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Wirtschaft

02. Dezember 2016 | 23:28 Uhr

Institut der deutschen Wirtschaft : Kaufkraft: Was der Euro im Norden wert ist

vom

Die Lebenskosten erhöhen das Armutsrisiko in Hamburg massiv. Das Bild vom armen Schleswig-Holstein und reichen Hamburg wird damit grundlegend in Frage gestellt.

Kiel/Hamburg | In Hamburg ist der Wohnraum knapp. Ähnlich verhält es sich in München und anderen großen Städten. Dennoch drängen immer mehr Menschen in die Metropolen. Nicht zuletzt auch, weil Unternehmen aus solchen Städten mit vermeintlich hohen Gehältern die oftmals gut ausgebildeten Mitarbeiter locken. Nur ist in Wahrheit nicht nur der Wohnraum in Hamburg, München, Berlin und anderen urbanen Ecken der Republik knapp – auch der Wert des Euro ist dort meist weitaus geringer als in den ländlichen Regionen. Mit dramatischen Folgen.

Während die meisten Erhebungen zu Armut und Wohlstand vor allem die Einkommen betrachten, haben Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln diese den jeweiligen regionalen Preisen gegenübergestellt. Das übliche Bild vom armen Schleswig-Holstein und dem benachbarten reichen Hamburg wird damit grundlegend in Frage gestellt.

Deutlich wird dies unter anderem beim mittleren Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf – also jenem Einkommen, das von der Hälfte der Menschen in einer Region über- und von der anderen Hälfte unterschritten wird. In 2013 waren das in Westdeutschland 1538 Euro. In Hamburg können die Menschen aufgrund der höheren Preise damit aber nur für 1432 Euro einkaufen, in weiten Teilen Schleswig-Holsteins hingegen für 1531 Euro. In den Kreisen Stormarn, Segeberg oder auch Pinneberg sind es sogar 1606 Euro – nur in der Eifel und Teilen Bayerns wird dieser Wert noch übertroffen.

Die regionalen Preisunterschiede sind aus Sicht der Forscher vor allem mit Blick auf das Erkennen von Armut relevant. Offiziell gelten in Hamburg 16,9 Prozent der Menschen als armutsgefährdet. Ihr Haushaltsnettoeinkommen liegt bei unter 60 Prozent des deutschlandweiten Mittelwertes. Die Hansestadt steht damit kaum schlechter da als viele Kreise in Schleswig-Holstein. Werden jedoch die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten berücksichtigt, ändert sich dies schlagartig.

In Hamburg ist dann nach den Zahlen der IW-Experten Heiner Röhl und Christoph Schröder und ihrem Konzept der Kaufkraftarmut jeder fünfte von Armut bedroht (20,5 Prozent). In Schleswig-Holstein gilt dies hingegen gerade einmal für 14,2 Prozent – nur in Bayern (12,3 Prozent) und Baden-Württemberg (12,6) ist der Anteil noch geringer. Bremen (24,7), Berlin (22,7), Mecklenburg-Vorpommern (21,3) und eben Hamburg bleiben bei dieser Betrachtung hingegen als die Armenhäuser der Republik zurück. „Die Politik muss gerade in den Städten die Integration verbessern und die Ganztagsbetreuung weiter ausbauen. Nur so schafft sie bessere Möglichkeiten, die Armut durch Arbeit zu bekämpfen“, plädiert Schröder.

Das mittlere Einkommen pro Kopf betrug 2013 in Westdeutschland 1538 Euro im Monat. Je nach Region konnten sich Menschen dafür jedoch nur sehr unterschiedlich viel leisten. So viel ist die Summe je nach Region wert:

Übersicht: Was sich Menschen leisten können:

Das mittlere Einkommen pro Kopf betrug 2013 in Westdeutschland 1538 Euro im Monat. Je nach Region konnten sich Menschen dafür jedoch nur sehr unterschiedlich viel leisten. So viel ist die Summe je nach Region wert:

Kreis/Stadt Kaufkraft
Flensburg 1531 Euro
Kiel 1497 Euro
Neumünster 1497 Euro
Lübeck 1497 Euro
Schleswig-Flensburg 1531 Euro
Nordfriesland 1531 Euro
Rendsburg-Eckernförde 1497 Euro
Dithmarschen 1531 Euro
Steinburg 1531 Euro
Plön 1497 Euro
Ostholstein 1497 Euro
Pinneberg 1606 Euro
Segeberg 1606 Euro
Stormarn 1606 Euro
Herzogtum Lauenburg 1606 Euro
Hamburg 1432 Euro
München 1493 Euro
Berlin 1335 Euro

> Quelle: IW Köln

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erstellt am 10.Aug.2016 | 10:01 Uhr

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