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Kieler Woche

04. Dezember 2016 | 09:18 Uhr

Tipps vom Frauennotruf : K.O.-Tropfen: So schützt man sich auf der Kieler Woche

vom
Aus der Onlineredaktion

Unbekannte schütten unbemerkt eine unsichtbare Substanz ins Glas. Die Opfer werden wehr- und willenlos. Der Frauennotruf rät zur Vorsicht.

Kiel | Sie sind die unsichtbare, geruchlose und geschmacksneutrale Gefahr auf Partys, in Clubs oder auf Konzerten – und auf Großveranstaltungen wie der Kieler Woche: K.O.-Tropfen, in einem unbeobachteten Moment ins Getränk geschüttet. Täter machen unwissende, oft junge Leute innerhalb kurzer Zeit willen- und wehrlos, zum Teil bewusstlos. Dies nutzen sie aus, etwa, in dem sie  ihre Opfer sexuell missbrauchen oder ausrauben.

Darauf will der Kieler Frauennotruf gerade zur Kieler Woche aufmerksam machen. „Wir haben im Jahr etwa 50 Fälle aus der Region zu K.O.-Tropfen – zur Kieler Woche steigt die Zahl deutlich“, sagt Ursula Schele vom Institut für Gewaltprävention Petze. „Wir wollen Jugendlichen und jungen Erwachsenen Möglichkeiten zu Schutz und Hilfe bei Übergriffen und sexueller Gewalt aufzeigen“, so Schele.  

K.O.-Mittel, darunter versteht man verschiedene Wirkstoffe in Tropfenform, die gemixt werden:

Benzodiazepin angstlösender, sedierender Arzneistoff; Tranquilizer
Chloralhydrat Schlafmittel
Muskelrelaxantien bewirkt eine vorübergehende Entspannung der Skelettmuskulatur
Barbiturate Betäubungsmittel
„Partydroge“ GHB intravenöses Narkotikum, „Liquid Ecstasy“
GBL Vorläufersubstanz von GHB: Lösungsmittel, γ-Butyrolacton, Schlafmittel

Das Besondere an K.O.-Mitteln: Sie sind weitgehend farblos, geruchs- und geschmacksneutral, zum Teil tritt eine leichte „Trübung“ auf oder es setzt sich etwas am Glasrand ab. Das kann man aber nur in hellen oder farblosen Flüssigkeiten wie Wasser oder Wein erkennen. In bunten oder auch sahnigen Cocktails ist das praktisch unmöglich. Die Mittel können je nach Wirkstoff nur vier bis 72 Stunden im Körper nachgewiesen werden, in Haaranalysen, die jedoch sehr teuer sind, wesentlich länger. In Kombination mit Alkohol oder anderen Drogen sind sie besonders gefährlich und können sogar tödlich sein. Wirkungseintritt: etwa zehn bis 20 Minuten nach Einnahme. Wirkdauer: etwa 1,5 bis drei Stunden. Massive Wechselwirkungen mit Alkohol sind möglich.

Auswirkungen und mögliche Symptome von K.O.-Tropfen: Schwindel, Schläfrigkeit, Widerstandsunfähigkeit, Schlagartiger, zeitweise eintretender Erinnerungsverlust, aber auch Euphorie, Entspannung, sexuelle Enthemmung. Koma, Bewusstlosigkeit, Amnesie . Zweifel daran, dass der „Filmriss“ durch Alkoholkonsum hervorgerufen werden konnte. Konzentrationsstörungen (auch Tage später), zum Teil Flashbacks, Körpererinnerungen. Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, wenn es für die Übergriffe keine objektiven Beweise oder Zeugen gibt-

Und so schützt man sich und andere:

  • Getränke im Auge behalten.
  • Lieber neu bestellen, als ein Risiko eingehen.
  • Keine Getränke trinken, deren Zubereitung nicht einsehbar war.
  • Sofort Freunden Bescheid sagen, wenn Übelkeit oder Schwindel auftritt.
  • Immer Freunden helfen, die viel getrunken haben!
  • Veranstaltung mit Freunden verlassen, nie mit flüchtigen Bekannten oder Fremden.

Wer Opfer von K.O.-Tropfen geworden ist oder dies für möglich hält, dem rät Ursula Schele: Auch im Zweifelsfall: schnellstmöglich zum Arzt zu gehen (etwa Uniklinik: Institut für Rechtsmedizin) oder Beratungsstelle aufsuchen, Polizei einschalten! Nicht alleine bleiben, mit Eltern oder Freunden sprechen!  K.O.-Tropfen sind nur kurze Zeit im Körper nachweisbar. Möglichst Anzeige erstatten, auch wenn Erinnerungslücken vorhanden sind oder der Täter nicht namentlich benannt werden kann. Hilfe suchen: Fachberatungsstellen oder Institut für Rechtsmedizin in Kiel: (Tel. 0431-597-3600). Frauenhilfetelefon: 0800-000116016

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erstellt am 23.Jun.2016 | 17:44 Uhr

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