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Wirtschaft

02. Juli 2016 | 02:23 Uhr

Nord-Ostsee-Sparkasse : Nospa strukturiert ihr Filialnetz neu

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Online- und Mobile-Banking gewinnt an Bedeutung: Bei den geplanten Umstrukturierungen sollen 19 von 114 Filial- und SB-Standorten der Nospa geschlossen werden.

Flensburg/Schleswig/Husum | Die Nord-Ostsee-Sparkasse (Nospa) reagiert auf das sich stark verändernde Kundenverhalten und strukturiert ihr Filialnetz neu. Der Grund: Das Online- und Mobile-Banking gewinnt im Tagesgeschäft rasant an Bedeutung. „Das ist eine technische Revolution, die den Markt der Kreditinstitute völlig umkrempelt“, sagt Thomas Menke, Vorstandsvorsitzender der Nospa. Schon heute würden 50 Prozent der insgesamt rund 200.000 Nospa-Kunden aufs Onlinebanking setzen – Tendenz weiter stark steigend. 13.000 Nospa-Kunden haben Sparkassen-Apps heruntergeladen. Zudem werden Routine-Bankgeschäfte immer häufiger in SB-Filialen der Innenstädte und regionalen Versorgungszentren abgewickelt – dort, wo die Kunden arbeiten oder einkaufen. „Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Nutzungsfrequenz von Mitarbeiter-Filialen, SB-Standorten und Online-Diensten“, stellt Menke fest. Gleichzeitig würden die Kunden bei komplexen Finanzfragen wie Geldanlage, Immobilien-Finanzierungen oder Altersvorsorge kompetente und persönliche Beratung vor Ort erwarten.

Vor diesem Hintergrund will die Nospa von Herbst an ihr Privatkundengeschäft neu organisieren und baut bis Ende kommenden Jahres 19 ihrer Standorte zu sogenannten Regionaldirektionen aus. Hier sollen Privatkunden künftig alle Produkte und Dienstleistungen sowie eine entsprechende Beratung angeboten werden. Bisher ist das nur an wenigen ausgewählten Standorten möglich, komplexe Finanzgeschäfte können nur in Flensburg, Schleswig und Husum abgewickelt werden. „Mit den Regionaldirektionen bieten wir unseren Kunden nicht nur kürzere Wege, sondern auch schnellere Entscheidungen“, betont Menke. Zudem sollen mitarbeitergeführte Filialen zusammengelegt oder in SB-Filialen umgewandelt werden. Folge: Von den bislang insgesamt 114 Standorten im Geschäftsgebiet der Nospa sollen am Ende 95 bestehen bleiben. „Die Analyse des Kundenverhaltens hat ergeben, dass einige mit Mitarbeitern besetzte Filialen kaum noch genutzt werden“, erklärt Menke den Schnitt. Dabei sollen bis Ende kommenden Jahres 19 mitarbeitergeführte Filialen in SB-Standorte umgewandelt werden. Zudem werden 11 Filialen und 9 SB-Standorte aufgegeben, weil ein wirtschaftlicher Betrieb wegen zu geringer Nutzung nicht mehr möglich ist, kündigt Menke an. Ein neuer SB-Standort entsteht auf dem Flensburger Campus. Damit werden am Ende der Neustrukturierung von den bislang 70 mitarbeitergeführten Filialen in Flensburg sowie den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland 40 übrig bleiben. Die Zahl der SB-Filialen erhöht sich von 44 auf 55. Nach Aussage von Menke gewährleistet das neue Filialnetz, dass alle Kunden im gesamten Geschäftsgebiet innerhalb von 15 Autominuten eine Filiale erreicht.

 

Um das Service-Angebot für die Kunden trotz Filial-Schließungen zu erweitern, soll das Internet-Angebot ausgebaut werden. Neben dem Online-Banking sollen Kunden umfangreiche Informationen, Serviceleistungen und Produkte in einer „Internet-Filiale“ erhalten, in der auch Girokonten eröffnet, Ratenkredite oder Kfz-Versicherungen abgeschlossen werden können.

Um die Bargeldversorgung weiter zu verbessern, will die Nospa künftig auch neue Wege beschreiten. So ist geplant, dass sich Nopa-Kunden künftig in diversen Einzelhandelsgeschäften an „eCash“-Terminals Geld auszahlen lassen können. Und wer den Fuß nicht vor die Tür setzen will, kann sich künftig telefonisch bis zu 2000 Euro Bargeld bestellen, das dann von einem Nospa-Geldboten nach Hause geliefert wird. Der bargeldlose Zahlungsverkehr kann wie bisher telefonisch erledigt werden.

Ein Stellenabbau ist im Zuge der Neustrukturierung des Filialnetzes nicht geplant, so Menke. Vielmehr werde es mit dem Ausbau der Regionaldirektionen eine breit angelegte Qualifizierung der mehr als 1200 Beschäftigten geben. Zudem werde es mit der Dezentralisierung des fachlichen Know-Hows in die Regionaldirektionen eine qualifiziertere Ausbildung des Sparkassen-Nachwuchses geben. Die jährliche Kostenersparnis von rund zwei Millionen Euro vom Jahr 2016 an soll zumindest teilweise in den weiteren Ausbau des Online-Bankings reinvestiert werden. „Die zielgerichtete Bündelung der Kräfte bietet den Kunden und der Nospa eine riesige Chance“, versichert Menke und betont zugleich: „Die Sparkasse wird ihrem modernen Versorgungsauftrag gerecht und wieder wie früher eine selbständige Institution vor Ort mit kompetenten, engagierten Mitarbeitern, die Verantwortung übernehmen und sich aktiv in die Gemeinde einbringen.“

In den betroffenen Orten ist man nicht begeistert. „Das ist eine traurige Entwicklung“, sagte Rolf-Dieter Lippert, 1. stellvertretender Bürgermeister von Wanderup, „und nicht gut für eine Gemeinde, wie wir es sind“. Vor allem ältere Bewohner würden die Nospa-Filiale intensiv nutzen. Er sei überrascht von der Umwandlung, die so gar nicht zum Trend in Wanderup  passen würde: „Wir haben erst im August wieder unseren Kaufmann bekommen. Und die Konkurrenz der Nospa ist vor Ort.“

In Großenwiehe sprach Bürgermeisterin und Amtsvorsteherin Gudrun Carstensen, CDU, von einem erschütternden Vorgang. „Analytisch gesehen, kann man die Maßnahme vielleicht nachvollziehen“, sagte sie, doch für die Landbevölkerung sei es schlimm, nun ohne direkten Ansprechpartner dazustehen.

Im Norden des Kreisgebiets wird der Standort Sterup, der bisher mit Personal besetzt ist,  ganz aufgelöst. Ebenso werden die Flensburger SB-Standorte  Ochsenmarkt und Rathausstraße sowie Medelby aufgegeben. Neben Großenwiehe und Wanderup sind im Norden  Sörup, Streichmühle und der Hafermarkt in Flensburg von einer Umwandlung in eine SB-Filiale betroffen. Doch es gibt auch einen neuen SB-Standort: Studierende können künftig auf dem Campus ihre Geldgeschäfte erledigen; in der Mensa wird ein SB-Terminal installiert.

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erstellt am 14.Mai.2014 | 20:04 Uhr

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