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Schleswig-Holstein

03. Dezember 2016 | 18:49 Uhr

Bad Bramstedt : Vion will Schlachthof verkaufen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine holländische Zeitung meldet finanzielle Probleme. Der Verkauf aller 34 deutschen Betriebe soll den Konzern retten.

Bad Bramstedt | Gerüchte gibt es schon länger, dass es dem holländischen Schlachthof-Konzern Vion nicht gut geht. Gestern meldete nun die niederländische Zeitung „Financieele Dagblad“, dass Vion – vor wenigen Jahren noch Europas größtes Schlachtunternehmen – gezwungen sei, die restlichen 34 Betriebe in Deutschland zu verkaufen. Betroffen wäre davon auch der Schlachthof in Bad Bramstedt, der Anfang des Jahres wegen Hygiene- und Tierschutzmängeln erneut in die Schlagzeilen geriet.

Die Zeitung beruft sich auf Quellen aus dem Unternehmen. Ursache seien finanzielle Probleme. Für die Sanierung und Umstrukturierung des Unternehmens fehle Geld, die Banken wollen – so das holländische Wirtschaftsblatt (vergleichbar dem deutschen Handelsblatt) – keinen weiteren Kredit mehr geben. Die deutsche Vion-Food Zentrale in Düsseldorf ließ gestern auf unsere Anfrage hin durch eine PR-Agentur verkünden, „an diesem Gerücht stimmt rein gar nichts“.

Der Schlachthof in Bad Bramstedt ist mit 120.000 Schlachtungen im Jahr der größte in Norddeutschland. Mit insgesamt knapp 400 Mitarbeitern erwirtschaftet er laut Vion 2013 einen Umsatz von 200 Millionen Euro. Insgesamt meldete Vion im vergangenen Jahr 7000 Mitarbeiter und einen Umsatz von sieben Milliarden Euro. Aktuell soll das nicht an der Börse notierte Unternehmen noch 5000 Mitarbeiter beschäftigen, die 2014 voraussichtlich einen Umsatz von fünf Milliarden Euro erwirtschaften. Das entspricht laut „Financieele Dagblad“ der Hälfte des Umsatzes von 2012. Größter Anteilseigner ist eine niederländische Landwirtschafts- und Gartenbauorganisation mit rund 16.500 Mitgliedern. Schon im Juli hatte Vion einräumen müssen, dass das Eigenkapital zwar erhöht wurde, die Lage sich aber im Schlacht- und Zerlegebereich nicht verbessert habe. Demnach hatte der Konzern 2013 einen Verlust von 139 Millionen Euro – also jeden Tag etwa 400.000 Euro gemacht.

Erschwerend kommt jetzt der Zusammenbruch des russischen Marktes hinzu – jedes vierte Schlachtschwein wurde bisher gen Osten exportiert. „Vion blutet aus. Die finanzielle Lage ist besorgniserregend“, erklärten Experten schon vor Monaten und sagten das nahe Ende von Vion voraus.

Die Preiseinbrüche vor allem auf dem europäischen Schweinemarkt führen auch in Dänemark, den Niederlanden und Österreich zu Verwerfungen, unter denen die Schlachthöfe massiv leiden. „Unsere Branche ist zur Geisel in einem politischen Spiel geworden“, beklagte erst kürzlich Erik Larsen vom Dachverband der dänischen Landwirtschaft.

Noch im Frühjahr hatte Vion – hinter Fleischproduzent Tönnies Nummer zwei in Deutschland – angekündigt, in Schleswig-Holstein bis 2020 einen neuen Schlachthof in zentraler Lage mit Autobahnanschluss errichten zu wollen. Gespräche mit Ministerpräsident Albig (SPD) und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne ) wurden darüber schon geführt. Auch wenn in Bad Bramstedt vorrangig Rinder und nicht Schweine geschlachtet werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die ehrgeizigen Pläne noch umgesetzt werden.

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erstellt am 01.Nov.2014 | 12:00 Uhr

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