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Schleswig-Holstein

08. Dezember 2016 | 10:56 Uhr

Landtagswahl 2017 in SH : Umfrage-Desaster für CDU-Spitzenkandidat Ingbert Liebing

vom
Aus der Onlineredaktion

Nur neun Prozent wollen ihn als Ministerpräsidenten. Nicht einmal jeder zweite Befragte kennt den Politiker überhaupt.

Kiel | Die Nord-CDU sieht sich sechs Monate vor der Landtagswahl mit dramatisch schlechten Umfragewerten konfrontiert. Nur neun Prozent der Schleswig-Holsteiner wünschen sich danach den Spitzenkandidaten der Union, Ingbert Liebing, als künftigen Ministerpräsidenten. Zum Vergleich: 38 Prozent der Befragten sprechen sich für Torsten Albig als Ministerpräsidenten in Schleswig-Holstein aus, 21 Prozent sind für Wolfgang Kubicki.

Der Spitzenkandidat der CDU, Ingbert Liebing, steht seit seiner Benennung immer wieder in der Kritik. In der Nord-CDU sind nicht alle glücklich darüber, dass die Wahl auf ihn fiel. Sie rechnen sich kaum Chancen auf einen Wahlerfolg aus. Scheitert die CDU in SH kann dies für Angela Merkel zum Problem werden. Die Landtagswahl 2017 wird als Stimmungsbarometer für die Bundestagswahl 2017 angesehen.

Das geht aus den bisher unveröffentlichten Daten einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Insa von Anfang Oktober hervor. Nicht einmal jeder zweite Befragte (45 Prozent) kennt Liebing überhaupt. Ein Unionspolitiker, der namentlich nicht genannt werden will, nannte die Werte „eine Katastrophe“ und berichtet von einer „inzwischen depressiven Stimmung“ in Teilen der Parteibasis.

Bekanntester Landespolitiker ist FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki (93 Prozent), der damit knapp vor Ministerpräsident Torsten Albig (92 Prozent) liegt. Auch bei der Kompetenzfrage liegt Kubicki mit 68 Prozent vor Albig (54 Prozent). Liebing kommt bei dem kumulierten Wert aus „sehr kompetent“ und „eher kompetent“ gerade einmal auf 26 Prozent.

In derselben Umfrage lag die CDU bei der Sonntagsfrage mit 26 Prozent Zustimmung um fünf Punkte hinter der SPD, die auf 31 Prozent kam. Im Ergebnis hieße das nach Einschätzung aus Unionskreisen, die CDU könnte bei der Wahl fünf ihrer derzeit 22 Landtagsmandate einbüßen. Die Küstenkoalition aus SPD, Grünen und SSW würde danach ihre Mehrheit der Mandate mit zusammen 48 Prozent halten.

Alarmiert von den Umfragewerten ist offenbar auch die Parteivorsitzende Angela Merkel. Ein Absturz der Nord-Union am 7. Mai könnte der CDU auch die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen eine Woche später verhageln. In beiden Fällen wäre dies ein schlechtes Signal für die im September stattfindende Bundestagswahl.

Am Freitag tagt in Kiel der geschäftsführende Landesvorstand. Mit dabei ist Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler. Unklar ist, welchen Kurs die Nord-Union danach personell steuert. Liebing war im Juni auf einem Parteitag mit 92 Prozent Zustimmung zum Spitzenkandidaten gewählt worden.


Leitartikel: Alarmierende Werte

Von Peter Höver

Die schleswig-holsteinische CDU geht einen schweren Gang Richtung Landtagswahl im Mai. Sie geht ihn deshalb, weil sie mit ihrem im Juni gewählten Spitzenkandidaten Ingbert Liebing auf verlorenem Posten kämpft. Nicht einmal jeder Zweite kennt den Landesvorsitzenden der Union. Noch schlimmer: Gerade mal jeder dritte CDU-Wähler kann sich Liebing als Ministerpräsidenten vorstellen. Die nordelbische Union steht sechs Monate vor der Wahl vor einem politischen wie personellen Desaster. Wenn die These „Köpfe schlagen Themen“ stimmt, dann steht die CDU als Verlierer längst fest. Negativ-Werte, wie der des stets im Ungefähren agierende Liebing sie derzeit auf dem Konto hat, lassen sich bis zum Wahltag nicht mehr aufholen. Da mögen Werbestrategen sich noch so nach der Decke strecken.

Dass sie im Konrad-Adenauer-Haus mit einer Mischung aus Furcht und Verärgerung auf die wenig überzeugende Performance der seit Jahren von Führungskrise zur Führungskrise taumelnden Nord-CDU blicken – geschenkt. Die bisher unter Verschluss gehaltenen Daten der Umfrage, bei der angeblich gar keine Persönlichkeitswerte erhoben worden sein sollten, müssen Angela Merkel und die Ihren alarmieren. Die Schleswig-Holstein-Wahl ist ein erster Stimmungstest für die nur eine Woche später stattfindende Wahl im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW. Und dann wird im Bund gewählt. Dann geht es um Merkel und die Union als Ganzes.

Schon im Frühjahr hatten Parteigranden erfolglos versucht, Liebing die Spitzenkandidatur auszureden. Jetzt steht die Union vor einer Alternative, die im Grunde längst keine mehr ist. Entweder sie drängt Liebing zum Verzicht oder sie wird am 7. Mai mit ihm untergehen. Zur stärksten Partei wollte Liebing seine Union im Norden machen. Stand heute wird die einst stolze Regierungspartei noch ein Stück mehr in die Bedeutungslosigkeit fallen.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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