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Schleswig-Holstein

19. Februar 2017 | 12:56 Uhr

Energiewende : Wie Robert Habeck den Bundesverband Windenergie entzweit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der SH-Energiewendeminister will sich für den Ausbau der Winkraft zehn Jahre länger Zeit lassen - das hat Konsequenzen.

Kiel | Der Vorstoß von Energiewendeminister Robert Habeck, sich für den Windkraftausbau zehn Jahre länger Zeit zu lassen, sorgt beim Bundesverband Windenergie (BWE) in Schleswig-Holstein für Turbulenzen. Zuerst griff Landesgeschäftsführerin Nicole Knudsen Habeck in einer Pressemitteilung scharf an – doch nur Stunden später rief Landesvorsitzender Reinhard Christiansen in einer internen Mail dazu auf, den grünen Minister zu unterstützen. Zugleich machte er Teile der eigenen Leute mitverantwortlich für die bröckelnde Akzeptanz der Energiewende. Diese Position pro Habeck bekräftigte Christiansen auf Nachfrage.

Es war immer erklärte Absicht, dass Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2020 drei Mal mehr Strom aus alternativen Energien produziert als es selbst verbraucht. Der Grünen-Politiker Habeck will dieses so genannte 300-Prozent-Ziel jetzt um zehn Jahre bis 2030 strecken.

„Viele aus unseren Reihen haben durch ihr eigenes Handeln dazu beigetragen, dass die Stimmung gegen den weiteren Windkraftausbau gerichtet ist“, klagt Christiansen in seinem Schreiben an Multiplikatoren der Windbranche. Viele hätten immer noch nicht begriffen, dass die Bürger ehrlich mitgenommen werden müssten. „Der Karren sitzt schon richtig tief im Dreck – da hat Habeck richtig reagiert und einen taktisch klugen Schachzug gemacht“, so Christiansen weiter in der Mail. Der Vorsitzende äußert darin die Hoffnung, dass eine Entschleunigung hilft, die Grünen an der Macht zu halten. „Für die Energiewende ist es entscheidend, dass die Grünen an der Regierung bleiben“, bilanziert Christiansen.

Die „wahren Gegner“ säßen in den Bundestagsfraktionen und im SPD-geführten Bundeswirtschaftsministerium. Zur Mitverantwortung der eigenen Branche präzisierte er gegenüber unserer Zeitung: „Man muss auch mal auf etwas verzichten können. Es kann nicht immer überall alles geben.“ Das BWE-Oberhaupt berichtete von Investoren, die Bauern teils überfallartig Verträge für den Kauf möglicher Windkraftflächen unter die Nase hielten, ohne über die genaueren Umstände zu informieren. „Das gibt dann eben Missgunst.“

Kämpferisch: Reinhard Christiansen hat schon wieder neue Ideen – auch wenn die Zeiten, in denen Windkraft traumhafte Renditen garantierte, womöglich vorüber sind.
Kämpferisch: Reinhard Christiansen hat schon wieder neue Ideen – auch wenn die Zeiten, in denen Windkraft traumhafte Renditen garantierte, womöglich vorüber sind. Foto: BREMER
 

Geschäftsführerin Knudsen hingegen zeigte sich „irritiert“ über den Schwenk des Kieler Ministers. „Wenn Herr Habeck sagt, dass er noch zehn Jahre länger braucht, um dreimal mehr Strom aus Erneuerbaren Energien zu produzieren als im Land verbraucht wird, ist das zum einen den Folgen des OVG-Urteils geschuldet“, analysierte Knudsen. Um daraufhin kräftig auszuteilen: „Andererseits kommt er damit der Politik des Bundeswirtschaftsministers Gabriel entgegen, der das Ausbremsen aller erneuerbaren Energien plant. Wenn wir in dem Tempo weitermachen wie in den vergangenen
18 Monaten, brauchen wir rund 150 Jahre, um das Zwei-Grad-Klimaziel von Paris zu erreichen – das kann nicht das Ziel einer grünen Politik sein“, ätzte die Geschäftsführerin.

Auf die Frage, was denn nun maßgebliche BWE-Position sei, vermied Christiansen eine eindeutige Antwort. Die Unterschiede in seiner und Knudsens Sichtweise drückten aus, dass es im Verband insgesamt beide Positionen gebe.

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erstellt am 24.Mai.2016 | 12:43 Uhr

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