zur Navigation springen

Wirtschaft

26. August 2016 | 06:56 Uhr

Nationalpark Wattenmeer : Militär bricht Waffenruhe: Schießübungen im Watt

vom

Die Bundeswehr testet ab Montag in der Meldorfer Bucht vor Dithmarschen Munition für einen Panzer. Kritiker sehen 55.000 Vögel bedroht.

Meldorf/Kiel | Vier Jahre war Ruhe – doch jetzt schießt die Bundeswehr wieder im schleswig-holsteinischen Nationalpark Wattenmeer. Ab Montag will sie in der Meldorfer Bucht vor Dithmarschen mindestens fünf Tage lang Munition für ihren neuen Schützenpanzer „Puma“ testen. Die Schießübungen seien „unumgänglich“, um eine „zeitgerechte Ausbildung der Soldaten“ für den neuen Panzer zu gewährleisten, schreibt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in einem Brief an Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck.

Ursprünglich wollte die Bundeswehr die Panzermunition sogar schon im Februar erproben – doch weil damals die internationale Wattenmeerkonferenz im dänischen Tondern lief, verschob von der Leyen die Tests auf Drängen von Habeck. Nun verspricht die CDU-Politikerin dem Grünen außerdem, „dass die Eingriffe in Flora und Fauna so gering wie möglich gehalten werden“. Und sie stellt ihm in Aussicht, dass die umstrittenen Waffentests im Weltnaturerbe bald ein endgültiges Ende finden könnten: „Ich habe die Prüfung von möglichen Alternativen für die Untersuchung von Rohrmunition mit der Absicht eingeleitet, mittelfristig eine Entlastung des Wattenmeers in der Meldorfer Bucht von der militärischen Nutzung zu bewirken“, schreibt von der Leyen etwas umständlich.

Habeck begrüßt die Ankündigung eines Stopps zwar. Er sagt aber auch, dass er sich „einen schnelleren Ausstieg der Bundeswehr gewünscht hätte“ und „kein Verständnis“ für die Munitionstests im Watt habe. Dass das Militär dort dennoch schießen darf, liegt an einer Vereinbarung aus den 60er-Jahren: Damals fehlten dem Land 30 Millionen Mark zum Bau der Köge in Dithmarschen. Daher verkaufte die Landesregierung der Bundeswehr für Waffenerprobungen 1500 Hektar Watt. Das war damals weder Nationalpark noch Weltnaturerbe.

Die Schutzstation Wattenmeer übte am Freitag deutliche Kritik an den Schießübungen: „Waffentests sind eines Weltnaturerbes unwürdig“, wetterte Geschäftsführer Harald Förster. Vor allem die derzeit rund 55.000 Vögel in der Bucht würden gestört – nicht nur durch den Knall der Geschosse, sondern auch durch deren anschließende Bergung mit Hubschraubern. Besonders litten Alpenstrandläufer und Großer Brachvogel. „Nachdem es jahrelang keine Tests mehr gab, hatten wir gehofft, dass Schluss ist“, sagte Förster. Dass nun doch wieder Schießübungen stattfinden, sei ein „Anachronismus“.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Nov.2014 | 09:19 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen