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Wirtschaft

01. September 2016 | 03:50 Uhr

Gläubigerversammlung : Prokon-Versammlung beschließt Insolvenzplan

vom

Rodbertus ist gescheitert: Der Prokon-Insolvenzverwalter Penzlin wurde in seinem Amt fast einstimmig bestätigt, 15.000 Genussrechte-Inhabern wird das Stimmrecht versagt.

Hamburg | Die Gläubigerversammlung des zahlungsunfähigen Windenergieunternehmens Prokon hat einen Sanierungsplan beschlossen. Er soll vom bisherigen Insolvenzverwalter, dem Hamburger Rechtsanwalt Dietmar Penzlin, ausgearbeitet werden. Penzlin wurde am Dienstag bei der Versammlung auf dem Hamburger Messegelände in seinem Amt fast einstimmig bestätigt, wie Teilnehmer berichteten. „Es ist ein guter Tag für das Unternehmen, ein guter Tag für die Gläubiger und ein guter Tag für die Belegschaft“, sagte Penzlin. Er hoffe, sich im nächsten halben Jahr „hoffentlich in Ruhe der Sanierungsarbeit zuwenden zu können“. Außerdem wurde der Gläubigerausschuss bestätigt und die Zahl der Mitglieder um zwei auf sieben erhöht.

Zu der nicht öffentlichen Gläubigerversammlung – es war eine der größten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte – seien 2350 stimmberechtigte Gläubiger aus ganz Deutschland gekommen, sagte eine Sprecherin des zuständigen Amtsgerichts Itzehoe (Schleswig-Holstein) am Abend. Teilnehmer sprachen von mehr als 5000 Anwesenden. In Hamburg seien 29.600 Gläubiger vertreten worden, so die Sprecherin weiter. Das stimmberechtigte Kapital habe knapp 705 Millionen Euro betragen. Die „Freunde von Prokon“, mit 427 Millionen Euro Kapital die stärkste Gruppe, zeigten sich hoch erfreut, dass Penzlin nun seine Vorstellungen weiter umsetzen könne. Prokon hat rund 75.000 Gläubiger. Sie hatten rund 1,4 Milliarden Euro über Genussrechte in der heute überschuldeten Firma angelegt. Sie dürften ein Großteil ihres Kapitals verlieren. Anfang 2015 wird dann endgültig über den Insolvenzplan abgestimmt.

Mit dem Beschluss der Gläubigerversammlung setzte sich der Insolvenzverwalter gegen Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus durch. Dieser hatte andere Sanierungsvorstellungen und wollte Prokon als Ganzes erhalten. Dagegen hält Penzlin den Verkauf von Firmenteilen (Ölmühle, Holzindustrie) für notwendig, um damit Forderungen abzulösen. Er will aber das Kerngeschäft mit Windkraftanlagen fortsetzen und 300 von ursprünglich 450 Arbeitsplätzen erhalten.

Bereits vor Beginn der Gläubigerversammlung ging es turbulent zu: Die zuständige Rechtspflegerin des Landgerichts Itzehoe hatte 15.000 Vollmachten, also Stimmen für Prokon-Gründer Carsten Rodbertus, für ungültig erklärt. Rodbertus hatte die Vollmachten über Alfons Sattler gesammelt – für Rodbertus ist er ein Vertrauter, Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin bezeichnet ihn als „Strohmann“. Die Vollmachten seien ungültig, weil Sattler nur ein „willfähriges Mittel für Rodbertus sei“, sagte die Rechtspflegerin. Für Rodbertus soll sich dadurch ein nicht zulässiger Interessenkonflikt als Geschäftsführungsorgan und Vertreter von Genussrechten ergeben haben. Die drei Anwälte, auf die die 15.000 Stimmen vereinigt sind, hatten Befangenheitsanträge gestellt. Die Anträge wurden abgelehnt, nach dem turbulenten Auftakt wurde die Gläubigerversammlung fortgesetzt.

Dieter Graefe aus Berlin ist einer dieser drei Anwälte und vertritt 5000 Prokon-Genussrechteinhaber. „Das ist ein verfassungswidriges Vorgehen, dass ich in dieser Form noch nicht erlebt habe“, sagte er vor Beginn der Gläubigerversammlung gegenüber shz.de. Das diene eindeutig dazu, den Insolvenzverwalter in seiner Position zu halten und das Verfahren „durchzupeitschen“. Rodbertus sagte beim Verlassen der Veranstaltung, „die Rechtsbeugung seitens des Gerichts“ habe er so nicht erwartet. Dagegen bezeichnete Penzlin die Stimmrechts-Annullierung als „mutige, couragierte Entscheidung“: „Das zeigt, dass man nicht um jeden Preis Vollmachten erwerben kann.“ Im übrigen hätten die Annullierungen auf die Abstimmungsergebnisse ohnhin keine Auswirkungen gehabt.

Nun seien die Träume des ehemaligen Prokon-Geschäftsführers beendet, wieder die Macht zu übernehmen, meinte DSW-Vizepräsident Klaus Nieding. Die DSW habe ihre Ziele vollständig erreicht, „weil Prokon mit diesem Ergebnis wieder eine echte Chance hat“. Der Insolvenzverwalter hatte Rodbertus als Chef der Prokon Regenerative Energien GmbH Ende April fristlos entlassen. Er hielt ihm Pflichtwidrigkeiten und mangelnde Geschäftsführung vor.

Anerkannte Jahresabschlüsse für 2012 und 2013 konnten noch nicht vorgelegt werden. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen Rodbertus unter anderem wegen Insolvenzverschleppung. In finanzielle Schieflage kam das Unternehmen, als etliche Gläubiger ihre Genussrechte kündigten und ihr Geld zurück haben wollten.

Insgesamt lag die Summe der gekündigten Genussrechte bei rund 400 Millionen Euro, das Unternehmen konnte dieses Geld aber nicht aufbringen.

Die Gläubigerversammlung ist eine der größten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte und soll über die Zukunft des zahlungsunfähigen Windenergieunternehmens entscheiden. Tausende lassen sich von verschiedenen Interessengruppen vertreten.

Seit Wochen tobt ein Kampf in der Öffentlichkeit zwischen Ex-Prokon-Chef Rodbertus und Penzlin. Der Insolvenzverwalter hatte Rodbertus als Chef der Prokon Regenerative Energien GmbH fristlos entlassen.

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erstellt am 22.Jul.2014 | 10:26 Uhr

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