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Schleswig-Holstein

07. Dezember 2016 | 23:14 Uhr

Nach der Havarie : Wie soll die neue Schwebefähre in Rendsburg aussehen?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Landesamt für Denkmalpflege wünscht sich gleiche Ausmaße, Materialien und eine „ähnliche Anmutung“.

Rendsburg/Kiel | Sieben Monate nach der Havarie der Schwebefähre, die mit einem Totalschaden endete, richten die Verantwortlichen den Blick nach vorn. Wie soll der Nachbau aussehen? Zu dieser Frage hat sich auf Anfrage der Landeszeitung jetzt erstmals das Landesamt für Denkmalpflege geäußert.

„Die Anmutung sollte dem Bild der Schwebefähre, wie wir sie kennen, ähneln“, sagte der stellvertretende Landeskonservator Dr. Dirk Jonkanski. „Von Weitem sollte man nicht merken, dass es sich um einen Neubau handelt. Die Fähre bleibt ein Kulturdenkmal, auch wenn es sich um einen Neubau handelt.“ Stahl als Baumaterial, die Ausmaße, die Antriebstechnik sowie die filigrane Bauweise müssten erhalten bleiben, erklärte der Denkmalpfleger. Weitere Vorgaben macht die Kieler Behörde nicht.

Darf sie auch nicht. „Bei allen Bundesangelegenheiten werden wir nur ins Benehmen gesetzt“, erklärte Jonkanski. Die Kieler dürfen Kritik üben – verhindern können sie ein Vorhaben nicht.

Vor einer Woche hatte der Denkmalschützer  dem Wrack der Schwebefähre einen Besuch abgestattet. Der völlig demolierte Havarist liegt noch immer auf dem Rendsburger Bauhof des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Kiel-Holtenau in der Blenkinsopstraße. Jonkanski zeigte sich nach dem Ortstermin betrübt und schloss sich dem Urteil der Kanalverwaltung und externer Gutachter an: Hier ist jede Reparatur zwecklos. Der Schaden ist zu groß.

Allerdings riet Jonkanski davon ab, die Schwebefähre verschrotten zu lassen. „Das Schönste wäre, sie würde einen Platz in der Nähe der Hochbrücke bekommen.“ Sollte das nicht möglich sein, machte der Landeskonservator den Vorschlag, einzelne Bauteile der alten Fähre wiederzuverwenden. Die Kommandobrücke zum Beispiel sei bei dem Unglück weitgehend unbeschädigt geblieben und könne möglicherweise in den Nachbau integriert werden.

Noch keine Prognose wollte Jonkanski treffen, wie sich die Havarie auf die Pläne in Sachen Unesco-Welterbe auswirken könnte. Das Exemplar an der Eisenbahnhochbrücke ist eine von weltweit noch acht Schwebefähren. 2017 streben die Stadt Rendsburg und das Land den Welterbe-Status für das Bauwerk an.  Den Zeitpunkt des Seeunfalls bezeichnete der Landeskonservator als „unglücklich“. Das Welterbe ziele schließlich auf die Substanz, „auf das, was man vorzeigt“. Hoffnung mache ihm jedoch, dass die Schwebefähre vom Kanal nicht alleiniger Bewerber sei.

Der Bund hat angekündigt, das Verkehrsmittel neu konstruieren zu lassen. Die Ausschreibung ist nach Auskunft der Kanalverwaltung in Arbeit. Die Behörde hatte schon vor Wochen angekündigt, die historische Niet-Stahlbautechnik werde künftig nicht mehr zur Anwendung kommen.

Neuer Platz für die Ersatzfähre?

Die mäßigen Fahrgastzahlen auf dem schwimmenden Ersatz für die Schwebefähre haben Folgen: Der Kreis Rendsburg-Eckernförde prüft, ob das Schiff „Falckenstein“ auch östlich des Kreishafens und damit rund 500 Meter näher an der Eisenbahnhochbrücke festmachen könnte. Derzeit befindet sich der provisorische Anleger westlich des Areals. Vor allem die Schüler hatten den Pendelverkehr gemieden und weiter den nahen Fußgängertunnel genutzt. Der Zeitaufwand, auf das Schiff zu warten, das Fahrrad an Deck zu schieben und den Kanal auf dem Seeweg zu überqueren, war den meisten zu hoch. 

Man sei noch mitten in den Prüfungen, sagte Dr. Martin Kruse vom Kreis gestern. Der Bauamtsleiter  hatte sich kurz vor Beginn der Ferien mit den Bürgermeistern von Rendsburg und Osterrönfeld sowie mit Vertretern der Kanalverwaltung beraten. Geklärt wird jetzt, ob und wie stark ein Anleger am Platz unterhalb der Hochbrücke den Betrieb im Kreishafen stören  würde. Die Kanalbehörde kündigte unterdessen an, die„Falckenstein“ während des Stadtfestes „Rendsburger Herbst“ und der Norla verkehren zu lassen.

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erstellt am 09.Aug.2016 | 10:37 Uhr

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