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Wirtschaft

28. Mai 2016 | 07:46 Uhr

Bohrinseln : Gefahr von Öl-Katastrophen in der Nordsee wächst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zahl der Störfälle in der Nordsee steigt laut einem Experten. RWE Dea will auch an Schleswig-Holsteins Ostseeküste bohren.

Hamburg | Die Suche nach Öl in der Nordsee wird für Mensch und Natur riskanter – Verunreinigungen und Unfälle nehmen zu. Das zeigen eine Studie des Hamburger Energieexperten Steffen Bukold von der Organisation „Energycomment“ sowie Zahlen des zuständigen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover.

Demnach wurden allein in der britischen Nordsee im vergangenen Jahr 551 sogenannte meldepflichtige unerlaubte Einleitungen von Öl und Chemikalien festgestellt. 2012 waren es 518, in 2011 546 Störfälle. Daneben weist Bukold auf die in Teilen der Nordsee steigende Menge verunreinigten Wassers hin, das bei der Ölförderung auftritt – das „produced water“. Allein in der deutschen Nordsee hat sich die Menge hier in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. Zugleich ist die Zahl der Unfälle auf den Anlagen zuletzt gestiegen. Gab es dem LBEG zufolge zwischen 2004 und 2008 in der deutschen Nordsee nur einen meldepflichtigen Arbeitsunfall, waren es in den darauffolgenden fünf Jahren sieben.

Unterdessen treiben die Öl-Konzerne die Suche nach dem „schwarzen Gold“ voran. In der gesamten Nordsee ist die Zahl der Öl- und Gasfelder zuletzt stark gestiegen. Der Hamburger RWE Dea-Konzern – Betreiber von der Ölplattform Mittelplate – will zudem wieder verstärkt an Schleswig-Holsteins Ostküste fördern. Vergangenes Jahr wurde ihm dafür eine Bewilligung ausgesprochen. „RWE Dea hat noch kein Recht, ein Loch zu buddeln oder zu Sprengungen, sie haben nur das Recht, sich Gedanken zu machen“, hatte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck damals erklärt. Doch wie das LBEG auf Anfrage mitteilt, liegt dort inzwischen auch ein Antrag für drei Erkundungsbohrungen in Schleswig-Holstein vor.

„Die Gefahr einer großen Ölkatastrophe in der Nordsee steigt“, so der Energie-Experte Bukold. Zwar wurde vergangenes Jahr eine gemeinsame europäische Einrichtung dagegen auf den Weg gebracht. Doch Kritikern ist das zu wenig. „Die Europäische Maritime Sicherheitsagentur EMSA hatte bereits im letzten Jahr wichtige neue Aufgaben für den Meeresschutz an Offshore-Anlagen übertragen bekommen. Doch Deutschland blockiert seitdem den neuen Haushalt für die EMSA“, so die Grünen-Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms in Berlin. Und selbst wenn die EMSA die finanziellen Mittel hätte, bleiben ihre Möglichkeiten wohl fraglich. Die EMSA könne erst aktiv werden, „wenn etwas passiert ist“, erklärt der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Voß. Kontrollen beispielsweise bei bestehenden Ölplattformen kann sie nicht durchführen. Auch sei hinsichtlich der Haftungsfragen vieles nicht geklärt.

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erstellt am 14.Apr.2014 | 18:48 Uhr

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