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Wirtschaft

01. Juli 2016 | 19:11 Uhr

Bundesbank in Hamburg : D-Mark umtauschen: Wenn in Kellern die Millionen schlummern

vom

Allein in SH wurden 14 Jahre nach der Euro-Einführung 2 Millionen umgetauscht. Was dabei Kurioses passieren kann.

Hamburg/Kiel | Der Umtausch von alten D-Mark-Geldscheinen und -Münzen hält auch 14 Jahre nach der Einführung des Euro im Norden weiter unvermindert an.

Die Deutschen horten noch immer Scheine und Münzen im Wert von mehreren Milliarden Euro. Bei einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gab mehr als jeder Zweite (54 Prozent) an, noch Münzen oder Scheine der alten deutschen Währung zu Hause zu haben. Nach Zahlen der Bundesbank waren Ende November noch rund 168 Millionen D-Mark-Scheine und gut 24 Milliarden D-Mark-Münzen im Umlauf.

In diesem Jahr tauschten die Hamburger bis zum 20. Dezember 4,43 Millionen D-Mark zum amtlichen Wechselkurs in 2,27 Millionen Euro um, teilte die Hamburger Filiale der Bundesbank mit. Das war sogar ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als 4,19 Millionen Euro im Gesamtjahr gewechselt wurden. Rückläufig war allerdings die Zahl der Transaktionen, von rund 11.800 auf 10.400. Das ergibt rechnerisch einen durchschnittlichen Umtauschbetrag von immerhin 426 D-Mark.

In Schleswig-Holstein wechselten D-Mark-Besitzer bis zum 20. Dezember 2,06 Millionen D-Mark um. Ein sinnvoller Vergleich mit dem Vorjahr ist nicht möglich, weil die beiden Filialen der Bundesbank im Laufe des Jahres geschlossen wurden, Lübeck zum 31. März und Kiel zum 30. September.

Wo kann ich D-Mark umtauschen?

Für Schleswig-Holsteiner besteht somit im eigenen Bundesland keine Umtauschmöglichkeit mehr; sie müssen mit ihren alten Geldscheinen und Münzen nach Hamburg reisen. D-Mark darf in Deutschland zeitlich unbegrenzt in Euro getauscht werden, im Gegensatz zu einigen anderen Ländern in Europa.

D-Mark-Scheine oder -Geldstücke können in allen Filialen der Bundesbank kostenlos und zeitlich unbegrenzt umgetauscht werden. Geld ist noch genügend vorhanden. Nach Angaben der Bundesbank sind bis zum 30. November 2015 rund 12,9 Milliarden D-Mark nicht umgetauscht worden: 6,1 Milliarden in Banknoten und 6,8 Milliarden in Münzen.

Wo steckt das ganze Geld?

Über die Gründe, warum so viel Geld noch nicht umgetauscht wurde, kann die Bundesbank nur Vermutungen anstellen. So seien wohl größere Mengen im Ausland: „Die D-Mark fand vor allem im damaligen Jugoslawien sowie seinen Nachfolgestaaten und in anderen Teilen Osteuropas zum Teil als Zweitwährung Verwendung und wurde weltweit als Transaktions- und Wertaufbewahrungsmittel genutzt.“

Nach früheren Angaben des Bankenverbands werden bei den Geldstücken vor allem Fünf- und Zehnmark-(Gedenk)-Münzen nicht umgetauscht: „Davon dürfte ein beachtlicher Teil nicht mehr existieren, da es sich in den vergangenen Jahren aufgrund des hohen Silberpreises lohnte, diese Münzen einzuschmelzen, soweit sie aus Silber bestehen.“ Ein erheblicher Teil befinde sich auch in Schatullen von Sammlern.

Die Bundesbank vermutet vor allem Gedenkmünzen in Sammlerhänden. Für Sammlerleidenschaft oder Nostalgie spricht auch, dass bei den Banknoten insbesondere die kleinen Stückelungen noch im Umlauf sind: Gut 17 Prozent der 10-Mark-Scheine und mehr als die Hälfte der Fünfer (51 Prozent). Für Geldstücke gilt: Insbesondere bei Münzen im Wert von zehn Pfennig und weniger dürften einige Besitzer wegen des geringen Wertes auch einfach zu träge sein, das Geld umzutauschen. Zum Teil sei das Geld wohl auch verloren worden, vermutet die Bundesbank. Und einige Menschen hätten wohl schlicht vergessen, dass sie noch irgendwo D-Mark versteckt haben.

Kuriose Geschichten: Was passiert, wenn die D-Mark in Vergessenheit gerät?

Manch ein Erwachsener sehnt sich nach der D-Mark zurück, während die alte deutsche Währung vielen Kindern völlig unbekannt ist. Zum Beispiel einem Vierjährigen, der im Sammelalbum seines Großvaters eine 500-D-Mark-Banknote fand. Die große Burg auf der Rückseite sprach den Jungen an, wie die Deutsche Bundesbank berichtet: „Er nahm die Banknote mit in den Kindergarten, schnitt dort das Motiv der Burg Eltz mit der Schere aus - glücklicherweise großzügig - und klebte die Burg auf ein Blatt Papier, das anschließend weiter bemalt wurde.“ Mehrere Tage hing das neue Bild an einer Wand im Kindergarten, bis die echte Banknote endlich erkannt wurde.

Immer wieder tauchen längst vergessene D-Mark-Noten per Zufall auf. So konnte sich ein älteres Ehepaar nicht über die „sichere“ Verwahrung der Scheine verständigen. Daher habe das Paar die eine Hälfte im Keller, die andere auf dem Dachboden versteckt. Mit schlechtem Ausgang, wie die Bundesbank im Zusammenhang mit einem Erstattungsantrag zu beschädigten D-Mark-Banknoten erfuhr: „Während die eine Hälfte im Keller durch Feuchtigkeit beschädigt wurde, trug die andere Hälfte deutliche Spuren von Mäusefraß.“

Immer wieder taucht das alte Geld auch bei Wohnungsauflösungen oder Erbschaften auf. Das kann dazu führen, dass die Menschen, die den Fund bei den Filialen der Bundesbank in Euro tauschen wollen, nicht so genau wissen, woraus ihr Schatz besteht.So hat eine Dame Münzen im Nennwert von mehreren hundert D-Mark zum Umtausch eingereicht, wie die Bundesbank berichtet: „Darunter befanden sich drei Gedenkmünzen zu jeweils 5 DM aus den 1950er Jahren. Wir haben diese Münzen an die Einreicherin zurückgesandt mit der Bitte, diese bei einem Münzhändler zum Verkauf anzubieten.“ Die Frau konnte sich freuen: „Statt dem üblichen Umtauschbetrag von 2,56 Euro erhielt sie dort pro Stück 100 Euro!“

Weniger Glück hatte ein Mann aus den USA, der eine verkleinerte 200-D-Mark-Note in der Größe von viermal acht Zentimetern an die Bundesbank schickte - mit dem Aufdruck „Spielgeld“. Ein Umtausch war damit umgeschlossen. Der Mann erhielt sein Exemplar zurück.

 

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erstellt am 26.Dez.2015 | 13:12 Uhr

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