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Metal-Festival: Wacken Open Air

08. Dezember 2016 | 05:12 Uhr

Dixi-Klos auf dem WOA 2016 : Ach du Scheiße: Unterwegs in Wacken mit dem Abwassermeister

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das geht durch keine Kläranlage: Hans Peter Enders reinigt die Brühe aus Wackens Dixi-Klos. Und findet Erstaunliches.

Wacken | Ein leichter Geruch nach Fäkalien liegt in der Luft, Tanklaster fahren im Minutentakt vorbei, das Geräusch von plätscherndem Wasser ist zu hören. Die Hauptbühnen liegen etwa 20 Gehminuten entfernt und dennoch herrscht auf einem Bauernhof am Ortseingang von Bokelrehm Hochbetrieb: Direkt hinter dem Kuhstall hat Hans Peter Enders vom gleichnamigen Umweltservice eine mobile Kläranlage aufgebaut.

Sämtliches Abwasser, das auf dem Festival-Gelände anfällt, wird hier vorgereinigt, bevor es in die herkömmlichen Kläranlagen der Umgebung abtransportiert wird. Die waren in der Vergangenheit mit den Hinterlassenschaften der Metalheads ganz schön überfordert. „Das kann sich keiner vorstellen, was wir im Wacken-Abwasser alles finden“, sagt Enders.

Hans Peter Enders.
Hans Peter Enders. Foto: Marcus Dewanger
 

Hosen und T-Shirts fischen er und seine 32 Mitarbeiter regelmäßig aus dem Klärschlamm, der hauptsächlich aus den rund 900 Dixie-Toiletten stammt, die auf dem ganzen Gelände verteilt sind. Auch Geld, Handys und Schnappspinnchen entdecke er häufig. „Sogar ein Zweitaktmotor schwamm schon in der Brühe, und ich würde wetten, dass hier mindestens zehntausend Unterhosen durchgehen.“

Schlimmster Feind der Kläranlagen seien jedoch die Sagrotantücher, die zu Tausenden in den mobilen Toiletten landen würden. „Die sind so zäh, die verstopfen alles. Der Albtraum jedes Abwassermeisters.“

Jahrelang machte das verschmutzte Abwasser den Kläranlagen rund um Wacken zu schaffen. Abhilfe sollte zunächst ein sogenannter Mazerator schaffen, eine Art Fleischwolf, der die Fremdstoffe in der stinkenden Brühe kleinhäckselt. „Aber das war für mich keine Lösung“, sagt Enders. „Die Fremdstoffe sind ja trotzdem noch da, ob kleingehäckselt oder nicht.“

Knapp 400 Lkw-Ladungen Abwasser müssen beim Wacken Open Air durch die mobile Kläranlage – danach wird das gefilterte Wasser von den Tankwagen wieder abtransportiert.
Knapp 400 Lkw-Ladungen Abwasser müssen beim Wacken Open Air durch die mobile Kläranlage – danach wird das gefilterte Wasser von den Tankwagen wieder abtransportiert. Foto: Marcus Dewanger

Kurzerhand kam der erfinderische Rheinland-Pfälzer auf die Idee, eine eigene sogenannte Rechenanlage zu bauen. Der Rechen, der einer großen Harke ähnelt, greift in das Abwasser und filtert alles heraus, was größer als 25  Millimeter ist. „Eine in Europa einzigartige Anlage“, wie Enders selbst sagt. Vor drei Jahren kam sie zum ersten Mal auf dem Wacken Open Air zum Einsatz, seither ist der 50-jährige Geschäftsführer damit auf zahlreichen Festivals in ganz Deutschland, unter anderem auch auf dem Southside, unterwegs.

In Wacken durchlaufen knapp 400 Lkw-Ladungen Abwasser die mobile Anlage, bevor sie gereinigt in die Kläranlagen in Itzehoe, Hademarschen und zum Teil auch in Wacken selbst abgefahren werden. „So können die Abwassermeister wieder ruhiger schlafen“, sagt Enders, dessen Anlage noch eine weitere Funktion hat: Der herausgefilterte Dreck wird so dicht wie möglich zusammengepresst – 2500 Newtonmeter schafft die Maschine, das ist in etwa das Drehmoment eines Fuchs-Transportpanzers der Bundeswehr. Das Ergebnis ist erstaunlich: Sämtliche Störstoffe, die aus der Scheiße gefischt wurden, sind am Ende staubtrocken und füllen nur einen einzigen Abfall-Container. Von Unterhose, Handy oder Zweitaktmotor ist da nichts mehr zu erkennen.

Alle Infos zum Festival in Wacken gibt's in unserem Liveblog und auf shz.de/wacken.

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erstellt am 05.Aug.2016 | 15:15 Uhr

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