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Regionales

11. Dezember 2016 | 07:08 Uhr

Vollsperrung der A20 : Statt Abschuss: Reh-Rettung auf der Autobahn

vom

Es geht um sechs Rehe. Sie leben neben der A20 bei Sanitz und gefährden den Verkehr. Um sie zu vertreiben, wird die Autobahn am Mittwoch acht Stunden lang gesperrt.

Sanitz | Freiheit für die Autobahn-Rehe an der A20: Die sechs Tiere, die vor Wochen zwischen den Anschlussstellen Sanitz und Dummerstorf den Wildschutzzaun umwandert haben, seitdem direkt neben der Schnellstraße leben, das frische Grün genießen und den Verkehr gefährden, sollen heute vertrieben werden. Dazu wird die Autobahn in beide Richtungen für acht Stunden voll gesperrt, teilte das Verkehrsministerium in Schwerin mit.

Ursprünglich hatte die Straßenbauverwaltung die Rehe zum Abschuss freigegeben. Vor zwei Wochen sollten zwei Jäger von einem rollenden Hochsitz auf einem Räumfahrzeug des Winterdienstes aus Jagd auf die Tiere machen und sie erlegen. Nach Protesten von Lesern, Jägern und Tierschützern musste Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) die Jagd abblasen. Weidleute hatten kritisiert, dass die Ricken trächtig sein könnten und trotz der bis September geltenden Schonzeit geschossen werden sollten.

Nun sollen Wildbiologen in der Nacht zu Mittwoch die Rehe mit einer Wärmebildkamera aufspüren, 40 Jäger und Straßenbauer den Wildschutzzaun in dem betreffenden Straßenabschnitt links und rechts der Fahrbahn auf einer Länge von 40 Metern öffnen und die Tiere aufs freie Feld treiben. „Auf diese Weise werden die Tiere kanalisiert und behutsam entlang des Zaunes aus der Gefahrenzone bis hin zur Öffnung dirigiert, wo sie dann auf das offene Feld entweichen können“, erklärte Umweltminister Till Backhaus (SPD) gestern. Bei einem Test in der Nacht zu Dienstag waren mit der Kamera auf einem Abschnitt von drei Kilometern vier Rehe entdeckt worden.

Der geplante Abschuss hatte die Straßenbauverwaltung von Verkehrsminister Pegel, aber auch die zuständige Jagdbehörde unter Druck gesetzt und am Rande einer Kabinettssitzung für Streit zwischen Pegel und Backhaus gesorgt. Experten des Umweltministeriums sollten daraufhin Vorschläge unterbreiten, wie die Rehe dauerhaft vergrämt werden könnten.

Ob sich die Rehe von der heutigen Vertreibung beeindrucken lassen, bleibt abzuwarten. Alle Versuche, die Tiere zu vertreiben, waren bisher gescheitert – die Rehe kamen stets zurück.

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erstellt am 11.Mai.2016 | 11:27 Uhr

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