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Schleswig-Holstein

05. Dezember 2016 | 09:32 Uhr

70. Geburtstag : Von Ripen bis Barschel: Das sind die wichtigsten historischen SH-Momente

vom

Herzlichen Glückwunsch, Schleswig-Holstein! Am Samstag feiert unser Land 70. Geburtstag. Ein historischer Rückblick.

Kiel | SH feiert. Die offizielle Geburtstagssause zum 70. findet am Samstag in Eutin statt. Das Programm lesen Sie hier. Die Redakteure der Onlinerredaktion haben ihr Land auch schon gefeiert - mit persönlichen Einblicken, welche Ecke sie noch nicht kennen, aber unbedingt sehen möchten. Aber was hat SH eigentlich in den 70 Jahren schon so alles erlebt? Schleswig-Holsteins Geschichte war über Jahrhunderte geprägt von deutsch-dänischen Auseinandersetzungen um die Eigenständigkeit der Herzogtümer, ihre Zugehörigkeit zu Dänemark, dem Deutschen Reich oder Preußen. Elf historische Wegmarken:

1460: Vertrag von Ripen

Vertreter des schleswig-holsteinischen Adels rufen König Christian I. in der dänischen Stadt Ripen (Ribe) zu ihrem neuen Landesherrn aus. Der Däne stellt dafür die Urkunde von Ripen aus: Demnach sollen Schleswig und Holstein unter gemeinsamer Herrschaft stehen.

Zugleich sichert Christian ihnen faktische und rechtliche Eigenständigkeit sowie ihre Unteilbarkeit zu: „dat se bliven ewich tosamende ungedeelt“ - „dass sie ewig ungeteilt zusammenbleiben“. Der Verbund mit Dänemark hat bis 1864 Bestand.

1848-1851: Schleswig-Holsteinische Erhebung

Im Zuge europäischer revolutionärer Unruhen und nationaler Strömungen kämpfen Kräfte für die völlige Unabhängigkeit. Aber Schleswig und Holstein bleiben bei Dänemark, ihre Eigenständigkeit wird jedoch bestätigt.

1864: Deutsch-Dänischer Krieg
Gefecht bei Oeversee: Am 6. Februar 1864 kämpfte das Infant.-Reg. „König von Belgien“.
Gefecht bei Oeversee: Am 6. Februar 1864 kämpfte das Infant.-Reg. „König von Belgien“. Foto:Landesbibliothek SH

 

Preußen und Österreich siegen. Militärisch entscheidet die Erstürmung der von Dänen gehaltenen zehn Düppelner Schanzen durch preußische Truppen. Im Frieden von Wien muss Dänemark die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg abtreten.

Sie werden zunächst von Preußen und Österreich gemeinsam verwaltet.1865 wird Schleswig preußischer Verwaltung unterstellt, Holstein österreichischer. Lauenburg geht in Personalunion mit Preußen.

1920: Volksabstimmung
Mit emotionalen Plakaten wie diesem warben 1920 die Dänemark zugeneigten Bürger für die Volksabstimmung...
Mit emotionalen Plakaten wie diesem warben 1920 die Dänemark zugeneigten Bürger für die Volksabstimmung...

 

Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg entscheiden laut Versailler Vertrag in zwei Regionen Schleswigs die Bewohner darüber, ob sie zu Dänemark oder Deutschland gehören wollen.

Am 10. Februar 1920 stimmen in der Nord-Zone 74 Prozent für Dänemark, am 14. März in Mittelschleswig 80 Prozent für Deutschland. So bleiben Flensburg, Tondern und Husum ebenso deutsch wie Föhr, Amrum und Sylt.

1946: Geburtsstunde Schleswig-Holsteins
8. Mai 1947: Der erste Schleswig-Holsteinische Landtag nach dem Krieg tritt in der Pädagogischen Akademie in Kiel zusammen.
8. Mai 1947: Der erste Schleswig-Holsteinische Landtag nach dem Krieg tritt in der Pädagogischen Akademie in Kiel zusammen.dpa Foto:dpa

 

Zum 23. August 1946 legt die britische Militärregierung mit der Verordnung Nr. 46 zur Auflösung der ehemaligen preußischen Provinzen die rechtlichen Grundlagen für das Land. Hauptstadt wird Kiel. Am 20. April 1947 wird erstmals ein Landtag gewählt. Bundesland wird Schleswig-Holstein mit der 1949 verabschiedeten Landessatzung.

1955: Bonn-Kopenhagener Erklärung

Die Bundesrepublik und Dänemark erkennen wechselseitig die Minderheiten an. Minderheitenfragen sollen als innere Angelegenheiten geklärt werden. Festgeschrieben werden das freie Bekenntnis zur Volkszugehörigkeit und die Gleichbehandlung aller Bürger. In Schleswig-Holstein wird die Partei der dänischen Minderheit von der 5-Prozent-Klausel bei Landtagswahlen befreit.

1972: Olympische Sommerspiele
Seit Montag können die Kieler per Briefwahl abstimmen. /Archiv
Seit Montag können die Kieler per Briefwahl abstimmen. /Archiv Foto:Carsten Rehder

 

Im Rahmen der Spiele von München finden die Segelregatten in Kiel statt, zum zweiten Mal nach 1936. 2015 scheitert eine weitere Bewerbung für 2024, weil die Hamburger gegen Olympia votieren. In Kiel gibt es eine klare Mehrheit dafür.

1976: Brokdorf-Proteste
Demonstranten vor dem schwerbewachten Baugelände: Am 30. Oktober 1976 finden erste Demonstrationen gegen den Bau eines Kernkraftwerks in Brokdorf statt.

Demonstranten vor dem schwerbewachten Baugelände: Am 30. Oktober 1976 finden erste Demonstrationen gegen den Bau eines Kernkraftwerks in Brokdorf statt.

Foto:dpa

 

Am Bauplatz des Atomkraftwerks Brokdorf gibt es 1976 gewalttätige Zusammenstöße. Im Februar 1981 stehen sich am Bauzaun 100.000 Demonstranten und 10.000 Polizisten gegenüber. Es gibt viele Verletzte. 40.000 Atomkraftgegner erreichen im Juni 1986 das weiträumig abgesperrte Gelände. Es gibt erneut Krawalle.

Am 3. Oktober 1986 erhält Brokdorf als weltweit erstes neues AKW nach der Tschernobyl-Katastrophe die Dauerbetriebsgenehmigung.

1979: Schneekatastrophe
Städte und Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten, der Zugverkehr kam zum Erliegen und auf Autobahnen türmten sich meterhohe Schneemassen auf.
Städte und Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten, der Zugverkehr kam zum Erliegen und auf Autobahnen türmten sich meterhohe Schneemassen auf. Foto:dpa

 

Zum Jahreswechsel auf 1979 leiten Schneemassen und eisiger Wind einen der härtesten Winter aller Zeiten ein. Sechs Menschen sterben. Viele Orte sind abgeschnitten, Strom und Heizungen fallen aus. In eingeschneiten Autos harren Fahrer stundenlang aus, in Ställen erfrieren hunderte Tiere. Mit Hilfe der Bundeswehr entspannt sich die Lage nach und nach.

1987: Barschel-Affäre
Ministerpräsident Barschel war durch Vorwürfe Pfeiffers unter Beschuss geraten.
Ministerpräsident Barschel war durch Vorwürfe Pfeiffers unter Beschuss geraten.

 

Der Skandal erschüttert 1987 die Bundesrepublik. Der „Spiegel“ enthüllt üble Tricks im Wahlkampf gegen SPD-Kandidat Björn Engholm. Aus der Staatskanzlei von Regierungschef Uwe Barschel (CDU) lässt der Referent Reiner Pfeiffer Engholm bespitzeln, lanciert gegen ihn eine anonyme Steueranzeige und setzt ihn am Telefon einem Aids-Verdacht aus.

Pfeiffer beschuldigt Barschel als Urheber der Machenschaften. Barschel bestreitet alles mit Ehrenwort, tritt aber zurück. Am 11. Oktober liegt seine Leiche in einer Hotelbadewanne in Genf. Ob er ermordet wurde oder aus eigenem Willen starb, ist bis heute ungeklärt. Todesursache war eine Medikamentenvergiftung.

1993: Schubladen-Affäre
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Der „Samariter" Günther Jansen muss im „Schubladenausschuss" seine Geldgeschenke an Reiner Pfeiffer erklären. Foto:Dahl

 

1993 kommt heraus, dass Ex-SPD-Landeschef Günther Jansen nach dem Barschel-Skandal Pfeiffer umgerechnet 25.000 Euro zukommen ließ. Jansen tritt als Sozialminister zurück, dann Engholm als Ministerpräsident. Er musste zugegeben, dass er vor der Wahl 1987 von Pfeiffers Treiben gewusst hatte, früher als behauptet. Die SPD stürzt in eine Glaubwürdigkeitskrise.

Heide Simonis wird als erste Frau in Deutschland Ministerpräsidentin. Ihre Wiederwahl scheitert 2005, weil ihr jemand aus eigenen Reihen in vier Wahlgängen nicht die Stimme gab. Die Identität des „Heide-Mörders“ ist ungeklärt.

 
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erstellt am 30.Sep.2016 | 19:53 Uhr

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