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Schleswig-Holstein

04. Dezember 2016 | 03:02 Uhr

Maisernte 2016 : Warum der Mais dieses Jahr in SH so üppig wächst

vom

Hohe Pflanzen und starke Blätter: Mais steht gerade sehr gut. Woran liegt das? Ein Experten-Interview.

Wer zurzeit über Land fährt, der fährt Straßen entlang, die von meterhohen Maispflanzen flankiert sind. Der Mais steht zurzeit besonders gut. So ist zumindest der Eindruck. Aber stimmt das überhaupt? Antwort darauf gibt uns Prof. Dr. Friedhelm Taube von der Abteilung für Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau an der Universität Kiel im Interview.

Der Mais macht zurzeit den Eindruck als sei er besonders üppig. Stimmt das?

Der Eindruck trügt nicht. Der Mais steht in diesem Jahr sehr gut. Das hat aber nichts mit dem Zuchtfortschritt bei den Pflanzen zu tun, der über lange Zeiträume wirkt und gerade bei Mais gut zu dokumentieren ist – bei etwa zwei Prozent Ertragssteigerung pro Jahr liegt dieser Zuchtfortschritt. In diesem Jahr hat es vor allem mit der Witterung zu tun.

Inwiefern?

Der Mais reagiert als sogenannte C-4-Pflanze, eine Kategorie von Pflanzen, die an tropische Klimate angepasst ist, sehr sensibel auf Temperaturveränderungen.

Welche Temperaturen bevorzugt Mais?

Alle C-4-Pflanzen bevorzugen hohe Temperaturen deutlich über 20 Grad. Das ist deutlich mehr als unsere Gräser und Getreide, die sogenannte C-3-Pflanzen sind.

Warme Temperaturen gab es in diesem Sommer ja aber nicht so richtig.

Der Eindruck wiederum trügt. Meist hat man eine kurze Erinnerung an das Wettergeschehen. Unsere Erinnerung ist zurzeit durch die vergangenen drei Wochen bestimmt, die einen kühlen Sommer suggerieren. Eine Pflanze nimmt aber Temperaturen zum Wachstum immer aufsummiert wahr. Wenn wir also die Temperatursumme vom 1. Mai, also Wachstumsbeginn vom Mais, bis zum 1. August bilden, dann haben wir in Schleswig-Holstein die höchste Temperatursumme der vergangenen zehn Jahre.

<p>Ausreichend und gleichmäßiger Niederschlag und hohe Temperaturen in diesem Jahr lassen den Mais schon frühzeitig gut aussehen.</p>

Ausreichend und gleichmäßiger Niederschlag und hohe Temperaturen in diesem Jahr lassen den Mais schon frühzeitig gut aussehen.

Foto: Götz Bonsen

Was bedeutet Temperatursumme?

Wir haben alle Tagesdurchschnittstemperaturen in diesem Zeitraum aufsummiert. Für das Jahr 2016 kommen wir so bisher auf 1500 Grad. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es 1300 Grad. Das wer extrem wenig. Diese zusätzlichen 200 Grad machen in diesem Jahr den Unterschied.

Woran liegt das?

Wir hatten einen relativ warmen Mai und Juni. Dadurch war der Mais schon im Juni sehr weit entwickelt. Fachleute sprechen dabei auch vom Reihenschluss, also dem Zeitpunkt, wenn die Reihen nicht mehr zu sehen sind, sondern ein durchgängig grünes Blätterdach. Das ist normalerweise um den 20. Juni erreicht, in diesem Jahr jedoch schon zehn Tage früher. Ähnlich verhält es sich auch mit der Blüte, die 2016 auch eine Woche bis zehn Tage früher anstand aufgrund der Temperatursumme. Es kommt aber noch ein weiterer Faktor hinzu.

Welcher ist das?

Es muss genügend Wasser für die Pflanzen vorhanden sein. Dafür betrachten wir das bodenverfügbare Wasser fürs Pflanzenwachstum – das ist nicht nur der Regen, sondern auch der Bodenwasservorrat. Dafür ist es wichtig, dass es in gewissen Abständen regnet und das war 2016 ebenfalls optimal. Der Mais hat bisher noch nicht einen Tag Wassermangel leiden müssen. Eine hohe Temperatursumme und eine ausreichende und gleichmäßige Wasserversorgung haben also zum üppigen Wachstum geführt.

Bedeutet dies auch ein gutes Ernteergebnis für die Landwirte?

Voraussichtlich ja. Der Hauptwasserbedarf des Maises ist im Juli und August und da hat der Niederschlag ausgereicht. Deshalb wird es sicherlich eine sehr gute Ernte geben. Was noch nicht sicher gesagt werden kann, ist, ob die Ernte auch früher anstehen wird.

Warum nicht?

Bis zur Ernte muss die Temperatursumme etwa 2300 Grad erreicht haben. Wann die Pflanzen auf dieses Niveau kommen, hängt davon ab, wie der September wird. Bleibt es wie die vergangenen drei Wochen kühl, kann der Vorsprung durch das gute Wetter in Mai und Juni wieder verloren gehen und wir haben normale Erntetermine um den 10. Oktober.

Vier Pflanzen pro halbem Meter: Auch wenn es angesichts der üppigen Felder den Eindruck macht, dichter ausgesät wurden die Maispflanzen nicht.
Vier Pflanzen pro halbem Meter: Auch wenn es angesichts der üppigen Felder den Eindruck macht, dichter ausgesät wurden die Maispflanzen nicht. Foto: Götz Bonsen

Wirken die Pflanzen vielleicht auch so üppig, weil sie dichter ausgesät wurden?

Die Produktionstechnik ist sehr stabil. Das muss sie auch sein, weil Landwirte vorher nicht wissen, wie das Wetter wird. Dichtes Aussäen bringt auch keinen Vorteil. Zumeist werden zehn bis zwölf Pflanzen pro Quadratmeter ausgesät. Würden zum Beispiel 15 pro Quadratmeter ausgesät, so würde der Mais mehr Wasser benötigen und keine guten Kolben ausbilden, weil die Pflanzen für eine gute Kolbenausbildung zu eng stünden. Deshalb wird der Mais in diesem Jahr ähnlich dicht ausgesät worden sein wie in den Jahren zuvor. Die Bestände wirken vielleicht dichter, weil die Pflanze üppiger ist und stärker ausgebildete Blätter hat.

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erstellt am 19.Aug.2016 | 14:38 Uhr

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