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Wirtschaft

05. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Robert Habeck : Bündnis gegen die Seelen-Not der Bauern in SH

vom

Land, Verbände und Kirche wollen Landwirten mit Burn-out helfen. Agrarminister Habeck blickt in die Seele der Bauern.

Kiel | Landwirte in psychischer Not sollen in Schleswig-Holstein künftig schneller und besser Hilfe erhalten als bisher. Ein Bündnis von neun Akteuren aus Berufsverbänden, Landwirtschaftskammer, Nordkirche, Landfrauen und der Sozialversicherung baut dafür unter der Regie des Kieler Landwirtschaftsministeriums niedrigschwellige Beratungsangebote aus. „Obwohl wir uns politisch in vielem nicht einig sind, so stimmen wir doch alle darin überein, dass man diese Not der Bauern nicht übergehen darf“, sagte Agrarminister Robert Habeck gestern zum Auftakt der Initiative vor der Presse in Kiel.

Der Grüne sieht nicht allein eine wirtschaftliche Existenznot  angesichts dramatisch fallender Erlöse für Milch und Schweinefleisch in den letzten Monaten. Es gehe „um eine Not, die in die Herzen und Seelen der Landwirte  hineinreicht“, und das teils schon seit Jahren. Neben ökonomischen Aspekten spielten wachsende bürokratische Anforderungen und die oft hart geführte gesellschaftliche Debatte über die Landwirtschaft eine Rolle. Ein zusätzliches Dilemma dabei: „Bauern sind   so gestrickt, dass sie die Seele nicht auf der Zunge tragen“, weiß der Präsident der Landwirtschaftskammer, Claus Heller. Er hofft: „Wenn wir gemeinsam antreten, können wir die Hemmschwelle absenken.“ Ausdrücklich, so Agrar-Staatssekretärin Silke Schneider,  stünden die Anlaufstellen wie etwa Vertrauensleute oder Sorgentelefon auch Familienangehörigen, Nachbarn oder anderen offen – allen, die mitbekommen, dass ein Landwirt nicht mehr weiter weiß. Auch anonym könne man Hilfe suchen.

Alle Experten taten sich schwer, das Ausmaß  von Burn-out oder Depression unter den 12000 Bauern im Land zu beziffern. Gesicherte Erkenntnis ist nur: 17 Prozent der an Landwirte im Norden ausgezahlten Erwerbsminderungsrenten beruhen auf psychischen Erkrankungen. „Die Tendenz ist weiter steigend“, sagte Erich Koch von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau. Und ungeachtet konkreter Zahlen gilt die Diagnose von Prof. Edgar Schallenberger, dem vom Land berufenen  Vertrauensmann für Tierschutz in der Landwirtschaft:  „Ich weiß, dass es brennt.“ Die Haupt-Erkenntnis aus seiner vor zwei Jahren begonnenen Tätigkeit: „Bevor man bedrängten Tieren helfen kann, muss man erst einmal dem Bauern helfen.“ In den letzten Monaten werde er zunehmend  wegen menschlicher und wirtschaftlicher Notlagen kontaktiert.  Schallenbergers Erfahrungen gaben den Anstoß zur jetzigen Initiative, die Ende des Jahres erste Erfahrungen auswerten will.   

Bauernverbands-Präsident Werner Schwarz nimmt in der Öffentlichkeit ein „Bauern-Bashing“ wahr, das sich auch aufs Leben in den Dörfern insgesamt auswirke. „Solche Anfeindungen nagen am Selbstverständnis“, sagte er. Kammer-Präsident Heller beklagt, „dass man als Bauer fast jeden Tag vorgehalten bekommt, was man angeblich alles falsch macht.“ Kirsten Wosnitza, Vorsitzende des mit dem Bauernverband oft über Kreuz liegenden  Bundesverbands der Milchviehhalter, verdeutlichte: „Die Arbeitswelt ist für Bauern schon rein räumlich auch die Lebenswelt.“ Das fördere einen Teufelskreis seelischer Belastung.

Frank Jung Sämtliche Unterstützungsangebote mit Kontaktadressen  hat das Land in einem Flyer  zusammengefasst. Die Broschüre mit einer Auflage von 4000 Exemplaren wird unter anderem über die Kreisgeschäftsstellen des  Bauernverbands, die Kirchengemeinden  und Tierärzte vertrieben. Auf  der Homepage der Landwirtschaftskammer www.lksh.de ist sie auch online zu finden.

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erstellt am 19.Mai.2016 | 12:52 Uhr

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