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Verkehr

10. Dezember 2016 | 10:02 Uhr

Wieder Störungen im Bahnverkehr : Defekte Oberleitung zwischen Elmshorn und Neumünster - Behinderungen bis 21 Uhr

vom

Der Zugverkehr ist noch bis zum Abend in beiden Richtungen auf der Strecke Hamburg - Kiel - Flensburg unterbrochen.

Neumünster | Kein Tag ohne Störungen bei der Bahn in Schleswig-Holstein. Seit Freitagmorgen ist die Strecke zwischen Dauenhof und Elmshorn gesperrt. Grund dafür sei eine Oberleitungsstörung, teilt die Bahn in einer Pressemitteilung mit. In den frühen Morgenstunden hat ein Lkw an einem Bahnübergang in Horst, zwischen Dauenhof und Elmshorn, die Oberleitung sowie deren Masten und den Bahnübergang beschädigt. Der Fahrer beging Unfallflucht. Ein zweiter Lkw verfing sich wenig später in den herabhängenden Leitungen und vergrößerte den Schaden noch. Die Reparaturarbeiten werden voraussichtlich bis 21 Uhr am Freitag dauern.

Der betroffene Abschnitt zwischen Elmshorn und Neumünster gehört zu der meistbefahrenen Bahnstrecke Schleswig-Holsteins. Erst zu Beginn der Woche fiel das Stellwerk in Elmshorn gleich zwei Mal an einem Tag aus.

Der Zugverkehr auf den Strecken zwischen Hamburg und Kiel bzw. Flensburg ist in beiden Richtungen unterbrochen. Die Züge der Linie RE7 von Flensburg nach Hamburg wenden in Neumüster. Die Züge der Linie RE70 von Kiel nach Neumünster ebenso.

Es kommt derzeit zu Fahrplanabweichungen und Fahrzeitverlängerungen. Rund 500 Fahrgäste seien in Wrist gestrandet, schrieb ein sh:z-Leser über Facebook. sh:z-Redakteur Christian Lipovsek steckte ebenfalls in Wrist fest. „Ich konnte in Wrist mit einem gestrandeten ICE nach Basel zurück nach Neumünster fahren, von dort mit dem Schienenersatzverkehr-Bus nach Kiel.“ Allein in Wrist hätten etwa 100 Passagiere aus dem ICE aussteigen und mit Bussen nach Elmshorn fahren müssen. „Dutzende Pendler kamen auch nicht nach Kiel weg. Infos gab es zumindest Richtung Kiel Null.“

Nichts geht mehr: Diese Nordbahn steht in Westerhorn am Bahnhof Dauenhof. Die Gleisanzeige gibt die Streckensperrung bekannt.

Nichts geht mehr: Diese Nordbahn steht in Westerhorn am Bahnhof Dauenhof. Die Gleisanzeige gibt die Streckensperrung bekannt.

Foto: Christian Uthoff
 

Ein Busnotverkehr zwischen Neumünster und Elmshorn wird derzeit eingerichtet. Reisende nach Hamburg bittet die Bahn, ab Neumünster die Züge der Nordbahn über Bad Oldesloe nach Hamburg zu benutzen. Gleiches gelte für die Gegenrichtung. 

Reisende von Hamburg nach Kiel sollen auf die Linien RE8 und RE80 nach Lübeck ausweichen und dann weiter mit der Linie RE83 und RB84 Nach Kiel reisen. In der Gegenrichtung ebenso. Reisende nach Elmshorn werden gebeten, die Linie RE70 ab Hamburg zu nutzen.

Die Polizei sucht nun Zeugen des Unglücks am Morgen. Nach ersten Erkenntnissen habe ein Lkw gegen 6.30 Uhr beim Überfahren des Bahnüberganges in der Heistereder Chaussee in Horst einige Oberleitungen stark beschädigt. Das berichtet die Polizei am Freitagnachmittag. Ohne die Unfallstelle abzusichern und die Polizei zu informieren setzte der Fahrer seine Fahrt fort und nahm so einen zweiten Unfall in Kauf: Gegen 8 Uhr verfing sich ein weiterer Lkw in den tief hängenden Leitungen. Der Fahrer informierte die Polizei. Der Bahnverkehr kam auf der Strecke bereits nach dem ersten Unfall zum Erliegen, weil bei der Notfallleitstelle der Bahn Meldung über einen Dauerkurzschluss eingegangen war.

Die Schadenshöhe ist noch nicht absehbar. Die Landespolizei hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Zeugen, die Hinweise zum Unfallverursacher machen können, sich mit der Polizeistation Horst unter der Nummer 04126/38404 in Verbindung zu setzen.

Und auch an der Westküste läuft es nicht rund: In Morsum kam es am Freitagmorgen zu einem Notarzt-Einsatz. In einem Zug sei eine Frau ohnmächtig geworden, sagte Hanspeter Schwartz von der Bundespolizei in Flensburg. Während der Dauer der Rettungsmaßnahmen stand der Zug rund 20 Minuten still. Die Patientin habe sich nicht in ein Krankenhaus einweisen lassen wollen. Zur Ursache ihres Kreislauf-Kollapses gab es keine Erkenntnisse.

Mutmaßungen in den sozialen Medien, dass es einen Zusammenhang mit dem eingeschränkten Fahrplan der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) und dadurch überfüllten Zügen gibt, konnte Schwartz nicht bestätigen. Die NOB zog wegen technischer Probleme vor einer Woche 90 Waggons aus dem Verkehr. Die Überprüfung wird voraussichtlich noch einige Wochen dauern, hieß es.

In Kiel haben mittlerweile die Oppositionsparten die Landesregierung zum Handeln aufgefordert. Die Nord-Ostsee-Bahn sei nach dem Ausfall von 90 Wagengarnituren mit der Situation auf der Marschbahn offenbar vollkommen überfordert, hieß es in einem Dringlichkeitsantrag von CDU, FDP, und der Piratenfraktion am Freitag.

Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) gab sich vorsichtig optimistisch. Die Bahn arbeite intensiv daran, das Problem zu lösen, sagte er in Kiel: Mit kurzfristigen Ersatzmaßnahmen, aber auch mit der technischen Lösung der Ursachen. „Wir haben als Landesregierung eine klare Erwartung an die Bahn, dass sie die Situation in den Griff bekommt“, sagte Meyer am Freitag. 

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erstellt am 18.Nov.2016 | 11:59 Uhr

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