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Wirtschaft

04. Dezember 2016 | 23:24 Uhr

IG Metall Küste : Schleswig-Holstein und Hamburg: Tausende protestieren für mehr Lohn

vom

In vielen norddeutschen Städten gab es Kundgebungen geplant. In Hamburg kamen mehr als 4000 Arbeitnehmer zusammen.

Hamburg | In der Woche der Entscheidung im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie haben am Dienstag Tausende Beschäftigte im Norden gegen das Arbeitgeber-Angebot protestiert. Allein in Hamburg waren nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall Küste mehr als 4000 Arbeitnehmer zu einer Kundgebung zusammengekommen. Sie reagierten auf die angebotene Entgeltsteigerung von 2,1 Prozent plus Einmalzahlung von 0,3 Prozent bei 24 Monaten Laufzeit mit Buh-Rufen und Trillerpfeifenkonzert. Die Gewerkschaft fordert 5,0 Prozent mehr Entgelt. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Nordmetall, Thomas Lambusch, wertete den Warnstreik als „verantwortungslose Gewerkschaftsfolklore“.

Die Vorstellungen der IG Metall und die der Arbeitgeber liegen weit auseinander. Noch ist keine Einigung in Sicht - und es könnte zu weiteren Streiks in diesem Monat kommen.

Dagegen rief der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, den Demonstranten zu: „Ihr habt eindrucksvoll gezeigt, dass Ihr hinter dieser Forderung steht.“ Beschäftigte von Airbus bis Vattenfall hatten ihre Arbeit für Stunden niedergelegt und waren in drei Sternmärschen zur Versammlung gekommen. „Die Arbeitgeber haben es jetzt in der Hand, einen Kompromiss vorzulegen, über den wir verhandeln können“, mahnte Geiken.

Am gleichen Tag beschloss der Vorstand der IG Metall in Frankfurt, die Verhandlungen an diesem Donnerstag im mitgliederstärksten Tarifgebiet Nordrhein-Westfalen fortzusetzen. Am Montag hatten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber in der NRW-Stadt Neuss in der vierten Runde so weit angenähert, dass offenbar beide Seiten einen Durchbruch für möglich halten.

Ungeachtet dessen wurden die Warnstreiks am Dienstag an der Küste - zwischen Emden und Rostock, Flensburg und Lübeck - fortgesetzt. Unter dem Motto „Wir für Mehr“ streckten die Demonstranten in Hamburg die Finger einer Hand in die Höhe, um ihre Entgeltforderung zu symbolisieren. Die Jugendvertreterin der Gewerkschaft, Laura Papke (21), verwies auf steigende Kosten für Miete, Fahrgeld und Kleidung bis zu den Hobbys, die Auszubildende zu tragen hätten. „Und das bedeutet nicht, dass wir jede Woche shoppen oder ins Kino gehen.“

„Wenn es nach den Arbeitgebern ginge, wäre jede Lohnforderung falsch“, sagte Geiken. Die 5,0 Prozent seien aber mehr als berechtigt, weil die Wirtschaft floriere. Der Nordmetall-Präsident verwies jedoch darauf, dass viele Betriebe, „die ohnehin unter Auftragsrückgängen und der schwächelnden Weltkonjunktur leiden“, durch eine ganztägige Lahmlegung zusätzlich belastet würden.

Sollte vor Pfingsten im Tarifkonflikt kein Lösungsvorschlag auf den Tisch kommen, will die IG Metall Küste nach den Feiertagen mit 24-stündigen Warnstreiks weitermachen.

Was fordern Beschäftigte in anderen Branchen? Antworten liefert die Tabelle über die Tarifrunde 2016, nachzulesen auch auf der Webseite der Hans-Böckler-Stiftung.

Branche Gehaltsforderung
Bankgewerbe 4,9 Prozent
Bauhauptgewerbe 5,9 Prozent
Deutsche Telekom 5 Prozent
Druckindustrie 5 Prozent
Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie 5 Prozent
Hotel- und Gaststättengewerbe 100 Euro/Monat
Metall- und Elektroindustrie 5 Prozent
Nahrung-Genuss-Gaststätten 4,5-5,5 Prozent
Öffentlicher Dienst, Bund und Gemeinden 6 Prozent
Süßwarenindustrie 6 Prozent
Volkswagen AG 5 Prozent
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erstellt am 10.Mai.2016 | 13:09 Uhr

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