zur Navigation springen

Wirtschaft

23. März 2017 | 17:38 Uhr

Energieminister : Keine neuen Biogasanlagen für den Norden

vom

Wissenschaftler warnen vor Umweltbeeinträchtigungen durch Biomasse. "Wir haben genug Biogasanlagen", sagt Energieminister Habeck.

Halle/Sönnebüll | Bioenergie kann als nachhaltige Energiequelle keinen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten. Dies ist das Ergebnis einer Stellungnahme von Forschern der Leopoldina. Die 20 Mitglieder der Arbeitsgruppe "Bioenergie" an der renommierten Nationalen Akademie der Wissenschaften in Halle an der Saale verglichen die Bioenergie mit anderen erneuerbaren Energieressourcen wie der Photovoltaik, der Solarthermie und der Windenergie. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Bioenergie mehr Fläche verbrauche und häufig mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden sei. Zudem konkurriere sie mit der Herstellung von Nahrungsmitteln. Vorrang geben die Experten daher der Einsparung von Energie sowie der Verbesserung der Energieeffizienz.
"Wir brauchen nicht mehr Biogasanlagen in Schleswig-Holstein, wir haben bereits genug", sagte Landwirtschafts- und Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). Es sei ein Punkt erreicht, bei dem ein weiterer Bau "uns in der Energiewende nicht weiter hilft". Für Schleswig-Holstein sei klar, dass die Energie von auf dem Festland stationierten Windkraftanlagen die preisgünstigste und vernünftigste Variante sei, die den allergrößten Anteil an der Energieversorgung haben werde. Der Anteil von Solarenergie sowie der Bioenergie werde wesentlich geringer sein.
Strategische Bedeutung
"Dennoch hat die Bioenergie eine strategische Bedeutung, weil sie potenziell über kurze Zeiträume speicherfähig ist." Damit könne sie als einzige regenerative Energie schwankende Belastungen im Stromnetz ein Stück weit ausgleichen. Zudem seien Biogasanlagen zum Teil auch Wärmeanlagen, mit denen private und öffentliche Gebäude beheizt werden können.
"Biogas ersetzt derzeit zwei Atomkraftwerke", hebt Hans-Ulrich Martensen, Sprecher des Fachverbands Biogas in Schleswig-Holstein, die Bedeutung der Biogasanlagen hervor. Eine allgemeine Sättigung im Norden kann er nicht erkennen. "Im Norden des Landes ist das sicherlich so, dort stehen ungefähr zwei Drittel aller Anlagen. Aber in Kreisen wie Dithmarschen oder Steinburg werden noch einige größere Biogasanlagen gebaut werden, dort ist noch großes Potenzial." Wenn dahinter eine ordentliche Wärmeversorgung stünde, sei das "sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoll".
Verträge über 20 Jahre abgeschlossen
Eine mögliche Konkurrenz zur Nahrungsmittelherstellung in Schleswig-Holstein bezeichnete Martensen als "Blödsinn". Bis 2008 habe es im Norden rund 800.000 Hektar Stilllegungsflächen gegeben. "Auf dieser Grundlage ist doch überhaupt erst die Basis zur Herstellung von Biomasse für Biogasanlagen geschaffen worden."
Klaus Dahmke, Pressesprecher beim Landes-Bauernverband, hält den Boom bei der Biomasse-Erzeugung für "beendet". Er sei selbst erstaunt gewesen, als er erfahren habe, dass aktuell zum ersten Mal seit Jahren die Maisanbaufläche im Land zurückgegangen sei. Einer Kehrtwende bei der Beurteilung von Biomasse sieht Dahmke gelassen entgegen. Die Politik habe vor Jahren diesen Weg vorgegeben, Landwirte hätten die sich ihnen bietenden Möglichkeiten durch Förderungen und Garantien ausgeschöpft. "Die Bauern haben Verträge über 20 Jahre für die Abnahme von Gas und Wärme abgeschlossen, danach können wir uns gern weiter unterhalten." Dennoch gibt Dahmke zu: Die Idee der Erzeugung und Verwertung von Biomasse sei "übersteuert" gewesen. "Im Nachhinein ist man immer schlauer."

zur Startseite

von
erstellt am 28.Jul.2012 | 07:24 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen