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Wirtschaft

25. Juli 2016 | 17:52 Uhr

Kritik an Qualität der Pflege : Fachkräftemangel in SH: Aufnahmestopp für Pflegeheime

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer mehr Einrichtungen finden kein Personal mehr. Die Heimaufsicht kritisiert Prüfnoten der Krankenkassen.

Kiel | Der Fachkräftemangel in vielen Pflegeheimen spitzt sich dramatisch zu. Das belegen die Jahresberichte der Heimaufsichten für 2013 und 2014, die die ersten Kreisen im Land jetzt veröffentlicht haben. Trauriger Rekordhalter ist bislang der Kreis Nordfriesland, wo die gesetzlich vorgeschriebene Fachkraftquote von 50 Prozent nur in knapp der Hälfte der Einrichtungen eingehalten wird.

Eine Folge: Einige Heime wurden von der Heimaufsicht durch Belegungsstopps sanktioniert. Davon betroffen ist auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Westerland auf Sylt. „Der Fachkräftemangel in unseren Einrichtungen ist regional sehr unterschiedlich“, sagte Anke Buhl von der AWO unserer Zeitung. Vor allem in Randbereichen und touristischen Zentren sei es sehr schwierig, geeignetes Personal zu gewinnen. „Die Lage in Westerland hatte sich zugespitzt, so dass wir dort freiwillig die Plätze in der Einrichtung der Zahl der Fachkräfte angepasst haben“, erklärte Buhl.

Im Kreis Ostholstein hielten 2013 noch 17 der 95 erfassten Pflegeheime die Fachkraftquote nicht ein (18 Prozent). Ein Jahr später waren es schon 21 Pflegeheime (22 Prozent).

In Stormarn erfüllten 2014 von 94 Einrichtungen 17 die 50-Prozent-Quote nicht (18 Prozent). Hier wurden drei Belegungsstopps verhängt. Im Kreis Schleswig-Flensburg hatten 13 der 61 Pflegeheime zuwenig Fachkräfte (21 Prozent). Es wurden vier Belegungsstopps verfügt.

Zudem kritisieren gleich mehrere Kreise die Qualität der Pflege. So bemängeln beispielsweise Stormarn und Nordfriesland die sogenannten Transparenznoten, die der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) verteilt. „Obwohl sich die ,Schulnoten’ nach MDK-Prüfungen verbessert haben“, hätte sich die Pflegequalität in einigen Einrichtungen verschlechtert, heißt es in dem Bericht der Heimaufsicht in Nordfriesland. „Eine Pflegequalität besonders zu den Risikobereichen stellt sich zunehmend unbefriedigend dar, eine vermehrt unzureichend fach- und sachgerechte Vorgehensweise ist abzuleiten“, heißt es wörtlich. Der hohe Dokumentationsaufwand für eine gute MDK-Note führe dazu, dass „aktive Hände für die Gestaltung bewohnerbezogener Qualitätsprozesse“ fehlten. Ferner sei der Umgang mit Arzneimitteln in Pflegeeinrichtungen „teilweise defizitär“.

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