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Schleswig-Holstein

10. Dezember 2016 | 21:33 Uhr

Trotz Märtyrer-Comic: SH will weiter mit Ditib zusammen arbeiten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In NRW sorgte ein Comic in einer Ditib-Broschüre für Aufregung. Schleswig-Holsteins Innenminister Studt bleibt gelassen.

Kiel | Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt sieht vorerst keinen Grund, die Zusammenarbeit mit Deutschlands größtem Islamverband Ditib zu beenden. Genau dies hatte Studts Düsseldorfer Amtskollege und Parteifreund Rolf Jäger (SPD) diese Woche getan, weil Ditib sich nicht von einem Comic der türkischen Religionsbehörde Diyanet distanzieren wollte, in dem der Märtyrertod verherrlicht wird. Ditib untersteht dieser Behörde.

Kritiker werfen der Ditib vor, aus Ankara gesteuert und verlängerter Arm von Präsident Recep Tayyip Erdogan zu sein, der seit dem Putschversuch im Juli massiv gegen mutmaßliche Verschwörer vorgeht. Der Verband weist Vorwürfe einer „politischen Agitation“ und Fremdsteuerung zurück. In einer aktuellen Stellungnahme der 15 Landesverbände heißt es: „Sämtliche Unterstellungen der Fremdsteuerung, der politischen Einflussnahme aus der Türkei, der politischen Agitation und der Gefährlichkeit unserer Religionsgemeinschaft weisen wir aufs Schärfste zurück.“

Fakt ist: Ein führender Mitarbeiter des vom Land finanzierten Anti-Salafisten-Projekts „Prevention“ ist bei Ditib aktiv. Ein Grund, das Projekt zu überdenken, ist das für das Kieler Innenministerium nicht. Ähnlich hatte der Fall in Düsseldorf gelegen. Dort war Ditib bisher Träger von Jägers Präventionsprogramm „Wegweiser“, mit dem Jugendliche vor dem Abdriften in den gewaltbereiten Salafismus geschützt werden sollen.

Anders als der NRW-Innenminister hat Studt zu dem umstrittenen Comic keine Stellungnahme von der Ditib Nord angefordert. Man vertraue der federführenden Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein, die das Präventionsprojekt leitet, hieß es. Das Ministerium arbeite bei der Bekämpfung von religiös motiviertem Extremismus erfolgreich und vertrauensvoll mit der Türkischen Gemeinde (TGS-H) zusammen. „Insbesondere mit dem Landesvorsitzenden Cebel Küçükkaraca besteht ein enger Austausch zu politischen Fragen vor dem Hintergrund der Entwicklungen in der Türkei“, erklärt Ministeriumssprecher Patrick Tiede. Es bestehe kein Zweifel daran, dass die Gemeinde „als säkulare und demokratische Organisation mit ihren Mitarbeitern für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einsteht“, sagt Tiede. Dies betreffe auch den Projekt-Stelleninhaber, der dem Moscheeverein Ditib nahesteht.

Die FDP-Opposition ist entsetzt: „Die Landesregierung redet am Thema vorbei“, kritisiert der Liberale Ekkehard Klug. Es geht nicht um Kritik an der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein, die ein respektabler Gesprächspartner sei, „sondern darum, ob die hiesige Landesregierung ebenso wie die in NRW deutlich auf Distanz zum Moscheeverein Ditib geht, weil dieser unter dem Einfluss der Regierung Erdogan in Ankara steht.“ Noch deutlicher wird CDU-Fraktionschef Daniel Günther: „Dieser Flyer dient dem gegen jede Menschlichkeit verstoßenden Ziel, Kinder zu Attentätern zu machen.“ Ditib dürfe bis auf Weiteres nicht einen einzigen Cent aus Steuergeldern bekommen. Und nach diesem Vorfall dürfe auch kein Vertreter dieser Organisation mehr mit Projekten zur Salafismusbekämpfung betraut werden, so Günther weiter.

Auf keinerlei Verständnis stößt der Comic bei der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein. „Wir lehnen den Comic, der die religiöse Verherrlichung und Verklärung eines Märtyrertods zum Inhalt hat, als eine säkulare Organisation klar ab“, teilte die TGS-H gestern unserer Zeitung mit. Etwaige Bedenken gegenüber einem Mitarbeiter kann die Türkische Gemeinde aber nicht nachvollziehen. „Dieser Mitarbeiter ist ein verlässlicher Partner in der Präventionsarbeit und Brückenbauer zur muslimischen Gemeinde.“

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erstellt am 08.Sep.2016 | 13:50 Uhr

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