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Schleswig-Holstein

05. Dezember 2016 | 21:45 Uhr

Strassenverkehr in SH : Wie Licht und Duft vor Wildunfällen schützen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Studie bestätigt: Reflektoren und Geruchszäune an Teststrecken wirken. Trotzdem gibt es in diesem Jahr mehr Wildunfälle.

Im Herbst steigt die Gefahr von Wildunfällen. Das Damwild ist derzeit in der Brunft, springt über die Straßen, und der Berufsverkehr fällt in die Dämmerung, wenn zum Beispiel Wildschweine auf Futtersuche gehen.

Karambolagen können nicht nur für das Wild tödlich sein. Vor zwei Wochen wurde der Toyota eines Mannes nach einer Kollision mit einem 100-Kilo-Keiler von der B404 katapultiert. Autofahrer meldeten das tote Tier, aber erst Polizisten entdeckten den Unfallwagen kopfüber im Graben. Der Fahrer hing leblos in seinem Gurt, konnte zunächst reanimiert werden, starb jedoch drei Tage später im Krankenhaus.

Die Zahl der Unfälle lässt sich aber drastisch reduzieren: durch Duftzäune und blaue Reflektoren. Das zeigt ein Fünf-Jahres-Projekt auf 25 ausgewählten Teststrecken in Schleswig-Holstein, das jetzt abgeschlossen worden ist. „Die Wildforscher arbeiten noch am Abschlussbericht“, sagt Marcus Börner, Sprecher des Landesjagdverbands. „Doch schon jetzt können wir sagen, dass die Zahl der Unfälle auf allen Strecken gesunken ist.“

Die Ergebnisse verblüffen selbst die Jägerschaft. „Auf einigen Straßen haben wir Rückgänge von 80 Prozent, der schlechteste Wert liegt immerhin noch bei einer Reduzierung um zehn Prozent“, so Börner. Besonders wichtig: „Über die gesamten fünf Jahre ist bei den Tieren kein Gewöhnungseffekt eingetreten, der die Wirksamkeit reduziert.“

Wildunfälle: Die Schwerpunkte in SH

Spitzenreiter bei den Wildunfällen in den ersten neun Monaten ist nach der Statistik des Landespolizeiamts der Kreis Rendsburg-Eckernförde (2246 Fälle), gefolgt von den Kreisen Schleswig-Flensburg (1603), Segeberg und Ostholstein (beide 1572).

Die wenigsten Unfälle ereigneten sich im Kreis Pinneberg (449), außerdem in den Städten Lübeck (230), Kiel  (103), Flensburg (68) und Neumünster (62).

 

Bei Damwild, das auch tagsüber aktiv ist, hat sich der Duftzaun bewährt. „Die Tiere werden durch seinen Geruch aufmerksamer, queren die Straße sehr viel vorsichtiger“, erklärt Börner. Das Licht der blauen Reflektoren, für Wild eine Warnfarbe, wirkt eher bei Rehen, die lieber in der Dämmerung unterwegs sind. Sie bleiben stehen, bis das Auto vorbeigefahren ist. Börner: „Das Schöne an beiden Maßnahmen ist, dass sie die Straßen nicht permanent blockieren und keine Lebensräume zerschneiden.“

Noch tragen die Jäger die Kosten für Duftzäune und Reflektoren, manchmal unterstützt von örtlichen Versicherungsmaklern oder einzelnen Kreisverwaltungen. „In der Zukunft sollten die blauen Reflektoren bereits Bestandteil der Leitpfosten sein“, fordert Börner. „Die Kosten würden dann auf alle umgelegt – schließlich profitieren auch alle davon.“

In Schleswig-Holstein hat es von Januar bis September laut Polizei bereits 14.200 Zusammenstöße mit Wildtieren gegeben. Die Zahl des gesamten Vorjahres (15.000) war damit schon fast erreicht. Ob die Zahl der Wildunfälle im Land in den vergangenen Jahren aber gestiegen oder gesunken ist, steht nicht zweifelsfrei fest. Darüber gibt es nämlich zwei sehr unterschiedliche Aussagen.

Die Statistik des Kieler Umweltministeriums, die sich auf Meldungen der Jäger stützt, weist eine Reduzierung der Zahlen aus. Von 2005 (16.000 Wildunfälle) bis 2015 (12.000) sind sie um ein Viertel gesunken. Laut Landespolizeiamt hat sich hingegen die Zahl der polizeilich registrierten Wildunfälle im Zeitraum von 2005 (7500) bis 2015 (15.000) fast verdoppelt. Was stimmt?

Torge Stelck, Sprecher im Landespolizeiamt: „Erst seit 2015 erheben wir die Daten standardisiert und damit valide. Eine Verdoppelung ist wohl eher unwahrscheinlich.“ Aber: Weil die Polizei Unfälle mit allen Wildarten aufnehme, also auch Hasen, Mardern oder Füchsen, sei die aktuelle Zahl der Landespolizei natürlich höher.

Tatsächlich zählt die Jägerschaft nur Schalenwild (Horn- und Geweihträger sowie Wildschweine), hat aber ebenfalls keine schlüssige Erklärung für das Statistik-Rätsel. Man geht jedoch von einer Reduzierung aus und schreibt sich diese auf die Fahnen. Dazu beigetragen hätten nicht nur Reflektoren und Duftzäune auch jenseits der Teststrecken. „Sondern die konsequente Jagd auf Rehwild an Unfallschwerpunkten“, wie Wolfgang Heins, Präsident des Landesjagdverbandes, sagt.


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erstellt am 26.Okt.2016 | 10:52 Uhr

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