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Wirtschaft

08. Dezember 2016 | 19:15 Uhr

Fallende Milchpreise : Milchkrise: 250 Betriebe im Norden geben auf

vom
Aus der Onlineredaktion

Milchmenge sinkt, Preis steigt: Der Bauernverband hofft auf ein Ende der Krise, die deutschen Milchviehalter fordern eine Produktionsbremse.

Rendsburg  | Ist das das erhoffte Licht am Ende des Tunnels? Bauernverband-Generalsekretär Stephan Gersteuer sieht „deutliche Signale einer Erholung“ am Milchmarkt. Darauf deuten wichtige Indikatoren wie der Kieler Rohstoffwert hin, der der Milch ein Potenzial von 25 Cent pro Kilogramm bescheinigt – derzeit liegt der Preis noch bei dramatisch niedrigen 20 Cent pro Kilo. „Auch im Export, bei der Butter und beim Käse zeichnen sich stabilere Tendenzen ab“, sagt Gersteuer. Im kommenden Jahr könnte diese Erholung auch bei den Landwirten in Schleswig-Holstein ankommen.

Der fallende Milchpreis als Konsequenz aus dem Wegfall der Milchquote im März 2015 hat die wirtschaftliche Lage vieler Milchbauern zugespitzt. Viele Höfe stehen seither vor großen Herausforderungen und mitunter vor der Frage: aufgeben oder weitermachen?

Jedenfalls bei denen, die durchgehalten haben. Denn dass die produzierte Milchmenge in diesem Jahr nur noch leicht steigt – wohl um 1,5 Prozent – liegt vor allem daran, dass viele Betriebe in der Krise auf der Strecke geblieben sind. Um die 250 der 4000 schleswig-holsteinischen Milchbauern haben in diesem Jahr bereits aufgegeben, schätzt Gersteuer. „Sechs Prozent – das ist doppelt so viel wie in normalen Jahren durch den Strukturwandel wegfallen“, sagt Gersteuer.

Geld als Anreiz zum Weitermachen

„Sterbegeld“ nennt dann auch Kirsten Wosnitza vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) die neuen Hilfen, die im Juli von der EU beschlossen wurden. 150 Millionen Euro bekommen die Bauern für eine Reduzierung ihrer Milchproduktion – 14 Cent pro eingespartem Kilo –, und 350 Millionen verteilen die Länder selbst an ihre Bauern. Den deutschen Anteil von 58 Millionen Euro wird Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf 116 Millionen erhöhen.

„Wir freuen uns natürlich über jede Hilfe, aber letztlich ist das Geld eher ein Anreiz für Betriebe, die bereits ans Aufhören denken, doch noch ein paar Monate weiterzumachen“, sagt Gersteuer. Und für Wosnitza sind die Bekenntnisse zum Schutz der Milchbauern nur „Beruhigungspillen“ angesichts der 300 Millionen Euro, die allein den Betrieben in Schleswig-Holstein fehlen. Für sie kann von Aufwind noch nicht die Rede sein. „Ja, die Preise ziehen zum Ende des Jahres etwas an, aber auch dann sind wir noch weit von kostendeckenden Einnahmen entfernt“, sagt die Milchbäuerin aus Löwenstedt in Nordfriesland. „Die Löcher der letzten Jahre müssen gestopft werden, aufgenommene Kredite zurückgezahlt und Rücklagen gebildet werden, außerdem legt die Gesellschaft immer mehr Wert auf  Tierschutz – das kostet.“

Streit um Mengenbegrenzung

Das eigentliche Problem, die aus BDM-Sicht zu hohe Milchmenge, werde ohnehin verdrängt. „Die Politik setzt stattdessen auf die Selbstreinigung des Marktes, also das Aus für immer mehr Betriebe. So eine liberale Politik ist ja vielleicht o.k. – aber dann soll man es bitteschön auch sagen und nicht behaupten, alle Bauern lägen einem am Herzen“, sagt Wosnitza. Wolle man wirklich so viele wie möglich retten, gehe das nur über eine europaweite Mengenbegrenzung.

Eine solche lehnt der Bauernverband strikt ab. „Die von der EU gezahlten 14 Cent für die Produktionsbremse sind zu wenig, um die dadurch entstehenden Verluste auszugleichen – zumal der maximal erreichte Rückgang um 0,7 Prozent keinen Effekt hat“, sagt Gersteuer. Für die vom Bund zu verteilenden 116 Millionen will Schleswig-Holsteins Verband eine Verpflichtung zur Mengenreduzierung unbedingt verhindern. Stattdessen zeige der Markt gerade, dass er sich auch ohne Begrenzung selbst regulieren könne.

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erstellt am 16.Aug.2016 | 10:35 Uhr

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