017 noch nicht ausverkauft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Holger Hübner bezieht Stellung: Der WOA-Chef spricht im Interview über Preiserhöhungen, Terrorgefahr und weitere Events.

Ja, was ist denn los an der Verkaufsfront, Herr Hübner? War das Wacken Open Air in den letzten drei Jahren jeweils innerhalb von zwei Tagen ausverkauft, sind jetzt – zwei Wochen später – noch einige Tausend Tickets zu haben. Liegt dies etwa an der Preiserhöhung für das nächste Jahr?
Wir haben innerhalb von 45 Minuten 10.000 X-Mas Tickets und 40.000 reguläre Tickets für das WOA 2017 verkauft. Wir wissen das sehr zu schätzen und sind unglaublich dankbar für dieses starke Vertrauen und den Support unserer Fans. So ein Ergebnis ist auf gar keinen Fall selbstverständlich, und wir haben das auch nie als selbstverständlich gesehen. Aktuell sind die letzten 10.000 Tickets im Verkauf. So ein tolles Ergebnis nach den diversen Festivalabsagen dieses Jahr, dem schlechten Wetter, Ticketpreiserhöhung und der aktuellen weltweiten Sicherheitsthematik ist wirklich der Wahnsinn. Wir waren die letzten drei Jahre immer nach zwei Tagen ausverkauft, aber es war nie und ist nicht unser Ziel innerhalb von wenigen Stunden oder Tagen ausverkauft zu sein.

Kann es auch sein, dass die Angst vor Anschlägen eine Rolle spielt?
Dazu liegen uns keine konkreten Informationen vor. Aber wie bereits gesagt – Themen wie abgebrochene Festivals aufgrund von Wetterkapriolen und die allgemeine Sicherheitslage sind dieses Jahr in der Festivallandschaft präsent.

Können Open-Air-Veranstaltungen überhaupt umfassend geschützt werden?
Die Sicherheit unserer Besucher hat bei uns stets oberste Priorität. Wir überarbeiten unser Sicherheitskonzept stetig und reagieren selbstverständlich auch auf aktuelle Vorkommnisse. Dafür stehen wir in ständigem Austausch mit allen relevanten Gewerken und den örtlichen Sicherheitsbehörden. Klar ist aber auch, dass es nichts Sicheres auf der Welt gibt. Wenn allerdings jeder seinen Job zu 100 Prozent macht, können wir ein Höchstmaß an Sicherheit gewähren. Mit dieser Zielsetzung haben wir beim WOA schon immer gearbeitet.

Welches Resümee ziehen Sie nach dem diesjährigen WOA?

Alles in allem sind wir zufrieden mit dem diesjährigen Festival. Auch die Rettungskräfte waren sehr zufrieden mit einem wieder friedlichen WOA 2016 ohne große Zwischenfälle.

Natürlich hätten wir uns nach den massiven Regenfällen in 2015 dieses Mal besseres bzw. konstanteres Wetter für die Metalheads gewünscht. Aber wie immer haben sie das Beste draus gemacht. Davor ziehen wir erneut den Hut! Wir hatten auch ein paar bauliche Neuerungen wie z.B. die Verbreiterung der Einlassschleusen, neues Wrestling-Zelt und den Umzug des Beergarden. Das hat alles gut funktioniert. Ein Highlight war mit Sicherheit auch die Show von Iron Maiden, die weltweit online im Livestream übertragen wurde. Über 550.000 Menschen auf der ganzen Welt haben den Auftritt verfolgt – das war neuer Streaming-Rekord im deutschen Festivalsektor und gab auch vielen Leuten die Chance, das WOA Feeling zu erleben, die nicht vor Ort waren.

Wie kam es zu dem Mehrbedarf von gut 20 Hektar Campingfläche?
Auf dem WOA ist campen seit 27 Jahren am Fahrzeug erlaubt. Es entscheiden sich immer mehr Metalheads dazu, mit dem eigenen Auto anzureisen. Eventuell ist hier auch das schlechte Wetter von 2015 der Grund. Das hatte zur Folge, dass wir gut 5000 Autos mehr vor Ort hatten als in den Vorjahren. Dazu kamen, nach den Erfahrungen mit dem Wetter in diesem Jahr beim Rock am Ring, Southside und Hurricane, auch viele Besucher mit Großfahrzeugen wie Wohnmobile, Wohnwagen, Lkw, Großzelte – die dementsprechend auch mehr Platz brauchten.

Nach dem Festival ist vor dem Festival – was passiert gerade in Wacken? Wie sehen die Planungen für 2017 aus?
Wir sind wie immer schon fleißig, was die 28. Ausgabe vom Wacken Open Air angeht. Nach dem Fest ist vor dem Fest! Im September zu den Hamburg Metaldayz werden wir weitere Bands veröffentlichen. Außerdem werden wir zur Befestigung des Festivalgeländes einige bauliche Infrastrukturmaßnahmen durchführen und darüber auch auf unseren Kanälen berichten. Wir sammeln aktuell noch Feedback der Fans und einzelner Gewerke, was gut oder schlecht war und wo wir für 2017 eventuell noch mal ansetzen müssen. In zwei Wochen steht dann schon die Full Metal Cruise IV von Hamburg nach Kiel an. Dazu kommen die Wacken Winter Nights, die im Februar 2017 erstmals in Wacken stattfinden, und unser Metal-Winter-Urlaub, also Full Metal Mountain Ende März in Österreich. Es gibt also reichlich zu tun.

In diesem Jahr sind eine Reihe von Konzertveranstaltern in Deutschland in die roten Zahlen gerutscht, einige gar in die Pleite. Liegt dies auch an den immer teurer werdenden Musikgruppen?
Warum einzelne Veranstalter Schwierigkeiten haben, dazu können wir nichts sagen, da uns die Einblicke fehlen, und das steht uns auch nicht zu. Generell steigen die Produktionskosten insgesamt wie etwa beim Personal, Auflagen der Behörden, Flächenmanagement, Material, Infrastruktur, Sicherheitsmaßnahmen, Versicherungen und so weiter, und dazu gehören auch natürlich die Bandgagen und die Gema.

In dieser Hinsicht müssen Wacken-Fans sicher nicht bangen? Das WOA steht auf festen Beinen, oder?

Wir haben nicht vor, von der Bildfläche zu verschwinden. Das Festival von Metalfans für Metalfans! Wir haben trotz aller widrigen Umstände und der nötigen Preiserhöhung innerhalb kürzester Zeit 65.000 Tickets für das WOA 2017 verkauft – ein Jahr im Voraus. Das zeigt, wie hoch das Vertrauen und das Interesse der Fans ist. Das macht uns stolz und gibt uns auch die Motivation, wieder 365 Tage lang Vollgas zu geben, um das nächste Wacken Open Air für die Fans wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.

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erstellt am 20.Aug.2016 | 15:01 Uhr

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