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Schleswig-Holstein

11. Dezember 2016 | 07:22 Uhr

Autobahn : Wie braune Schilder Besucher in Schleswig-Holsteins Städte und Dörfer locken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

An den Autobahnen weisen Hinweistafeln auf Sehenwürdigkeiten hin – auch, wenn die manchmal ganz woanders stehen.

Sie stehen seit vielen Jahren an den Autobahnen im Norden und weisen auf touristische Ziele hin: 57 braune Schilder gibt es in ganz Schleswig-Holstein – und im Verkehrsministerium in Kiel weiß man nicht einmal, wann das erste aufgestellt worden ist. Mittlerweile werden sogar touristische Ziele beworben, die oft viele Kilometer entfernt von der Autobahn liegen. Ist das sinnvoll?

„Normalerweise ist der Radius auf zehn Kilometer beschränkt“, sagt Ministeriumssprecherin Birte Pusback. „Aufgrund besonderer touristischer Bedeutung werden im Einzelfall aber auch Ausnahmen gemacht.“ Genehmigt werden die Schilder vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein. „Im Einzelfall behält sich das Verkehrsministerium die abschließende Bewertung des Antrags vor“, so Pusback.

Für fünf Jahre gilt die Genehmigung, die Kosten von mehreren tausend Euro für das Schild zahlt derjenige, der die Werbung aufstellen lassen will. Wer ein Schild haben möchte, muss bestimmte Kriterien erfüllen – wie etwa eine besondere touristische Bedeutung, Bekanntheit der Einrichtung, es muss ein Alleinstellungsmerkmal geben oder typisch für die jeweilige Region sein.

Und das ist offenbar leicht möglich. So wirbt die Stadt Flensburg an der Autobahn 7 mit einem Schild auf dem schlicht „Fördestadt Flensburg“ steht, obwohl davor und danach auch blaue Schilder auf die Abfahrten nach Flensburg hinweisen. Auch Nordfriesland preist sich an der A7 an. „Wir glauben, dass das eine Werbewirkung hat und die Leute zu uns zieht“, sagt Kreissprecher Hans-Martin Slopianka.

Selbst das Museum Kunst an der Westküste auf Föhr hat ein Schild an der A7, von der es rund zwei Stunden Fahrtzeit mit Auto und Fähre entfernt liegt. „Das steht dort schon seit 2009“, sagt Sprecherin Christiane Morsbach. „Die Touristen fühlen sich sehr von den Schildern angesprochen und freuen sich darüber. In der Zwischenzeit hat das Museum ja auch ein großes Renommee erreicht, so dass die Schilder auch vollends gerechtfertigt sind.“

Von einem positiven Effekt gehen auch andere Einrichtungen aus, wie etwa die Seehundstation in Friedrichskoog, für die die Gemeinde 50 Kilometer davon entfernt in beiden Richtungen an der A23 in Itzehoe mit einem Seehundlogo wirbt. Ganz in der Nähe weist Richtung Norden auch schon seit über zehn Jahren ein Schild auf das Wenzel-Hablik-Museum hin, das im nahe gelegenen Itzehoe liegt.

Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, dass dieses Schild an der A23 enthüllt wurde.
Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, dass dieses Schild an der A23 enthüllt wurde. Foto: Michael Ruff
Noch 50 Kilometer entfernt: Friedrichskoog wirbt mit dem Seehundlogo.
Noch 50 Kilometer entfernt: Friedrichskoog wirbt mit dem Seehundlogo. Foto: Ruff

„Wir werden immer wieder darauf angesprochen, das bringt uns Besucher“, sagt der Vorsitzende der Hablik-Stiftung, Harald Brommer. Die Werbung nütze der ganzen Stadt. Brommer gibt zu, das die Schilder „fast schon inflationär geworden sind – vor allem in anderen Bundesländern“. Er selbst ist daher dankbar, dass das Hinweisschild auf das Museum schon aufgestellt werden durfte, als die A 23 noch gar nicht fertiggestellt war. „Und wir wollen auch gern noch eines, das die Autofahrer, die von Norden kommen, auf unser Haus aufmerksam macht.“ Das Gespräch mit dem Land will er deshalb bald suchen.

Wie viele Schilder noch an den Autobahnen aufgestellt werden, bleibt unklar. Birte Pusback: „Die Aufstellung der Schilder beantragen diejenigen, die auf ihre Einrichtung, ihr Angebot aufmerksam machen möchten. Insofern gibt es keine Planung des Landes. Die Anträge der touristischen Einrichtungen gehen erfahrungsgemäß in unregelmäßigen Abständen bei der Straßenbauverwaltung ein.“

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erstellt am 01.Sep.2016 | 16:15 Uhr

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