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Verkehr

28. August 2016 | 22:37 Uhr

Dänisches Fähr-Projekt : Gelting-Faaborg: Traum von der Butterfahrt geplatzt

vom
Aus der Onlineredaktion

Der dänische Traum findet keinen Hafen: Trotz großer Pläne wird es wohl keine Wiederbelebung der 1999 eingestellten Fährlinie Gelting-Faaborg geben.

Olpenitz | Über 13.000 Facebook-Fans sehnen sich „ihr“ rotes Schiff zurück. Die 115 Meter lange Autofähre „Gelting Syd“ hatte bis zum Aus des Duty-Free-Einkaufs 1999 jährlich bis zu 600.000 Fahrgäste zwischen Gelting Mole und dem dänischen Faaborg auf der Insel Fünen hin und her geschippert. Nach den Plänen eines Fördervereins und der Faaborger Reederei Nordisk Færgefart APS sollte die 1965 entstandene Route eigentlich seit Frühling 2013 wieder in Betrieb sein – dessen war sich Firmensprecher Jan Kobber im Herbst 2012 zu „99,9 Prozent sicher“. Doch der kühne Wiederbelebungsplan wurde zur Geduldsprobe. Inzwischen sind nur noch Speisekarten, virtuelle Fahrpläne und alte Fotos von dem Traum übrig.

Manche hielten den Plan einer Fährverbindung ohne die vitalen Einnahmen aus dem zollfreien Einkauf ohnehin für blanke Nostalgie. Schließlich hatte der selbe Reeder es 1999 gar nicht erst versucht mit einer „regulären“ Fährroute weiter zu operieren. Das sei angesichts der Beliebtheit und der Bedeutung der Route für die Tourismus auf Fünen aber ein großer Fehler gewesen, hieß es zu Beginn der Wiederbelebungsversuche im Herbst 2012.

Der Plan weckte in vielen Menschen beiderseits der Grenze die Hoffnung, ein bedeutender Wirtschaftsfaktor mit neuen Arbeitsplätzen würde zurückkehren. Zudem wäre der Tourismus beiderseits der blauen Grenze um eine Attraktion reicher. Per Social Media suchte Nordisk Færgefart nach Unterstützern: Mit einer Vereinsgebühr von 400 Kronen (26 Euro) konnte man Förderer werden und auf der Jungfernfahrt zu den ersten Passagieren gehören.

Bis zum Ende der Duty-Free-Regelung ein gern gesehener Gast: Die „Gelting Syd“, hier in ihrem Heimathafen Faaborg auf Fünen.
Bis zum Ende der Duty-Free-Regelung ein gern gesehener Gast: Die „Gelting Syd“, hier in ihrem Heimathafen Faaborg auf Fünen.

In der viel gepflegten, reichlich bebilderten Facebook-Gruppe wurden die geduldigen Unterstützer ausgiebig über die Planungen auf dem Laufenden gehalten. Kritische Töne verliefen sich im Sand – zu groß war wohl der Wunsch der bewegten Versammelten, die Fähre wieder in See stechen zu sehen. Im August war die zugehörige Nordisk Cruise Line dann so weit und präsentierte eine mögliche Fähre für die Route nach Deutschland, die M/S Brahe. Alles schien in Butter. Doch das Schiff wird laut Pressemitteilung lediglich für Kurzkreuzfahrten auf der Ostsee eingesetzt werden. Also nicht im Linienverkehr.

Inzwischen ist die Butter der Befürworter und Förderer des Stiftungsvereins etwas ranzig geworden. Seit Anfang Oktober herrscht bei Facebook Flaute – keine weiteren Beiträge. Fragen werden nur noch ausflüchtig beantwortet. Der resignierte Betreuer der Facebook-Gruppe beklagt, dass er derzeit alleine mit dem Projekt betraut wäre und es daher etwas „verkümmert“ sei. Die Stadt habe nicht daran geglaubt und die Unterstützung fehle. Zu einer telefonischen Stellungnahme kam es von Seiten der Reederei am Mittwoch nicht. Wie es aussieht, ist der kühne Plan aber langfristig gescheitert, auf der Route nach Fünen wieder Passagiere und Autos zu transportieren.

Die Faaborg-Fähre glitt von 1965 bis 1999 täglich an der Geltinger Birk vorbei.
Die Faaborg-Fähre glitt von 1965 bis 1999 täglich an der Geltinger Birk vorbei. Foto: G. Bonsen

Zu Beginn der Initiative vor über zwei Jahren führten die ersten Gespräche mit den Betreibern des zum Segelhafen umfunktionierten Anlegers in Gelting Mole ins Nichts. Zwar fanden sich in den anliegenden Gemeinden viele Befürworter, doch die nötige Infrastruktur war einfach nicht mehr vorhanden. Nach der Absage setzten die Dänen voll auf das Ziel Olpenitz bei Kappeln.

Der ehemalige Marinestützpunkt konnte zwar nicht mit Nostalgie punkten, doch er bot letztlich alles, was in Gelting Mole unter enormen Kosten wiederhergestellt werden müsste: Einen Tiefwasserhafen, stabile Kaimauern und Parkflächen. Nach vielen Gesprächen und genaueren Untersuchen der unterschiedlichen scharfen Sicherheitsanforderungen in der grenzübergreifenden Personenschifffahrt gab es im Oktober wohl endgültig rotes Licht aus Olpenitz.

Gegenüber dem Schlei-Boten sagte Per Barlag Arnholm, der geschäftsführende Gesellschafter des Ostsee-Resort-Eigentümers Helma Ferienimmobilien GmbH, dass es auf keinen Fall eine Fährlinie nach Dänemark geben werde: „Es gibt zu viele verschiedene Regelungen für deutsche und dänische Gewässer, die nicht vereinbar sind“, sagte er. „Wenn wir eine Fähre einrichten, dann eher Richtung Süden, vielleicht nach Kiel. Aber noch sind das alles Gedankenspiele.“ Das Ostsee-Resort mit seinen maritimen Residenzen ist nach der Insolvenz aber gerade erst im Entstehen. Ein Fähranschluss ist zwar geplant, in der jetzigen Entwicklungsphase aber nebensächlich, zumal durch entstehenden Lärm und Abgase einer Autofähre auch potentielle Käufer abgeschreckt werden könnten.

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erstellt am 08.Jan.2015 | 06:00 Uhr

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