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TenneT auf der Doggerbank : Stromnetz-Giganten wollen riesige Insel mitten in die Nordsee pflanzen

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Aus der Onlineredaktion

Eine Windkraft-Kolonie in der Nordsee soll entstehen: Sieht so die Zukunft der Stromgewinnung aus?

Eine gigantische künstliche Insel mitten in der Nordsee: Was wie ein Aprilscherz klingt, könnte in einigen Jahrzehnten Wirklichkeit werden, berichtet „Jydske Vestkysten“. Schon am 23. März wird dieser Vision für das Jahr 2050 beim North Seas Energy Forum in Brüssel ein Schritt näher gerückt. Dann werden die drei staatlichen Übertragungsnetzbetreiber aus den Niederlanden, Dänemark und Deutschland (TenneT TSO) eine Absprache unterschreiben.

Foto: Screenshot Youtube

Eine Untersuchung soll dann die Möglichkeiten und Ziele offenlegen, wie ein Eiland von der Größe Hallig Hooges auf der Untiefe „Doggerbank“ zwischen Nordfriesland und England für die Energiegewinnung der Zukunft genutzt werden könnte. Die vorhandene Sandbank liegt stellenweise nur etwa 13 Meter unter dem Meeresspiegel. Umschlungen von bis zu 7000 Windkraftanlagen soll das Milliardenprojekt „TenneT“ ein Stromgewinnungs-Mekka auf sechs Quadratkilometern Fläche werden. Techniker, Kapitäne und Ingenieure würden auf der Insel stationiert werden, um die Offshore-Wartung zu übernehmen.

Die Diskussionen über die Verschandlung der Küsten sollen auf diesem Wege ebenso verstummen wie die Fragen danach, wo genau denn all die benötigten Windkraftanlagen stehen sollen, wenn Atomkraft und Kohlekraft in 20-30 Jahren größtenteils vom Netz gegangen sind – und was bei Flaute aus der Energieversorgung wird.

„Wenn man das Bild in seiner Gesamtheit sieht, brauchen wir die erneuerbaren Energien irgendwann für ganz Europa, ob es Wind, Wasser oder Sonne ist. Deshalb benötigen wir eine neue Denkweise“, sagt Torben Glar Nielsen, Technischer Direktor bei Energinet.dk. Eine neue Insel auf der Doggerbank könne die Windenergie in Zukunft viel billiger und effizienter machen.

Der große Vorteil dabei sei, dass die immer weiter ins Meer reichenden Windkraftanlagen aller anliegenden Länder hier zusammenlaufen und koordiniert in alle Himmelsrichtungen, nach Norwegen, England, Holland, Belgien, Deutschland und Dänemark weitergeleitet werden könne, sagt Glar Nielsen. So ist das Projekt auch als Verknüpfung der Energiemärkte zu sehen. Überschüssiger Strom soll an Ort und Stelle in andere Energieträger umgewandelt oder gespeichert werden. Die Wechselspannungen aus den Turbinen könnte auf der Insel in Gleichspannung umwandeln, was die Übertragungsverluste auf der Langstrecke senken würde.

Und da die Windparks der einzelnen Länder sich immer weiter von den Küsten entfernen, sei es bei steigenden Leitungslängen irgendwann sinnvoller, sie zentral zu verknüpfen und dann zurückzuleiten. Das flache Wasser könnte die Bau der Festung günstig halten. Zehn Milliarden Kronen (1,3 Mrd. Euro) soll des Projekt nach jetzigem Stand kosten. Bei dem guten Wind gebe es dort draußen beste Bedingungen, sagt Glar Nielsen.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 15:08 Uhr

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