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Wirtschaft

02. Dezember 2016 | 23:27 Uhr

Kaufhaus-Kette : Karstadt-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jeder vierten Filiale des Traditionskaufhauses droht das Aus – 900 Arbeitsplätze im Norden sind bedroht.

Kiel | Für die 900 Karstadt-Mitarbeiter in Schleswig-Holstein beginnt jetzt wieder das große Zittern. Ähnlich wie bei der Insolvenz im Jahr 2009 droht offenbar jeder vierten Filiale des angeschlagenen Kaufhauskonzerns das Aus. In den Standorten Flensburg, Kiel, Lübeck, Neumünster und Norderstedt herrscht Unruhe. „Schon wieder diese Hängepartie! Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll“, erklärte gestern eine genervte Verkäuferin in Kiel. „Alle haben Sorge und Ängste“, bestätigte Betriebsratsvorsitzende Miriam Schulz. Den ganzen Tag über habe es Mitarbeitergespräche gegeben. In Neumünster und Flensburg wollten weder Geschäftsführung noch Betriebsrat Stellung nehmen.

Die Stimmung beim Personal ist gedrückt. Der Grund: Nachdem der österreichische Investor Rene Benko am Wochenende von seinen Kaufabsichten abgerückt ist, müssen bundesweit 17.000 Mitarbeiter mit „schmerzhaften Einschnitten rechnen“, um dem „gesunden Kern des Unternehmens eine Zukunft zu geben“, sagte Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl. Mit allen Vertragspartnern des Traditionskaufhauses, das seit Jahren rote Zahlen schreibt, sollen Gespräche über finanzielle Zugeständnisse geführt werden. Es gebe zwar noch keine konkreten Schließungsbeschlüsse, „aber das Unternehmen macht sich seit einiger Zeit berechtigte Sorgen um die Profitabilität von mehr als 20 Häusern“, sagte Fanderl. „Die Fähigkeit, auf Dauer eine zu große Zahl unprofitabler Standorte zu betreiben“ sei begrenzt.

Karstadt verfügt derzeit noch über 83 Warenhäuser. Die 28 Sporthäuser sowie die drei Premiumhäuser Kadewe (Berlin), Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München) wurden im vergangenen Jahr schon an Benko und seine Investorengruppe verkauft. Angesichts der Turbulenzen verlangte die Gewerkschaft Verdi, dass Eigentümer Nicolas Berggruen endlich seinen Pflichten nachkommt. Er hatte Karstadt 2010 für den Symbolpreis von einem Euro übernommen. Kritiker werfen ihm vor, dem Unternehmen die für eine Sanierung notwendige Finanzspritze bislang versagt zu haben. Berggruen müsse sich seiner Verantwortung stellen: „Man kann nicht einfach mit dem Schicksal von 900 Mitarbeitern im Norden spielen“, sagte gestern Verdi-Sprecher Frank Schischefsky in Kiel. „Die Angestellten haben alles getan, um dem Konzern auf die Beine zu helfen. Sie haben auf Gehalt verzichtet und sind bei der Neuausrichtung alle Wege mitgegangen“. Jetzt sei Berggruen am Zug und müsse dafür sorgen, dass Ruhe einkehre. Keinesfalls dürfe der Investor das Traditionskaufhaus „mal eben profitabel auseinander nehmen und sich wie eine Heuschrecke benehmen“, warnt Schischefsky.

 

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erstellt am 16.Jul.2014 | 07:01 Uhr

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