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Schleswig-Holstein

05. Dezember 2016 | 15:43 Uhr

Niedrigste Zahlen im Mai seit fünf Jahren : Zahl der Einbrüche in Schleswig-Holstein sinkt drastisch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ermittlungserfolge der Polizei zeigen Wirkung: 22 überregional aktive Einbrecher wurden festgenommen.

Kiel | Gute Nachrichten für den Norden: In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Wohnungseinbrüche rapide zurückgegangen, und zwar um 62 Prozent innerhalb der ersten fünf Monate. Registrierte die Polizei im Januar noch 883 Einbrüche, waren es im Mai nur noch 333 Taten.

Zwar ist ein Rückgang der Delikte im Frühjahr ein stets wiederkehrendes Phänomen, weil es länger hell ist, doch sind die Mai-Zahlen von 2016 die niedrigsten seit fünf Jahren. So verzeichneten die Ermittler im Vorjahresmonat noch 503 Straftaten. Auch der April steht verglichen mit 2015 glänzend da: Es gab nur 397 statt 511 Einbrüche. Im März und Januar waren die Zahlen zwar ein wenig höher, der Februar aber lag immerhin elf Prozent unter dem Vorjahresmonat. Auch der Fünf-Jahres-Vergleich zeigt: Die Zahlen liegen unter oder zumindest im Mittel.

„Wir sehen einen erheblichen Einfluss durch erfolgreich beendete Ermittlungsverfahren“, bewertet Torge Stelck, Sprecher im Kieler Landespolizeiamt, die Entwicklung. „Sie haben dazu geführt, dass intensiv agierende Tätergruppen gestoppt werden konnten.“ Laut Innenministerium sind im ersten Quartal 2016 bereits 22 überregional aktive Einbrecher festgenommen worden. Und weiteren Tätern sind die Ermittler dicht auf den Fersen. Stelck: „Wir haben dieses Jahr schon über 60 sogenannte Auswerte- und Ermittlungskomplexe neu angelegt.“

Greift jetzt bereits das verbesserte Konzept der Polizei im Kampf gegen Einbrecherbanden? „Dass die Zahl der Wohnungseinbrüche so stark gesunken ist, ist den Erfolgen der Landespolizei und der Landesregierung zuzuschreiben, die sich dem Problem besonders gewidmet haben und mit Verstärkung dagegen angegangen sind“, sagt Simone Lange, polizeipolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.

Bemerkenswert: Ein Drittel der 60 Ermittlungskomplexe beruhen auf Erkenntnissen aus Kontrollen in den politisch umstrittenen Gefahrengebieten.


Die Zahl der Einbrüche geht zurück - die Staatsmacht zeigt offenbar Zähne

Ein Kommentar von Eckard Gehm

Im vergangenen Herbst und Winter gab es bei den Einbruchszahlen nur einen Trend: Sie stiegen unaufhaltsam – bei  sinkender Aufklärungsquote. Innenminister Stefan Studt (SPD) geriet in die Kritik – und reagierte. Mit mehr Personal für die Polizei und einem geschärften Konzept gegen Einbrecherbanden.

Nun gibt es eine erfreuliche Entwicklung. Kein Ermittler lässt sich dazu hinreißen, darin bereits einen Effekt der jüngsten Veränderungen zu sehen, doch ohne  Frage sind die Weichen richtig gestellt. In jeder Polizeidirektion gibt es ein Dezernat für Banden- und  Serienkriminalität, mehr Spurensicherer kommen, die Zusammenarbeit mit der Justiz soll verbessert werden, ebenso die Zusammenarbeit mit benachbarten Bundesländern. Einbrecher, die Asyl beantragen, will Studt schneller abschieben. Und nicht zuletzt hat er die Ausstattung der Polizei verbessert.

Auf die bange Frage aus den dunklen Wintermonaten „Wie machtlos ist die Staatsmacht“ zeichnet sich eine Antwort ab: Sie zeigt Zähne. Ob sich die Entwicklung fortsetzt, über den Sommer bis in den Herbst und Winter, die traditionelle Einbruchszeit, wird sich zeigen. Um abschreckende Effekte gegen internationale Einbrecherbanden zu erzielen, bedarf es nämlich nicht nur einer gestärkten Polizei, sondern auch einer harten Justiz.

Hier allerdings treibt einem der Blick auf die Fakten die Schweißperlen auf die Stirn. Laut Statistikamt Nord haben Gerichte 2010 in Schleswig-Holstein noch 428 Einbrecher verurteilt, seitdem gingen die Zahlen kontinuierlich zurück, die Tendenz ist lückenlos. Zuletzt waren es lediglich 290. Der Trend lässt sich bundesweit beobachten und ist ein Paradoxon. Schließlich hat sich die Kriminalität nicht in gleichem Maße verringert. Für die Opfer ist das nach der Tat ein weiterer Schlag ins Gesicht, denn durch Einbrüche sind sie in ihrem Sicherheitsempfinden oft schwer traumatisiert.

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erstellt am 02.Jun.2016 | 20:19 Uhr

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