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Schleswig-Holstein

09. Dezember 2016 | 16:41 Uhr

Razzia gegen „Die wahre Religion“ : Was wir über Pinnebergs radikale Salafisten-Zelle wissen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Wohnung von Slim K. wurde durchsucht. Der Schleswig-Holsteiner steht zum wiederholten Mal im Fokus der Ermittler.

Pinneberg | Eine der zentralen Figuren der jetzt verbotenen, radikal-salafistischen Vereinigung „Die wahre Religion“, wohnt offenbar in Pinneberg. Im Zuge der bundesweiten Großrazzia gegen mutmaßliche Unterstützer der Terrormiliz IS wurde am Dienstagmorgen auch eine Wohnung unweit der Innenstadt durchsucht. Nun deutet alles daraufhin, dass es sich bei dem Mieter um Slim K. (Foto) handelt, der schon mehrfach als radikaler Islamist für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Denn K. ist in der Szene kein Unbekannter: 2011 besuchte er die mittlerweile geschlossene Al-Sunna-Moschee in Pinneberg. Die Einrichtung direkt neben der Fußgängerzone wurde damals vom Verfassungsschutz beobachtet. Der Vorwurf: Sie sei ein Treffpunkt für radikale Salafisten. Unter anderem war dort laut Medienberichten der Rapper und Salafist „Deso Dogg“ zu Gast, der inzwischen als einer der Führungsköpfe des IS in Syrien gilt. Slim K. wiederum war damals im Vorstand der „Muslimischen Gemeinschaft Pinneberg“, die wiederum im Visier des Verfassungsschutzes stand. Gegenüber der Zeitung Taz sagte K. nach der Schließung des Gebetshauses im März 2011: „Wir machen weiter – mit oder ohne Moschee.“ Es scheint, als habe er seine Ankündigung wahr gemacht.

Denn nach Recherche unserer Zeitung war seine Wohnung eine von deutschlandweit 200 Orten, die die Polizei am Dienstag durchsuchte. Eine Festnahme gab es laut Polizei nicht, es seien aber potenzielle Beweismittel beschlagnahmt worden.

Laut einem NDR-Bericht wurde K. in Schleswig-Holstein geboren, seine Eltern stammen aus Tunesien. In dem TV-Beitrag sagt Slim K.: „Ich respektiere die Demokratie nicht, ich akzeptiere sie nur.“ Weiter heißt es, der Pinneberger sei bereits mehrmals verurteilt – unter anderem wegen Körperverletzung und Landfriedensbruch, er sei außerdem gewalttätig gegenüber Polizisten gewesen. Der Salafist sei darüber hinaus nicht nur bei der nun durch Bundesinnenminister Thomas de Maizière verbotene Vereinigung „Die wahre Religion“ aktiv. K. sei laut NDR auch eines der führenden Mitglieder des Vereins „Millatu Ibrahim“, der bereits im Mai 2012 vom Verfassungsschutz verboten wurde und den Koran besonders radikal interpretiert.

Das schleswig-holsteinische Innenministerium gab auf Anfrage keine offizielle Bestätigung, da es sich um laufende Ermittlungen und personenbezogene Daten handele. Der Verfassungsschutzbericht zählte für das Jahr 2015 im Norden mehr als 300 Personen zu den extremen Salafisten, 70 mehr als noch ein Jahr zuvor. Pinneberg gehört demnach zu den Hochburgen der Szene.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 10:52 Uhr

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