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Wirtschaft

29. September 2016 | 18:59 Uhr

Vor Gläubigerversammlung : Prokon-Insolvenzverwalter greift Gründer Rodbertus frontal an

vom

Vorwurf der „Fantasiezahlen" und ein noch größerer strafrechtlicher Verdacht: Dietmar Penzlin geht in die Offensive.

Itzehoe | Der Insolvenzverwalter des Itzehoer Unternehmens Prokon erhebt massive Vorwürfe gegen Unternehmensgründer Carsten Rodbertus - bis hin zum Vorwurf der Täuschung und Falschaussage. „Behauptungen von Herrn Rodbertus zur Ertragsfähigkeit von Prokon sind reine Fantasiezahlen ohne Bezug zur Realität“, lässt sich Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin in einer am Mittwochmorgen verbreiteten Pressemitteilung zitieren. Ermittlungen hätten „eine Vielzahl an Anhaltspunkten für pflichtwidriges Verhalten“ ergeben. Er gehe davon aus, dass noch 2014 „eine umfangreiche Schadenersatzklage gegen Herrn Rodbertus erhoben wird“.

Hintergrund der scharfen Worte des Insolvenzverwalters ist die für kommende Woche Dienstag geplante Gläubigerversammlung von Prokon. 75.000 Menschen hatten Prokon rund 1,4 Mrd. Euro in Form sogenannter Genussrechte zur Verfügung gestellt. Im Vorfeld der Gläubigerversammlung versuchen Vertreter, bei Gläubigern Vollmachten für Stimmrechte einzuwerben. Auch Rodbertus tut das. „Herr Rodbertus stilisiert die anstehende Gläubigerversammlung zu einem Kampf“, wirft Penzlin ihm vor.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Lübeck gegen Rodbertus wegen Insolvenzverschleppung ermittelt. Auch weiterere Delikte würden untersucht, hatte Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm gesagt. Details wollte sie nicht nennen. Laut Insolvenzverwalter Penzlin handelt es sich um den Verdacht der Untreue in besonders schwerem Fall und des Betrugs in besonders schwerem Fall. Das habe die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage bestätigt.

Penzlin wirft Rodbertus schwere Fehler in der Buchhaltung vor: Im Abschluss 2012 seien „erhebliche Teile des Anlagevermögens“ falsch ausgewiesen. Der Jahresabschluss 2012 sei deshalb „voraussichtlich sogar nichtig“. Auch der Abschluss 2013 werde „aufgrund der bestehenden Mängel und der rückwirkend nicht mehr rekonstruierbaren Buchführung" voraussichtlich nicht testierbar sein.

Der Insolvenzverwalter warnt die Anleger ausdrücklich, Rodbertus bei der bevorstehenden Gläubigerversammlung mit Vollmachten auszustatten. Rodbertus verspreche eine Auszahlung von 90 bis 100 Prozent der Genussrechtsforderungen bei einer Verzinsung von zwei bis drei Prozent: „Diese Rechnung kann niemals aufgehen. Das Versprechen hat die gleiche Qualität wie die Zusicherung, die er bei Zeichnung der Genussrechte gegeben hatte. Das Ergebnis ist bekannt. Prokon ist jetzt insolvent.“

 

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erstellt am 16.Jul.2014 | 13:00 Uhr

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