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Schleswig-Holstein

04. Dezember 2016 | 09:20 Uhr

H5N8-Virus 2016 : Wie wird Geflügel in SH und bundesweit gehalten?

vom

Offene Volieren mit Auslauf ins Freie, oder Massenställe ohne Frischluft: Der Stallzwang nach Ausbruch der Vogelgrippe betrifft in SH nicht alle Züchter gleichermaßen.

Während die einen händeringend nach geeigneten Unterständen für ihre Hühner, Puten, Gänse und Enten suchen, gibt es in überdachten Mastbetrieben kaum Probleme damit, das Federvieh in Ställen zu halten. Am vergangenen Dienstag war die H5N8-Variante der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie erstmals in Deutschland bei verendeten Wasservögeln in Schleswig-Holstein (an Seen im Kreis Plön) nachgewiesen worden.

Vor rund einer Woche hatten die Behörden im nördlichsten Bundesland die Stallpflicht-Zonen massiv ausgeweitet. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist jetzt auch der Bestand eines Geflügelbetriebes in Schleswig-Holstein mit dem aggressiven Geflügelpest-Virus H5N8 befallen.

Die Regeln sind vor allem für Geflügelhalter in der Nähe von Seen und Flüssen wichtig. So soll eine Ansteckung über Kot oder verunreinigtes Wasser verhindert werden. In der sogenannten Geflügelpest-Verordnung listet das Umweltministerium Schleswig-Holstein die entsprechenden Regeln auf.

Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Erzeuger von Geflügelfleisch in der EU. Neben den Geflügelfleisch-Produzenten sind auch die Eierproduzierenden Betriebe sowie Tierparks und Hobbyzüchter in Schleswig-Holstein von den Stallpflicht betroffen. Shz.de mit einer Übersicht der Haltungs-Arten.

Geflügelmast

Für diese Mastenten wird sich - in ihrem meist geschlossenen Stall - nichts ändern, wenn jetzt landesweit Stallzwang herrscht.

Für diese Mastenten wird sich - in ihrem meist geschlossenen Stall - nichts ändern, wenn jetzt landesweit Stallzwang herrscht.

Foto: Imago/Blickwinkel
 

Unser Appetit auf Geflügel steigt stetig: In Deutschland wurden 2015 pro Kopf 11,6 kg Geflügel verzehrt, bei einem Gesamtfleischverzehr von 60,3 kg, heißt es vom Bundesverband Deutscher Fleischwarenindustrie. „Die Bestandszahlen haben sich seit Anfang der 1990er Jahre mehr als verdoppelt“, heißt es auch vom Bundesministerium für Ernährung in Berlin. Befriedigt wird dieser Bedarf zu großen Teilen von einigen Hundert spezialisierten Betrieben mit sehr großen Tierbeständen.

11,6 kg Geflügel hat jeder Deutsche im vergangenen Jahr im Schnitt gegessen.

11,6 kg Geflügel hat jeder Deutsche im vergangenen Jahr im Schnitt gegessen.

Foto: Imago/Chromorange
 

Bei Mastgeflügel, insbesondere Masthühnern und Puten, herrscht Bodenhaltung in großen Beständen vor -aber auch Kleinbetriebe gibt es. Es werden auf hohe Gewichtszunahme und gute Futterverwertung spezialisierte Tiere eingesetzt. Gemäß den tierschutzrechtlichen Vorgaben darf bei der Haltung von Masthühnern in Deutschland eine maximale Besatzdichte von 39 Kilogramm pro Quadratmeter nicht überschritten werden. In der Praxis bedeutet dies, dass sich gegen Ende der Mastzeit meist 16 bis 26 Tiere einen Quadratmeter Stallboden teilen. Auslauf ins Freie gibt es hier nur bedingt.

Hühner, die in Käfigen gehalten werden, sind von der Stallpflicht in Schleswig-Holstein nicht so sehr betroffen, wie ihre Artgenossen, die sonst viel Auslauf haben.

Hühner, die in Käfigen gehalten werden, sind von der Stallpflicht in Schleswig-Holstein nicht so sehr betroffen, wie ihre Artgenossen, die sonst viel Auslauf haben.

Foto: Imago/Karina Hessler
 

Bei Hühnern unterscheidet man zwischen Broilermast und Aufzucht. Bei ersterer soll mit kalorienreichem Futter,eine hohe und schnelle Gewichtszunahmen erreicht werden. Aufzuchtbetriebe halten Küken, die dann an Eier- oder Broilermastbetriebe verkauft werden. 

Verbreitet sind Offenställe (auch „Naturstall“ oder „Lousianastall“) mit einer freien Lüftung, die an den Seiten von Jalousien begrenzt sind. Außerdem gibt es geschlossene Massivställe mit Zwangslüftung.

Auch einige Betriebe, die Küken halten, um diese an Mastbetriebe zu verkaufen, sind von den neuen Regeln des Landwirtschaftsministeriums SH betroffen.

Auch einige Betriebe, die Küken halten, um diese an Mastbetriebe zu verkaufen, sind von den neuen Regeln des Landwirtschaftsministeriums SH betroffen.

Foto: dpa
 

Die Küken werden anfangs in Drahtgeflechten oder Plastikgittern, sogenannnten „Kükenringen“ gehalten. Bei der Putenmast herrscht der Offenstall mit der freien Lüftung vor. Truthühner können im Freien oder in Ställen gemästet werden, wobei eine Tendenz Richtung Stallhaltung zu beobachten ist. Gänse und Enten werden für gewöhnlich im Stall und unter geringerem Maschineneinsatz gehalten.

Anders als bei der konventionellen Landwirtschaft ist bei Mastgeflügelhaltung von Neuland ein ganzjähriger Auslauf vorgeschrieben. Bio-sowie Neulandbetriebe bilden bei der Geflügelfleisch-Produktion eher die Minderheit (siehe Kasten unten).

Eier

Schon am Code auf dem Ei kann man erkennen, wie und wo das Huhn lebt: Hier wird zwischen ökologischer, Freiland, Boden sowie der Haltung in sogenannten Kleingruppen unterschieden.

Schon am Code auf dem Ei kann man erkennen, wie und wo das Huhn lebt: Hier wird zwischen ökologischer, Freiland, Boden sowie der Haltung in sogenannten Kleingruppen unterschieden.

Foto: Imago/Chromorange
 

Auch Eier verspeisen die Deutschen gern: Im Dezember 2014 wurden in Deutschland in Betrieben von Unternehmen mit mindestens 3000 Hennenhaltungsplätzen insgesamt 39,6 Millionen Legehennen gehalten, heißt es vom Statistischen Bundesamt mit Sitz in Wiesbaden. Dies entspricht einer Steigerung von 3,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2013.

Bei den Legehennen dominiert inzwischen die Bodenhaltung (63 Prozent). Die Tiere leben zumeist zu Zehntausenden in Volierensystemen mit mehreren Etagen. In einer Einstreu aus Stroh oder Hobelspänen können sie scharren, picken und staubbaden.

Code 1: Freilandhaltung - Die Vorteile aus Haltersicht

In der Freilandhaltung haben die Hennen zusätzlich Auslauf ins Freie. Knapp 16 Prozent der Legehennen werden so gehalten. Bei weiteren 11 Prozent der Legehennen kommen die sogenannte Kleingruppenhaltung oder andere Formen ausgestalteter Käfige zum Einsatz. In der Kleingruppenhaltung leben die Tiere in Gruppen von bis zu etwa 65 Tieren in ausgestalteten Volierensystemen.

Bei den Legehennen dominiert inzwischen die Bodenhaltung (63 Prozent).

Bei den Legehennen dominiert inzwischen die Bodenhaltung (63 Prozent).

Foto: dpa
 

Heute werden fast ausschließlich auf hohe Legeleistung spezialisierte Legehennen gehalten. Diese können über 300 Eier pro Jahr legen, bereits nach einem Jahr lässt die Leistung jedoch nach. Nach rund eineinhalb Jahren werden die Tiere geschlachtet und durch junge Hennen ersetzt.

Schon am Code auf dem Ei kann man erkennen, wie und wo das Huhn lebt, das es gelegt hat. Die erste Ziffer steht dabei für die Haltungsform - von Bio bis Boden. Das DE dahinter steht für Deutschland und wer Eier aus Schleswig-Holstein kaufen möchte, achtet auf eine 01 hinter dem DE.

Eiercode Haltungsform Platz Freilauf Max. Anzahl pro Stall
0 ökologisch Max. 6 Hennen pro qm Mind. 4 qm pro Tier 3000
1 Freiland Max. 9 Hennen pro qm Mind. 4 qm pro Tier 6000
2 Boden Max. 9 Hennen pro qm - 6000
3 Kleingruppen Mind. 800-900 cm² pro Huhn - 20 bis 60 pro Gruppe

 

Tierschutzverbände in Deutschland prangern immer wieder Probleme und Missstände in der Geflügelhaltung - sowohl in der Fleisch, als auch in der Eierproduktion-  an. Unter anderen werden die zum Teil ungenügenden Umgebungsverhältnisse kritisiert, die zu Verhaltensstörungen bei den Tieren führten. Federpicken und Kannibalismus kommen demnach vor allem bei Hühnern, aber auch bei Puten, Enten und vereinzelt auch Gänsen vor, heißt es vom Deutschen Tierschutzbund.

Die Deutschen essen gern Geflügel: Fair und tiergerecht sind die Zuchtbedingungen nicht immer.

Die Deutschen essen gern Geflügel: Fair und tiergerecht sind die Zuchtbedingungen nicht immer.

Foto: Imago/Chromorange
 

Geflügel in Deutschland

Hausgeflügel versorgt den Menschen seit rund 4000 Jahren mit Fleisch und Eiern. Das Haushuhn ist das häufigste Nutztier Deutschlands. Daneben finden sich mehrere andere Geflügelarten, die außer den Puten jedoch eher Nischen besetzen, teilte der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) mit.

  • Bestand: rund 177 Millionen
  • Betriebe mit Geflügelhaltung: rund 56.600 mit Hühnerhaltung und 
    9.000 mit anderem Geflügel wie Puten, Enten und Gänsen
  • Jährlich geschlachtete Tiere: 701 Millionen
  • Jährliche Produktion: rund 1,5 Millionen Tonnen Fleisch; 13,7 Milliarden Eier- davon aus ökologischer Erzeugung: Fleisch: 1 Prozent; Eier: 7 Prozent

Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

 

Vogelgrippe in Schleswig-Flensburg

Ein Zuchtbetrieb für Bruteier im Kreis Schleswig-Flensburg ist bundesweit die erste Massentierhaltung, die von der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie betroffen ist. Auf der Hühnerfarm (einem Zuchtbetrieb für Bruteier) in Twedt/Grumby war am Sonnabend bei 30.000 Tieren Geflügelpest festgestellt worden. Alle Tiere mussten gekeult werden. Die ersten Ausbrüche bei Hausgeflügel waren am Freitag bei zwei weitaus kleineren Höfen in der Nähe von Lübeck sowie in Vorpommern gemeldet worden.

Bei verendeten Wasservögeln an Seen im Kreis Plön war das hochansteckende Virus H5N8 der aktuellen Epidemie erstmals  in Deutschland am 8. November nachgewiesen worden.

In Deutschland hatte die Vogelgrippe seit der vergangenen Woche in immer mehr Bundesländern übergegriffen. Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpest-Nachweise bei Wildvögeln oder in Geflügelbeständen gemeldet. In Schleswig-Holstein ist die Tierkrankheit bereits in sechs von elf Kreisen aufgetreten - bis auf die zwei Höfe ausschließlich bei Wildvögeln.

Wo in SH und Mecklenburg-Vorpommern die Geflügelpest schon aufgetreten ist, zeigt unsere Karte (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

 

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erstellt am 15.Nov.2016 | 06:25 Uhr

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