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Schleswig-Holstein

02. Dezember 2016 | 19:17 Uhr

Fischerei in SH : Warum sich die Krabbe rar macht

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein kleiner Krabben-Bestand und die deutliche Zunahme natürlicher Fressfeinde - die Krabbe hat es zurzeit nicht leicht.

Hörnum | Es war ein deutliches Zeichen für die außerordentliche Lage auf dem Markt: Das traditionelle Krabbenwettpulen auf dem Hafenfest in Hörnum auf Sylt musste am Wochenende erstmals ausfallen. „Allenfalls zu utopischen Preisen hätten wir Krabben bekommen können“, klagt Organisatorin Finja Fröhlich. Erst ab 30 Euro pro Kilo sei ihr Ware in Aussicht gestellt worden.

Wie Finja Fröhlich geht es vielen, die die Delikatesse aus der Nordsee gern anbieten würden. Mehrere schleswig-holsteinische Gastronomen schildern gegenüber dem sh:z, dass sie derzeit im Großhandel entweder gar keine Krabben erhalten  – oder nur zu Konditionen, die gegenüber dem Kunden nicht durchsetzbar seien. Nicht mal im deutlich gehobenen Segment. „Wir müssten dann für die Gerichte Preise verlangen, die uns keiner bezahlen wird“, heißt es etwa aus dem Hotel „Alter Meierhof“ in Glücksburg.

Außerdem stört man sich dort daran, dass der Großhandel die Nachfrage nicht verlässlich bedienen könne. Höchstens mal für eine Woche Krabben einplanen zu können, genüge nicht. An der Fischbrötchen-Front sieht es nicht besser aus. „Das Problem mit dem Krabben-Mangel besteht nach wie vor“, lautet die Auskunft bei „Fisch Matthiesen“, einem Fischladen mit Bistro in Hörnum. Einen guten Monat hat man dort darauf verzichtet, die Leckerei anzubieten. Andere sind auf über neun Euro pro Krabbenbrötchen hinaufgegangen.

Schrumpfender Krabben-Bestand hat zwei Gründe

Dass es bisher ein auffallend maues Krabbenjahr ist, hat zwei Gründe. Der eine kommt alle paar Jahre vor, sagt Dr. Gerd Kraus, Leiter des bundeseigenen Thünen-Instituts für Seefischerei in Hamburg. Der letzte Krabben-Jahrgang sei schlicht klein ausgefallen. Herrschten in den wenigen Wochen, in denen sich die Krabbe fortpflanzt, durch natürliche Schwankungen ungünstige Temperaturen und Strömungsverhältnisse, mache sich das schnell im Bestand bemerkbar. 90 Prozent der Krabben leben nämlich nur ein Jahr.

Als zweiten neuen Grund für den Rückgang der Krabbe nennt Kraus eine deutliche Zunahme natürlicher Fressfeinde: Vor allem Wittlings- und teils auch Kabeljau-Schwärme hätten sich in diesem Frühjahr in der südlichen Nordsee stark vermehrt. „In den letzten Jahren war diese Konkurrenz der Krabbe abhanden gekommen“, erläutert der Biologe. „Inzwischen aber geht die Überfischung zurück, so dass sich natürliche Räuber-Beute-Beziehungen wieder einstellen.“

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo offenbar auch die Vermarktungsstrukturen für Nordsee-Krabben einen Schub bekommen haben. Dirk Sander, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer mit Sitz in Cuxhaven, erklärt: Der führende Vermarkter auch deutscher Nordsee-Krabben, Heiploeg aus Holland, wurde von dem ebenfalls niederländischen Fischgroßhändler „Parlevliet & van der Plas“ mit einem bereits im Voraus noch größeren Abnehmernetz übernommen. So hätten sich die Kanäle für den Absatz von Krabben erweitert. Sander schätzt, dass in diesem Frühjahr und Frühsommer in Schleswig-Holstein und Niedersachsen 30 bis 40 Prozent weniger Krabben angelandet worden sind als in durchschnittlichen Jahren.

Der Zenit von Knappheit ist überschritten

Mit Rainer Möller, Krabbenfischer aus Büsum und Mitglied im Landesfischereiverband Schleswig-Holstein, ist sich der Cuxhavener aber einig: Der Zenit von Knappheit und Preis-Hoch sei überschritten. Zumindest die Erzeugerpreise sind nach Angaben beider von elf bis zwölf Euro pro Kilo auf ungefähr sechs gefallen. Vor Holland seien die Fangmengen jüngst wieder etwas gestiegen. Und vor allem geht es jetzt mit Riesenschritten in die Hauptsaison für den Krabben-Nachwuchs: „Die mit Abstand meisten Tiere wachsen stets im August und September heran, wenn das Wasser am wärmsten ist“, erläutert Tühnen-Wissenschaftler Kraus. „Erst dann wird man merken, wie stark oder schwach der Krabben-Jahrgang 2016 insgesamt ausfällt.“

Im Vergleich zu normalen Jahren mit drei bis vier Euro pro Kilo bewegen sich die Erzeugererlöse trotz einer gewissen Abwärts-Tendenz noch immer auf hohem Niveau. „Ich glaube nicht, dass der Preis absehbar wieder ganz nach unten geht“, meint denn auch Sander. Auch Kraus’ wissenschaftliche Einschätzung geht in diese Richtung: „Bei so vielen Räubern angesichts sich erholender Fischbestände wird für die Krabbenfischerei nicht mehr so viel übrig bleiben wie bisher.“

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erstellt am 09.Aug.2016 | 15:02 Uhr

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