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Wirtschaft

10. Dezember 2016 | 04:20 Uhr

Umsatz im ersten Halbjahr 2016 : Schleswig-Holsteins Industrie schwächelt

vom

Die Betriebe und das Land können nichts für die Negativbilanz, sagt Minister Meyer. Die Opposition sieht das anders.

Kiel | Mit einer klaren Negativbilanz hat die Industrie in Schleswig-Holstein das erste Halbjahr abgeschlossen. Der Gesamtumsatz der 532 größeren Betriebe der Branche sank im Vorjahresvergleich um sechs Prozent auf 14,9 Milliarden Euro, berichtete das Statistikamt Nord am Montag. Die Inlandsnachfrage fiel mit einem Minus von acht Prozent auf 8,5 Milliarden Euro noch stärker als der Auslandsabsatz. Dieser ging um vier Prozent auf 6,3 Milliarden Euro zurück. Die Exportquote stieg damit leicht auf 43 Prozent. Die Ausfuhren in Länder der Eurozone gaben um sechs Prozent nach. Außerhalb von Euroland betrug das Minus zwei Prozent.

Der Maschinenbau als umsatzstärkste Branche (2,9 Milliarden Euro) verbuchte einen Rückgang um elf Prozent. Auch die Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln (minus zehn Prozent auf 2,3 Milliarden Euro sowie die Chemieproduktion (minus sieben Prozent auf 1,2 Milliarden Euro) registrierten negative Umsatzentwicklungen. Die Mineralölverarbeitung brach preis- und nachfragebedingt um 39 Prozent auf 0,9 Milliarden Euro ein. Dagegen legte die Pharma-Industrie um vier Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu.

Im Monatsdurchschnitt des ersten Halbjahres arbeiteten rund 102 500 Menschen in Industriebetrieben mit mindestens 50 Beschäftigten und damit ein Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2015. Das Arbeitsvolumen stieg um knapp drei Prozent.

„Bei den aktuell veröffentlichten Zahlen machen sich Faktoren bemerkbar, die wir nicht beeinflussen können“, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Als Beispiele nannte er die preisbedingten Rückgänge bei der Mineralölverarbeitung, das Russland-Embargo, die gesunkene Nachfrage aus China im Nahrungsmittelbereich und Schwankungen, denen die Zahlen beim Maschinenbau durch Großaufträge oft unterliegen. „Die Industrie ist für Schleswig-Holstein sehr wichtig“, betonte Meyer. „Sie bietet hochwertige Arbeitsplätze, ist innovativ und steckt voller Potenzial für die Zukunft.

Die Opposition sieht dagegen angesichts des Umsatzrückgangs in der Industrie die Landesregierung in der Pflicht. Von einem Weckruf sprach CDU-Fraktionschef Daniel Günther. “Es reicht nicht länger aus, hochtrabende Kongresse zu veranstalten, auf denen über Industriepolitik geredet wird„, sagte er. “Wir brauchen endlich ein klares Bekenntnis zu Industriearbeitsplätzen, das sich in einer aktiven Industriepolitik niederschlägt.„ Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Wirtschaftsminister Meyer müssten endlich eine vernünftige Industriepolitik betreiben.

Aus Sicht von FDP-Fraktionsvize Christopher Vogt offenbaren die Zahlen, wie schlecht es unter SPD, Grünen und SSW um den Wirtschaftsstandort bestellt sei. “Es stellt sich die Frage, wann eigentlich die industriepolitische Strategie endlich starten soll, die diese Landesregierung nach jahrelangem Tiefschlaf großspurig angekündigt hatte.„ Schleswig-Holstein sei kein klassisches Industrieland, aber die De-Industrialisierung schreite hier noch schneller voran als im Bundesdurchschnitt.

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erstellt am 22.Aug.2016 | 19:15 Uhr

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