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Schleswig-Holstein

07. Dezember 2016 | 21:21 Uhr

Küstenautobahn : Warum das Umweltbundesamt die A20 verhindern will

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Geht es nach dem Ministerium, soll die 158 Kilometer lange Strecke samt Elbtunnel ersatzlos gestrichen werden - aus verschiedenen Gründen.

Berlin | Am Donnerstag soll das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum A-20-Elbtunnel bei Glückstadt gefällt werden - da sorgt das Umweltbundesamt für einen Paukenschlag: Die Behörde von Umweltministerin Barbara Hendricks fordert einen fast kompletten Verzicht auf den Weiterbau der Küstenautobahn A20. Das geht aus einer Streichliste des Amtes zum Entwurf des Bundesverkehrswegeplans von Minister Alexander Dobrindt (CSU) hervor.

Immer wieder wurde der Ausbau der A20 verzögert. Zuletzt sorgten am Kalkberg in Bad Segeberg beheimatete Fledermäuse und ein verwaister Adlerhorst für Verzögerungen beim Bau.

Demnach soll die 158 Kilometer lange Strecke zwischen Hohenfelde in Schleswig-Holstein und Westerstede in Niedersachsen samt Elbtunnel ersatzlos wegfallen. Auch der Ausbau der A21 von Bargteheide nach Schwarzenbek und die Hamburger Hafenquerspange stehen auf der schwarzen Liste des Umweltbundesamtes (UBA). „Das UBA schlägt vor, 41 Projekte ganz zu streichen“, schreibt die Behörde von SPD-Politikerin Hendricks. Im Gegenzug müsse mehr Geld in die Schiene fließen. Sonst werde Dobrindt seine selbst gesteckten Umweltziele verfehlen.

Gründe für die Forderung zum Verzicht auf die A20 sind der hohe Flächenverbrauch für die Autobahn von 871 Hektar und der zusätzlich erwartete Kohlendioxidausstoß. „Alle zur Streichung vorgeschlagenen Projekte beanspruchen viel Fläche, verursachen massive Nachteile für den Naturschutz sowie hohe Lärm-, Luftschadstoff- und Klimagasemissionen“, kritisiert UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Wie berichtet ist die A20 mit zu erwartenden Schäden in Höhe von 760 Millionen Euro sogar das bei Weitem umweltschädlichste Projekt im Verkehrswegeplan.

Die Kritik von Hendricks’ Behörde an Dobrindt ist brisant, weil das gesamte Kabinett den Bundesverkehrswegplan beschließen muss. Dobrindt zeigt sich allerdings unbeeindruckt und hält an der A20 fest. „Die Küstenautobahn ist die wichtigste Ost-West-Verbindung in Deutschlands Norden“, lässt er seinen Staatssekretär Enak Ferlemann ausrichten. Der Weiterbau bringe „eine erhebliche Erleichterung der Verkehrsbeziehungen vom Norden in Richtung Ruhrgebiet“.

Auch Dobrindts Kieler Kollege Reinhard Meyer steht zur A20. Zwar sei die Küstenautobahn „zweifellos eines der ökologisch sensibelsten Projekte in Deutschland“, sagt er. Doch seien „die verkehrlichen Verbesserungen unbestritten“. Daher brauche Schleswig-Holstein die A 20. Allerdings kritisiert Meyer den Streit zwischen Dobrindt und Hendricks: „Ich bin irritiert darüber, dass das eine Bundesministerium das andere nach Vorlage des Verkehrswegeplans noch korrigieren will.“

Bei den gegen den A-20-Tunnel klagenden Umweltverbänden fühlt man sich vor der Urteilsverkündung in Leipzig bestätigt. „Die Einschätzung des UBA zeigt, dass der Rechtsstreit um die A 20 gut begründet ist“, sagt Wilhelm Mecklenburg, Anwalt des Landesnaturschutzverbands.

Der Ausbau der A20 und die Probleme im Überblick:

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erstellt am 26.Apr.2016 | 20:43 Uhr

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