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Landtagswahl am 7. Mai : Torsten Albig vs. Daniel Günther: Wahlkampf ist diesmal Nahkampf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie legen die SPD und die CDU Schleswig-Holsteins ihre Netze für den Stimmenfang aus? Eine Übersicht.

Kiel | Am 7. Mai wählt Schleswig-Holstein - und in diesen Wochen kommt der Wahlkampf so richtig in Schwung. Wo legen die beiden größten Parteien SPD und CDU ihre Schwerpunkte? Wie sprechen sie ihre Wähler an, wie präsentieren sie sich in den sozialen Netzwerken? Eine Übersicht.

Der Slogan

> CDU: „Anpacken statt Rumschnacken“. „Frisch und zugleich heimatverbunden“ möchten die Christdemokraten damit nach den Worten von Landesgeschäftsführer Vitalij Baisel rüberkommen. Ursprünglich hatte die Partei „Anpacken für unser Land“ erwogen. Dass die Endfassung etwas anders aussieht, liegt laut Baisel nicht allein am Lokalkolorit der Wortbildung mit Rumschnacken. Sie ist zudem als Attacke auf den politischen Gegner gedacht: „Der Begriff bringt die große persönliche Schwäche von Ministerpräsident Torsten Albig auf den Punkt“, meint Baisel – „Albig schnackt rum, ohne viel zu machen.“

> SPD: „Mehr Gerechtigkeit für alle. Wir machen das.“ Das Ober-Thema, das darin zum Ausdruck kommt, haben sich die Sozialdemokraten im Licht einer von ihnen selbst in Auftrag gegebenen Umfrage unter dem Wahlvolk verordnet. „Wir sind uns sicher, dass wir bei diesem Thema stark sein müssen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen“, sagt SPD-Landesgeschäftsführer Christian Kröning. Auch wenn es der Slogan für den Landtagswahlkampf ist und er schon vor Nominierung von Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat feststand – er geht Hand in Hand mit Schulz’ Gerechtigkeits-Offensive im Bund.

Die Strategie

> CDU: Aus der Opposition heraus in den Wahlkampf zu ziehen, bedeutet für Baisel, „dass wir konfrontativer als bei der letzten Wahl auftreten können. Der Reiz liegt jetzt im Aufdecken der Fehler der Gegenseite. Kämen wir aus der Regierung heraus, müssten wir im Wahlkampf mehr erklären.“

> SPD: Die Partei will nicht allein mit Versprechen für die Zukunft punkten. Sie stellt zugleich ihre Regierungserfahrung in den letzten fünf Jahren heraus. Deshalb kommuniziert sie nicht nur „Wir machen das“ und „Wir wollen das“. Sondern ebenso „Wir können das“ – um auf Anstrengungen in der Vergangenheit zu verweisen, etwa für mehr Lehrkräfte, für die Kinderbetreuung oder bezahlbare Wohnungen.

Die Kernthemen

>CDU: Infrastruktur, innere Sicherheit, Bildung. „Wir denken mit dem Volk mit“, begründet Baisel diese Auswahl. Dem Werben der SPD für mehr soziale Gerechtigkeit will die CDU die „gute wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland“ entgegenhalten.

>SPD: Arbeitsmarktpolitik, Familienfreundlichkeit im Alltag, Mindestlohn, sozialer Wohnungsbau: Damit möchten die Genossen ihr Ober-Thema Gerechtigkeit unterlegen. Insgesamt ist Kröning „eine deutlichere Unterscheidbarkeit von der CDU als früher wichtig“. Abgestuft nennt auch er Infrastruktur als Wahl-Anliegen.

Die Veranstaltungen

>CDU: Die Landesgeschäftsstelle plant allein 90 Veranstaltungen mit Spitzenkandidat Daniel Günther. Bei 40 Veranstaltungen ist Bundes-Prominenz dabei – darunter allein vier Mal Angela Merkel. Weitere Beispiele sind Ursula von der Leyen, Thomas de Maiziere, Volker Kauder, Norbert Lammert, Jens Spahn. Für die Auftritte Daniel Günthers hat die CDU eigens ein Raum-Konzept entworfen: Die Besucher-Plätze – je nach Ort 150 bis 400 – sind wie in einem Parlament kreisrund aufgebaut. Der Spitzenkandidat steht in der Mitte, ganz unmittelbar, ohne Pult, sich immer wieder abwechselnd in alle Richtungen drehend.

>SPD: „Wir hatten in einem Wahlkampf noch nie so viele Veranstaltungen wie diesmal“, sagt Kröning. „Die Wähler haben Gesprächsbedarf. Sie wollen nicht mehr in durchgestylten Vieraktern auf Marktplätzen angeschrien werden, sondern haben ein Bedürfnis nach kleineren Formaten.“ Allein der Landesverband organisiert 100 Veranstaltungen, die ausdrücklich als Frage-Antwort-Pingpong zwischen Besuchern und Politikern gedacht sind. Jeweils 35 Termine gibt es mit Spitzenkandidat Torsten Albig und Parteichef Ralf Stegner und 15 mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz. Von der Bundesprominenz erwarten die Genossen neben Martin Schulz Sigmar Gabriel, Andrea Nahles, Manuela Schwesig, Heiko Maas und Barbara Hendricks.

Die Wähler-Ansprache

>CDU: Stärker als früher bei Wahlen setzt Baisel auf einen Von-Tür-Zu-Tür-Wahlkampf“. Die Christdemokraten haben sich vorgenommen, auf mindestens 50 000 Klingelknöpfe zu drücken. „Dabei können die Kandidaten expliziter auf Themen und Fragen eingehen, die die Wähler bewegen“, sagt Baisel. Auch für die Parteimitglieder sieht er in einem gesprächsbetonten Wahlkampf einen Vorteil: „Politik ist derart komplex, dass sie mit einem nur einseitigen Senden kaum noch vermittelbar ist.“ Und dann ist da das Bemühen, mit dem dialog-orientierten Stil diejenigen zurückzugewinnen, die sich von den etablierten Parteien vergessen fühlen: „Die muss ich ganz individuell dort abholen, wo sie sind. Das geht im Gespräch besser als mit bloßem Beschallen.“ Der Einsatz der Wahlkampfteams erfolgt in drei Stufen: erst die Hochburgen, dann Wahlbezirke, in denen ein enges Rennen erwartet wird, dann der Rest.

>SPD: Die Partei will den Vor-Ort-Wahlkampf vor allem dort führen, wo sie bei früheren Wahlen starke Ergebnisse erzielt hat, die Wahlbeteiligung aber niedrig war. „Wenn in solchen Vierteln wenige Leute ihre Stimme abgegeben haben, ist das in der Regel unser Bier, die Leute zurückzuholen“, meint Kröning. Zudem sieht er eine hohe Wahlbeteiligung „als entscheidenden Faktor gegen die AfD“.

Die sozialen Medien

>CDU: „Die sozialen Medien werden bei Weitem nicht so entscheidend sein wie in den USA“, glaubt Baisel. Unter anderem liege das daran, dass Wahlkämpfer weit weniger personenspezifische Daten für eine Wähleransprache im Netz beziehen könnten als in Amerika. Dennoch haben digitale Medien ihren festen Platz in der Kampagne: „Sie bieten den Vorteil, dass man sie sehr spontan einsetzen kann, je nachdem wie sich bestimmte Debatten während des Wahlkampfes entwickeln – und auch sehr regional, zugeschnitten auf örtliche Bedürfnisse und Besonderheiten.“

>SPD: „Nochmal eine andere Möglichkeit, einen persönlichen Kontakt zum Wähler aufzubauen“ sagt Kröning über die sozialen Medien. Als Vorteil sieht er, dass der Landesverband mit Ralf Stegner über einen ganz besonders aktiven Twitterer verfügt – und auch Torsten Albig gerade bei Facebook die Marke von 10.000 Likes geknackt hat. Beide wollen im Laufe des Wahlkampfs auch eigenhändig Fragen von Bürgern über die sozialen Netzwerke beantworten.

Die Manpower

>CDU: In der Landesgeschäftsstelle arbeiten 20 fest Beschäftigte. Zusätzlich hat der Landesverband für den Wahlkampf eine Kraft für Veranstaltungen eingestellt und zwei Kräfte vor allem für die Organisation des Haustür-Wahlkampfs.

>SPD: Acht Zeitvertragler unterstützten während des Wahlkampfes das feste 15-Leute-Team der Landesgeschäftsstelle.

Die Plakate

>CDU: Bestellt sind 10.500 reine Günther-Plakate, dazu 5000 Plakate für Ankündigungen von Veranstaltungen mit ihm. 7000 weitere Plakate widmen sich thematisch Infrastruktur, innere Sicherheit, Bildung, Soziales, Breitbandausbau, Wirtschaft und Windenergie. Die Günther-Motive zeigen den Spitzenkandidaten vor einem hellblauen Hintergrund, der durch einen teils Richtung Weiß reichenden Farbverlauf aufgelockert ist. Der Farbverlauf kam erst nach dem Wechsel von Ingbert Liebing auf Günther hinzu. Baisel: „Bei Liebing war das gesetzter.“ Entworfen hat die Kampagne die Hamburger Agentur „Guru“. Zu deren Kunden zählen auch BMW, Fielmann oder der Arzneimittelhersteller Pohl-Boskamp. Für die Wahlkreiskandidaten wird mit 30.000 Plakaten kalkuliert.

>SPD: Die Partei will mit knapp 50.000 Plakaten werben – in Schwarzweiß. Der Vorschlag kam von der Berliner Agentur Aimaq von Lobenstein. Die hat Kampagnen zum Beispiel auch für Audi, Asics, Nutella oder TUI entwickelt. Für Kröning symbolisiert der Verzicht auf Farbe „Modernität und Klarheit, dadurch werden wir von anderen unterscheidbarer“. Neben den Spitzenleuten Torsten Albig und Ralf Stegner sollen dabei Themen wie Arbeit, Familie, Wohnungsbau in den Vordergrund gerückt werden – und buchstäblich „plakativ“, wie Kröning unterstreicht, verdeutlichen, was die SPD dabei wolle und die Konkurrenz von der CDU nicht.

Das Budget

>CDU: Der Wahlkampf-Etat liegt bei einer Million Euro – genauso hoch wie beim letzten Mal. Baisel hofft, ihn zu 40 bis 50 Prozent aus Spenden finanzieren zu können. Alles andere wird aus Parteiabgaben der Mandatsträger refinanziert sowie aus der staatlichen Wahlkampfkostenerstattung. Darüber gibt es pro abgegebener Stimmer 70 Cent.

>SPD: Mit 1,1 Millionen übertrifft das Budget das der schwarzen Konkurrenz ganz leicht. Auch bei den Genossen ist die Summe identisch zum letzten Mal. Im Wesentlichen werden die Ausgaben über Mitgliederbeiträge finanziert. Das Spendenaufkommen wird nach Einschätzung Krönings maximal 30.000 Euro erreichen.

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erstellt am 10.Mär.2017 | 10:07 Uhr

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