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Wirtschaft

10. Dezember 2016 | 12:01 Uhr

Karl-May-Festspiele oder WOA : Schlechtes Wetter macht Festivals teurer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Veranstaltungen mussten 2016 wegen Starkregen abgesagt werden. Noch immer sind nicht alle Eintrittsgelder erstattet.

Erst wummern Bässe, dann der Donner. Blitze gehen nieder. Abstand halten von Absperrgittern und Lautsprecher-Türmen! Vor der Bühne kauern Festival-Besucher unter Regencapes im Matsch. Tausende sind der Gewitterfront schutzlos ausgeliefert. Schließlich wird das Festival abgebrochen – mehr als einmal ist das im vergangenen Sommer passiert. Rock am Ring und das Southside Festival sind nur die bekannteren von ihnen. Dutzende Gäste wurden verletzt. Nun werden die wirtschaftlichen Folgen der Unwetter-Serie deutlich.

Veranstalter ächzen unter Rückzahlungen in Millionenhöhe, noch immer sind nicht alle Ansprüche abgewickelt. Und für Festival-Besucher könnten im nächsten Jahr die Eintrittskarten teurer werden. „Eine solche Vielzahl von Veranstaltungsabbrüchen hat es in diesem Umfang noch nicht gegeben“, sagt Jens Michow, der Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft. „Veranstalten ist 2016 sicher nicht leichter geworden. Insbesondere Open Air-Veranstalter mussten erhebliche Verluste hinnehmen.“ Michow spricht von Schäden in zweistelliger Millionenhöhe, die durch Rückzahlungsansprüche zigtausender Besucher entstanden.

Auch in Schleswig-Holstein sorgten Unwetter für Veranstaltungsabbrüche – so zum Beispiel bei der Premiere der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg. Statt spannender Reiter- und Westernspiele gab es endlose Wasserflächen am Kalkberg.

Der „Silbersee“, wie ihn keiner haben wollte: Der Starkregen hatte die Kalkberg-Arena geflutet, die Premiere fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.
Der „Silbersee“, wie ihn keiner haben wollte: Der Starkregen hatte die Kalkberg-Arena geflutet, die Premiere fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Foto: dpa)
 

Denn wenn Teile einer Musikveranstaltung wegen höherer Gewalt ausfallen, wird dafür kein Eintrittspreis fällig, wie der Bundesverband der Verbraucherzentralen erläutert. Auf Mehrkosten wie dem Preis des Zugtickets bleiben die Kunden aber sitzen, auch auf Schadenersatz etwa für beschädigte Kleidung können sie nicht hoffen.

Allein Rock am Ring erstattet Tausenden Besuchern 40 Prozent des Eintrittsgeldes – was nicht so einfach ist, wie es klingt. Denn viele können keine Eintrittskarten vorlegen. Deshalb werden auch die Konzert-Armbänder akzeptiert.

Verwüstungen auf dem Festivalgelände nach den Unwettern.
Verwüstungen auf dem Festivalgelände nach den Unwettern. Foto: Thomas Frey
 

Wie verändert die Lage in diesem Jahr ist, zeigt der verfilmte Rückblick der Veranstalter des Hurricane-Festivals. Es war im niedersächsischen Scheeßel im Juni wegen Unwettern mehr als einen Tag lang unterbrochen. Der erste Dank geht im Video nicht etwa an die Sponsoren. „Danke der Feuerwehr und dem THW für das Abpumpen von Millionen Tonnen Regenwasser“, heißt es da zunächst, es folgen Polizei und Sanitäter mit geländegängigen Rettungsfahrzeugen.

Der Zeltplatz des Hurricane-Festivals in Scheeßel steht unter Wasser.
Der Zeltplatz des Hurricane-Festivals in Scheeßel steht unter Wasser. Foto: Sophia Kembowski
 

Mit den Unwetterkosten dieses Jahres dürften die Versicherungsprämien für die Veranstalter steigen. „Das wird sich leider zwangsläufig auf die Ticketpreise auswirken“, sagt Michow. „Aber ich hoffe, dass sich Preissteigerungen – wenn sie denn überhaupt erforderlich werden – im Rahmen halten.“

Auch das Heavy-Metal-Festival in Wacken litt in den letzten zwei Jahren unter Starkregen und nicht abfließenden Wassermassen – und reagierte mit einer Preiserhöhung für 2017. Nicht ohne Grund, wie Festival-Sprecher Nick Hüper shz.de erklärte: „Der gestiegene Ticketpreis ist ein Ergebnis verschiedener Faktoren. Ein großer Faktor sind die baulichen Infrastrukturmaßnahmen, die auf dem Gelände notwendig waren. Nach zwei Jahren extremen Wetters mit viel Regen hat das ’Holy Land’ gelitten. Da mussten wir nun was tun.“ Natürlich hoffe man 2017 endlich wieder auf trockenes Wetter, „aber wir wollen bestmöglich vorbereitet sein“. Die laufenden Baumaßnahmen verbesserten die Gesamtsituation für Besucher, Mitarbeiter und Bands, so Hüper. Zudem habe man zuletzt einen erhöhten Flächenbedarf gehabt und die generellen Kostensteigerungen spielen natürlich auch eine Rolle. Hüper weiter: „2017 sind aber keine Frühanreisegebühren zu entrichten, was vormals pro Person 30 Euro ab Montag und 20 Euro ab Dienstag entsprochen hat. Die Fans können also bereits Montag ab 15 Uhr ohne zusätzliche Kosten anreisen. Dazu sind jetzt auch Duschen und Spültoiletten im Ticketpreis inkludiert.“

Festivalbesucher im Regen.
Festivalbesucher im Regen. Foto: Axel Heimken
 

Beim Branchenkongress am Donnerstag in Berlin hatten die Veranstalter noch ein anderes kostenträchtiges Thema auf der Tagesordnung. Überschrift im Tagungsprogramm: „Terror.“ Angesichts von Attacken auch in Deutschland diskutieren die Unternehmer, wie sie die Gefahr von ihren Events fernhalten.

„Wir alle wissen, dass es keinen hundertprozentigen Schutz gegen Terror gibt“, sagt der Branchenpräsident. „Wir können nur vorsorglich die Risiken minimieren.“ Michow versicherte, für die Sicherheit der Besucher werde alles Erforderliche getan. „Aber natürlich verursacht das auch höhere Kosten – insbesondere beim Personalaufwand. Aber gespart wird bei der Sicherheit ganz sicher nicht.“

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