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Wirtschaft

09. Dezember 2016 | 18:34 Uhr

Rücknahme von Castoren : Atommüll aus England kommt ab 2018 nach Brokdorf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach Bayerns Einlenken: Castoren mit aufbereitetem Atommüll aus dem britischen Sellafield werden bis mindestens 2050 an der Elbe gelagert.

Brokdorf | In die Debatte um die Rücknahme radioaktiver Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und Großbritannien kommt neue Bewegung. Energieminister Robert Habeck (Grüne) geht inzwischen offenbar davon aus, dass von 2018 an sieben Castorbehälter im Standortzwischenlager Brokdorf gelagert werden könnten.

Radioaktive Strahlung ist gefährlich. Ob die Gefahr an Krebs zu erkranken im Umkreis eines Atommeilers größer ist oder es sich nur um Zufälle handelt, darüber streiten sich Experten seit Jahren. Mehrere Studien zu dem Thema wurden veröffentlicht.

Das geht aus einem Schreiben Habecks an den Landtag hervor, das dem sh:z vorliegt. Der Minister bezieht sich darin auf einem Parlamentsbeschluss vom April 2013. Darin hatte der Landtag Zustimmung zur Zwischenlagerung von Castoren aus dem britischen Sellafield und dem französischen La Hague signalisiert.

Zur Bedingung machte der Landtag seinerzeit, dass sich außer Schleswig-Holstein mindestens drei weitere Bundesländer bereit erklären, den in Castoren verpackten Atommüll zurückzunehmen. Nach Baden-Württemberg und Hessen hatte Bayern das Quartett Anfang Dezember komplett gemacht.

Mit Bayerns Einlenken ist Habeck zufolge der Weg frei für die Umsetzung eines bereits im Juni vom Bundesumweltministerium vorgelegten Konzepts für die Rücknahme der Castoren, zu der die Bundesrepublik vertraglich und völkerrechtlich verpflichtet ist. Voraussetzung für den Start der Rücknahme wären entsprechende Anträge der Betreibergesellschaften. Die Genehmigungsverfahren laufen beim Bundesamt für Strahlenschutz. Im günstigsten Fall könnte 2017 mit Transporten aus Frankreich ins baden-württembergische Phillipsburg begonnen werden. In drei weiteren „Transportkampagnen“ würden ab 2018 auch auch die Castoren aus dem Vereinigten Königreich zurückgeholt.

Habeck signalisierte dem Landtag seine Bereitschaft, die nun gefundene Verständigung erneut auf den Prüfstand zu nehmen. Es sei zu klären, „ob es einer weiteren Beschlussfassung (des Landtags) bedarf oder ob ich für Schleswig-Holstein die Bedingungen als erfüllt angebe“. Er sei bereit, dazu in den Fraktionen Rede und Antwort zu stehen, heißt es in dem Schreiben weiter.

Unklar ist, wie lange die Castoren in Brokdorf eingelagert würden. Die derzeitigen Zwischenlager haben Genehmigungen für 40 Jahre ab der ersten Einlagerung. Ein Bundesendlager dürfte nach Einschätzung des Kieler Energieministeriums vor 2050 nicht zur Verfügung stehen.

Habeck geht entgegen erster Einschätzungen unterdessen davon aus, dass der Platz für die Einlagerung von sieben Sellafield-Castoren in Brokdorf ausreichen wird. 100 Stellplätze für Castoren gibt es dort, 26 davon sind belegt. 53 weitere sind für Atommüll aus dem sechsjährigen Restbetrieb des Atomkraftwerks reserviert.

Frühere Überlegungen, in Brokdorf auch Castoren aus dem benachbarten Brunsbüttel zu lagern, sind offenbar vom Tisch. Nachdem ein Gericht die Zwischenlagerung dort für rechtswidrig erklärt hat, hat der Betreiber Vattenfall beim Bundesamt für Strahlenschutz eine Neugenehmigung beantragt. Zunächst hatte es Pläne gegeben, neun in Brunsbüttel gelagerte Castoren sowie elf bis zwölf weitere Behälter für die noch im Reaktordruckbehälter befindlichen Brennelemente nach Brokdorf zu verlegen. Dies hätte die Aufnahme der Castoren aus dem Ausland unmöglich gemacht und den Zeitplan für den Rückbau des Kernkraftwerks Brunsbüttel womöglich verzögert.

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erstellt am 13.Jan.2016 | 11:08 Uhr

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