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Schleswig-Holstein

11. Dezember 2016 | 07:22 Uhr

Beginn der Winterzeit : Verwirrte Babys und zwei Zeitzonen auf Zypern: Diese Probleme bringt die Zeitumstellung

vom

In der Nacht zu Sonntag endet die Sommerzeit, die Winterzeit beginnt. Seit wann? Und ist das gesund? Fragen und Antworten.

Kiel | In Deutschland werden die Uhren in der Nacht zum Sonntag wieder auf Winterzeit zurückgestellt. Wir drehen den Zeiger von drei auf zwei Uhr zurück und „gewinnen“ so in dieser Nacht eine Stunde Schlaf dazu. Für ein halbes Jahr gilt dann die Mitteleuropäische Zeit, bis im Frühling die Zeiger vorgestellt werden. So sicher wie der Dreh an den Uhrzeigern, so sicher ist auch die Diskussion, ob die Zeitumstellung nötig ist.

Wenn die Sommerzeit beginnt, fällt das frühe Aufstehen oftmals schwer. Schließlich wird es morgens später hell. Geht es am letzten Sonntag im Oktober wieder eine Stunde zurück, ist dafür Ausschlafen angesagt. Doch das Umstellen bringt auch viel Durcheinander. Fragen und Antworten zur Zeitumstellung.

Wann gab es in Deutschland zum ersten Mal Sommerzeit?

Von 1916 bis 1918 wurde zum ersten Mal die Sommerzeit eingeführt. Das Kaiserreich wollte während des Ersten Weltkrieges die Arbeitskraft in der Rüstungsindustrie mit mehr Tageslicht besser nutzen. Auch von 1940 bis 1949 galt die Sommerzeit. 1947 wurden die Uhren gar zwei Stunden vorgestellt, um nach dem Zweiten Weltkrieg mehr Tageslicht beim Wiederaufbau der Infrastruktur zu haben. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 rückte die Sommerzeit erneut in den Fokus und wurde 1980 gleichzeitig in der BRD und in der DDR eingeführt. Das Ziel war es, Energie zu sparen. 1996 wurde dann eine EU-weit einheitlichen Regelung zur Zeitumstellung eingeführt.

Wie gehen andere Länder mit der Zeitumstellung um?

Die Türkei schafft dieses Jahr die Zeitumstellung ab. In der Nacht zum Sonntag sollen die Uhren ganz normal durchlaufen. Damit entscheidet sich das Land nicht für die Normalzeit, also die Winterzeit, sondern bleibt in der Sommerzeit. In Zypern sorgt diese Entscheidung für Probleme. Die geteilte Mittelmeerinsel wird von Sonntag an zwei unterschiedliche Zeitzonen haben. Der türkisch-zyprische Norden wird die Uhren nicht auf die Winterzeit umstellen. Im griechisch-zyprischen Süden werden die Uhren dagegen umgestellt.

In Spanien wollen immer mehr Menschen die Zeit dauerhaft um eine Stunde zurückstellen. Denn in ihrem normalen Tagesablauf hinken sie den Bewohnern anderer Länder zeitlich hinterher. Abendessen gibt es meist erst gegen 22 Uhr. Und das nicht, weil die Spanier allesamt Nachtmenschen wären, sondern weil nach Ansicht vieler das Land quasi einer falschen Zeitzone angehört. Demnach sollte Spanien nicht mehr zur Mitteleuropäischen Zeitzone gehören wie Deutschland, sondern zur Zone der Westeuropäischen Zeit, also wie Portugal oder Großbritannien.

Mallorca und auch die Nachbarinseln Menorca, Ibiza und Formentera wollen die Uhren in Zukunft im Herbst nicht mehr zurückstellen, um abends statt morgens mehr Helligkeit zu genießen. Das Parlament der Balearen nahm einen entsprechenden Antrag der linksökologischen Partei „Més de Menorca“ einstimmig an. Damit stellt es sich zugleich gegen umgekehrte Bestrebungen auf dem Festland, die Sommerzeit abzuschaffen. Aufgrund ihrer geografischen Lage sind die Balearen in Spanien am stärksten von den dunklen Nachmittagen im Winter betroffen.

Auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim ticken die Uhren seit einiger Zeit aus politischen Gründen anders. 2014 stellte die Führung kurz nach ihrem nicht anerkannten Beitritt zu Russland die Zeiger zwei Stunden vor. Seitdem ticken die Uhren nicht mehr wie in der Ukraine, sondern wie in der russischen Hauptstadt Moskau.

Im Mai wechselte Venezuela seine Zeitzone. Damit verließ das Land die 2007 vom damaligen sozialistischen Präsidenten Hugo Chávez geschaffene Zeitzone, welche viereinhalb Stunden (beziehungsweise fünfeinhalb zur Sommerzeit) hinter der Greenwich Time lag. Eingeführt wurde sie damals offiziell, damit Schulkinder dann nicht ganz so früh aufstehen müssen. Spötter behaupteten, dass Venezuela nicht mehr in der gleichen Zeit leben wollte wie der Erzfeind USA. Im Mai stellt das Land die Uhren nun wieder eine halbe Stunde vor. Damit soll das natürliche Tageslicht besser genutzt werden, um Strom zu sparen.

Wie merke ich mir, ob die Uhr vor- oder zurück gestellt wird?

„Immer zum Sommer hin.“ Also stellen wir die Uhr im Frühjahr eine Stunde vor, im Herbst eine Stunde zurück.

„Zeitumstellung funktioniert wie das Thermometer.“ Das heißt: im Frühjahr plus und im Winter minus.

„Früher aufstehen im Frühjahr.“ Denn die Uhr wird vorgestellt und die Schlafzeit verringert sich um eine Stunde.

„Bei der Zeitumstellung ist es wie mit den Gartenmöbeln.“ Im Frühjahr kommen sie VOR die Tür, im Herbst ZURÜCK in den Schuppen.

„Im Winter gibt es Winterschlaf.“ Eine Stunde mehr Schlaf, denn die Uhren werden zurückgestellt.

„Spring forward, fall back.“ Im Frühling (spring) den Zeiger eine Stunde vordrehen, im Herbst (fall) eine Stunde zurück.

Ist die Zeitumstellung gesundheitlich bedenklich für Kinder?

Babys und Kleinkinder haben mit der Zeitumstellung mitunter stark zu kämpfen. Wenn die Uhren in der Nacht zum 30. Oktober eine Stunde zurückgestellt werden, ändert sich abrupt ihr gewohnter Schlaf-Wach-Rhythmus.

Die Problematik sei umso ausgeprägter, je jünger die Kinder sind, erklärt Alfred Wiater. Er ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Vor allem Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten haben Probleme, wenn sich zeitliche Abläufe ändern. Sie sind dann eventuell unausgeschlafener und quengeliger als sonst. Bis zu einer Woche kann es dauern, bis sich Babys an die Zeitumstellung gewöhnt haben.

Eltern könnten den Kleinen die Umstellung jedoch erleichtern, indem sie die Zeitumstellung etwas vorwegnehmen, erklärt Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum in Klingenmünster. Schritt für Schritt sollten die Eltern ihr Kinder einige Tage im Vorlauf immer etwas später zu Bett bringen, so gewöhnen sie sich besser an die Zeitumstellung.

Wiater rät, nicht nur die Zeiten des Zubettgehens und Weckens anzupassen. Es gehe dabei auch um den Tagesablauf, zum Beispiel die Essenszeiten. Diese sollten ebenfalls entsprechend leicht von Tag zu Tag verschoben werden.

Bringt die Zeitumstellung auch Erwachsenen gesundheitliche Probleme?

Mediziner warnen, dass empfindsamere Menschen Probleme mit dem Hin und Her haben können, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit können die Folge sein. Generell gilt aber für die Zeitumstellung: Der Wechsel auf die Winterzeit macht vielen Menschen weniger Probleme als der auf die Sommerzeit im Frühjahr. Schließlich kann man morgens noch eine Stunde länger im Bett liegen bleiben.

Gerade Frühaufstehern kann die Umstellung auf die Winterzeit allerdings zu schaffen machen. Wenn Menschen normalerweise um sechs Uhr aufstehen, weckt ihre innere Uhr sie nach der Umstellung um fünf. Soll das nicht zur Normalität werden, müssen Betroffene ihren Rhythmus anpassen. Schlafforscher Hans-Günter Weeß rät dafür: im Bett liegen bleiben und entspannt an schöne Dinge denken. Auf keinen Fall sollte man aufstehen: „Das würde die Gewöhnung an den neuen Rhythmus stören“, so das Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

am Morgen das Tageslicht fernhalten, etwa mit Vorhängen, zum Abend hin dagegen eine Extradosis Tageslicht holen, etwa mit einem Spaziergang am späten Nachmittag. Damit wird man später müde und weckt am Morgen auch später auf. Die innere Uhr verschiebt sich etwas nach hinten.

Wie beliebt ist die Zeitumstellung?

Auch wenn wir am Sonntag eine Stunde „geschenkt“ bekommen, würden viele Menschen in Deutschland die Zeitumstellung lieber ganz abschaffen. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK halten drei von vier Befragten die Zeitumstellung für sinnlos. Fast 80 Prozent fühlen sich wegen des Wechsels schlapp und müde. Jeder Fünfte ist laut der Umfrage schon einmal wegen der Zeitumstellung zu spät zur Arbeit gekommen.

Eingeführt wurde die Zeitumstellung damals um Energie zu sparen. Ob das wirklich gelingt, ist allerdings umstritten. Laut Umweltbundesamt knipsen wir wegen der Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht an. Im Frühjahr und Herbst jedoch wird morgens dafür mehr geheizt. Unter dem Strich gibt es mit der Sommerzeit allein keine Ersparnis.

Nervig ist die Umstellung auch für alle, die keine Funkuhr haben. Gehen die Chronometer nicht automatisch mit der Zeit, muss die Anpassung manuell geschehen, an Küchengeräten oder im Auto zum Beispiel.

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erstellt am 27.Okt.2016 | 18:40 Uhr

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