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Wirtschaft

27. August 2016 | 03:08 Uhr

Razzia und Strafanzeige: Neuer Ärger für Sig Sauer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sig Sauer kommt nicht aus den Schlagzeilen: Gestern hat es erneut Durchsuchungen im Fall der möglicherweise illegalen Waffenlieferungen gegeben. Wo genau durchsucht wurde, wollte die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen. Sig Sauer wird vorgeworfen Pistolen an Kasachstan und Kolumbien geliefert zu haben, obwohl dafür keine Genehmigungen vorlagen. In beiden Fällen sollen die Geschäfte über eine US-Schwester abgewickelt worden sein, die die Pistolen aus Eckernförde dann in die jeweiligen Länder weitergeleitet hat. Heikel daran: Berichten der „Süddeutschen Zeitung “ zufolge soll die Geschäftsführung in Eckernförde dabei von diesem Weitervertrieb der Pistolen im Vorfeld gewusst haben.

Bereits im Januar sowie zu Beginn dieses Monats hatte es Untersuchungen in den Werksräumen von Sig Sauer gegeben. Und offenbar haben die in rechtlicher Hinsicht ungeklärten Lieferungen auch schon erste Konsequenzen für den Eckernförder Betrieb. Das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hat Anfang Juli die Bearbeitung sämtlicher Ausfuhranträge von Sig Sauer gestoppt, wie in Unternehmenskreisen bestätigt wurde. Voraussichtlich noch im Laufe der Woche will das Bündnis „Aktion Aufschrei“, das sich gegen den internationalen Waffenhandel einsetzt, Strafanzeige gegen Sig Sauer stellen. Waffenexperte und Bündnis-Sprecher Jürgen Grässlin zufolge sei der Hang der Unternehmen, die Regeln beim internationalen Waffenverkauf zu umgehen oder Gesetzeslücken auszunutzen, „scheinbar größer“ geworden. Als Grund dafür sieht er den Wegfall der Bundeswehr als Abnehmer im Inland. „Die Hersteller sehen ihre Produktionskapazitäten nicht ausgelastet – also wollen sie neue Märkte erschließen.“

Hinter den Kulissen des Sauer-Universums soll es derweil nach Informationen unserer Zeitung harte Auseinandersetzungen um die Frage gehen, wer die Verantwortung für die umstrittenen Geschäfte trägt. Vor allem gerät dabei offenbar von Ron Cohen unter Druck, der Geschäftsführer von Sauers gleichnamiger US-Schwester. Bei der L&O Holding des Sauer-Eigentümers Michael Lüke in Emsdetten war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch bei Sig Sauer in Eckernförde selbst wollte sich gestern niemand zu den neuen Entwicklungen äußern. In der Vergangenheit gab Sig Sauer an, dass der Sachverhalt von Rechtsanwälten geprüft worden sei und sich keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten ergeben hätten.

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erstellt am 14.Jul.2014 | 18:52 Uhr

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