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Schleswig-Holstein

10. Dezember 2016 | 02:06 Uhr

Sexismus-Vorwürfe : Viele offene Fragen zum Skandal in der Polizeischule Eutin

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Fühlte sich eine Polizistin sexuell belästigt oder nicht? Und was wusste der Pirat Patrick Breyer, der den Fall öffentlich machte? Ein Kommentar von Eckard Gehm.

Ihr Fall taucht als Punkt eins auf der Piraten-Liste der sexistischen und rassistischen Vorfälle in der Polizeischule Eutin auf. Jetzt kommt heraus: Der Schlag auf den Po einer Anwärterin war wohl gar nicht sexistisch intendiert – und soll durch ein Gespräch unter vier Augen aus der Welt geschafft worden sein. Im Widerspruch dazu versichern die drei Beschwerdeführerinnen, die Betroffene habe den Vorfall sehr wohl als sexuelle Belästigung empfunden.

Die Frage ist nun: War Patrick Breyer dieser Konflikt, der jetzt zu einem Strafantrag führte, bekannt? Und wusste der Fraktionschef der Piraten, dass auch weitere Äußerungen offenbar in einem Kontext standen, der ihnen deutlich die Schärfe nimmt? Davon ist auszugehen.

Von Anfang an gab es bei diesem Skandal ein Problem, eine Engstelle: Allein Breyer hatte Zugang zu der Beschwerde der drei Anwärterinnen, den Protokollen ihrer Vernehmung und den WhatsApp-Verläufen der Ausbildungsgruppe. Was er veröffentlichte, war gefiltert. Breyer ist nach eigenem Bekunden überzeugt, die ganze Sache sollte vertuscht werden. Und sehr wahrscheinlich hatte er bei der Veröffentlichung auch den Wunsch, einen politischen Coup zu landen. Der ist ihm gelungen, das Innenministerium hat Disziplinarverfahren gegen zwei Anwärter eingleitet – wobei einer davon ausgerechnet für den umstrittenen Schlag auf den Po verantwortlich ist.

Auf das Konto des zweiten soll die Äußerung gehen, Lust zu haben, mit einer Maschinenpistole „auch mal in eine Moschee reinzustürmen“. Außerdem der Satz: „Wenn ich einen Kanaken als Streifenpartner hätte, würde ich den am Ortsrand sofort aussetzen.“ Wenn diese Äußerungen so gefallen sind, wären es schwere Verfehlungen, die sich auch mit jugendlicher Unbedachtheit nicht rechtfertigen lassen. Nur, wie sind die beiden Anwärter zu bestrafen?

In den Augen von Breyer haben sie sich für den Polizeidienst disqualifiziert. Mit einer solchen Härte zu argumentieren, bedeutet jedoch, dass der Fraktionsvorsitzende glaubt, Menschen könnten ihre innere Einstellung nicht ändern und an begangenen Fehlern nicht reifen. Das aber ist keine Grundidee unseres Staates.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 07:55 Uhr

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