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Jagd in Schleswig-Holstein : Warum das Land den Jägern Schalldämpfer verbietet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Jäger betonen den Gesundheitsschutz - und wollen klagen.

Kiel | Das Wild schreckt auf, Spaziergänger zucken zusammen. Und den Jägern selbst klingeln die Ohren. Weil der laute Knall ihrer Büchsen langfristig das Gehör schädige, will die Jägerschaft im Norden gerne Schalldämpfer nutzen. „Der Gesundheitsschutz muss im Vordergrund stehen“, erklärt Andreas Schober, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes und fordert: „Die bestehenden waffenrechtlichen Restriktionen sollten aufgehoben werden.“

Bayern, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben die Pirsch mit Schalldämpfern bereits erlaubt – unter Verweis auf den Gesundheitsschutz.

Doch Schleswig-Holstein wird dem Wunsch der Jägerschaft nicht nachkommen. „Um die akustische Belastung zu verringern, können Jäger einen Gehörschutz tragen“, sagt Patrick Tiede, Sprecher im Innenministerium und verweist auf die Bundesgesetzgebung, deren Ziel es sei, weniger Waffen und Waffenbestandteile in Umlauf zu bringen. „Deshalb agieren wir restriktiv.“

Diese Argumentation sorgt beim Landesjagdverband für Verärgerung, denn aus Gründen des Arbeitsschutzes dürfen Berufsjäger bereits seit 2013 in Schleswig-Holstein Schalldämpfer erwerben. „Unser Gehör ist doch genauso schutzwürdig wie das eines Försters“, sagt Schober. Und er gibt zu bedenken, dass auch nicht beruflich tätige Jäger Pflichten haben, etwa die Suche von verletzten Tieren nach Wildunfällen. „Da brauche ich meine Ohren, ein Hörschutz stört extrem“, sagt Jäger Malte Schwartz, der sein Revier in Ahrensbök (Kreis Ostholstein) hat.

„Offenbar gibt es eine große Angst vor heimtückischen Heckenschützen, die nicht zu orten sind“, sagt ein anderer Jäger. Tatsächlich hat das Verwaltungsgericht Düsseldorf diese Woche die Klage zweier Jäger auf eine Ausnahmegenehmigung abgewiesen, unter anderem, weil bei Schalldämpfern die Gefahr bestehe, dass sie gestohlen und kriminell genutzt werden könnten.

Für Andreas Schober ist das nicht nachvollziehbar. „Sie hören doch auch mit Schalldämpfer einen Knall, nur liegt der eben nicht bei 150, sondern bei 120 Dezibel“, sagt er. „Es tut in den Ohren nicht mehr weh, aber der Schuss ist weiter sehr laut, ein leises Ploppen wie bei James-Bond-Pistolen ist nicht die Realität.“ Die Sicht der Jäger wird gestützt durch eine Expertise des Bundeskriminalamts, wonach die „Delikt-Relevanz“ von Schalldämpfern im kriminellen Alltag „sehr gering“ ist. Außerhalb von Deutschland sind Schalldämpfer in Finnland, Schweden, Norwegen und Großbritannien erlaubt. Dort jagen Jäger nicht mehr ohne, weil sie auch den Rückstoß reduzieren.

Bislang ist der Landesjagdverband von einer Legalisierung der Schalldämpfer ausgegangen. „Nun wird es Klagen geben“, kündigt Schober an. Die können durchaus unterschiedlich enden. Während das Verwaltungsgericht Düsseldorf argumentierte, ein Gehörschutz sei das Mittel der Wahl und der laute Knall für Wildtiere und Jagdhunde hinzunehmen, entschied das Verwaltungsgericht Minden in einem ähnlichen Fall genau umgekehrt und gab dem klagenden Jäger Recht, der „schwere Hörschäden durch seine vielen Jagdeinsätze bei Wildunfällen“ befürchtete.

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erstellt am 22.Mai.2016 | 19:41 Uhr

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