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Lok-Bauer : Katerstimmung in Kiel bei Voith und Vossloh

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Vossloh drohen Forderungen nach Schadenersatz, Voith sucht Käufer für sein Werk in Kiel - die norddeutsche Lokomotiven-Industrie ist in Bedrängnis. Der Markt für Dieselloks schrumpft.

Kiel | Ganz rund läuft es für Vossloh nicht bei seinem Geschäft mit dem Bau von Loks und Zügen. Vor allem das auf Diesellokomotiven spezialisierte Werk Vossloh Locomotives in Kiel-Friedrichsort belastet den Konzern: Projekte kommen nicht voran, die Umsätze an den Standorten Kiel und Valencia brachen im ersten Halbjahr um rund 13 und 14 Prozent ein und millionenschwere Rückstellungen für mögliche Schadensersatzzahlungen drücken das Halbjahresergebnis des gesamten Konzerns um 5,7 Millionen Euro ins Minus.
Hintergrund der Schadensersatzklagen ist nach Branchenangaben ein seit Jahren schwelender Streit mit dem in Großbritannien ansässigen Zugvermieter Alpha Trains. Es geht um Loks, die auf Wunsch des Kunden modifiziert wurden, doch später aus dessen Sicht nicht ordnungsgemäß funktioniert haben sollen. Ob die Forderungen und die zuletzt sinkenden Umsätze für den Standort Kiel Folgen haben werden, ist unklar. In der Branche hieß es am Donnerstag zum Teil, dass Vossloh auch nur auf Rückstellungen und mögliche Schadensersatzforderungen verweise, um von insgesamt schwachen Zahlen abzulenken.

Steigende Umsätze im kommenden Jahr erwartet

Zuletzt hat Vossloh die Investitionen am Kieler Standort immer weiter zurückgefahren. Im vergangenen Jahr lagen sie mit 5,6 Millionen Euro gerade einmal noch bei der Hälfte von 2010. Nach möglichen Veränderungen am Kieler Werk gefragt, verwies ein Vossloh-Sprecher auf den hohen Auftragsbestand und darauf, dass spätestens für nächstes Jahr wieder mit deutlich steigenden Umsätzen zu rechnen sei. Tatsächlichen stehen Aufträge mit einem Wert von rund 492 Millionen Euro in den Büchern der Vossloh Transportation Systems, zu der auch Vossloh Locomotives gehört.
Klar ist: Weltweit wird das Geschäft mit Dieselloks auf ein Marktvolumen von 17 Milliarden Euro geschätzt. Doch der europäische Markt der Dieselloks gilt nicht als Wachstumsmarkt. "Ein bisschen ist es schon das Problem, dass in Europa bei Diesellokomotiven der Markt nicht größer wird", erklärt Maria Leenen vom Beratungsunternehmen SCI Verkehr. In seiner aktuellen Studie "Diesellokomotiven - weltweite Marktentwicklungen" prognostiziert SCI Verkehr bereits, dass es in den nächsten fünf Jahren keine steigenden Auslieferungszahlen bei Dieselloks in Europa geben wird.
Gemessen an den Auslieferungen der letzten vier Jahre kommt Vossloh laut Studie in Deutschland auf einen Marktanteil von 25 Prozent, der Konkurrent Voith auf 39 Prozent. Doch genau dieser kündigte bereits vergangenes Jahr an, sich von seinem Kieler Werk trennen zu wollen. "Wir sind nach wie vor in Verkaufsgesprächen", bestätigte ein Konzernsprecher von Voith dieses Vorhaben. Ende vergangenen Jahres hatte Konzernchef Hubert Lienhard eingeräumt, dass die Fertigung der Lokomotiven aber "wirtschaftlich nicht erfreulich" sei. Ohne Lokomotiv-Bau aber ist das Werk in Kiel für den Konzern hinfällig.

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erstellt am 27.Jul.2013 | 02:01 Uhr

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