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AKW Brokdorf : Streit mit Betreiber: Habeck verbietet neue Beladung des Atomreaktors

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Umweltminister sieht sich vom Betreiber des Kernkraftwerkes Brokdorf unter Druck gesetzt.

Kiel7Brokdorf | Die Differenzen zwischen dem Betreiber des Kernkraftwerks Brokdorf (Kreis Steinburg) und der Atomaufsicht in Kiel werden immer größer. Am Dienstag hat Umweltminister Robert Habeck (Grüne) dem Konzern Preußenelektra untersagt, den Reaktorkern neu mit Brennstäben zu bestücken.

„Es handelt sich um einen neuen Reaktorkern. Nach der Betriebsgenehmigung ist eine neue Kernbeladung der Aufsichtsbehörde drei Monate vorher anzuzeigen. Die beabsichtigte Kernbeladung ist daher unzulässig“, sagt Habeck. Sicherheit gehe vor. Zuerst müsse etwa die Eignung eines Kerns im Betrieb, bei der Handhabung und bei Störfällen gewährleistet sein.

Während der jährlichen Revision war vor einigen Wochen an mehreren Brennstäben eine stärkere Oxidationsschicht als üblich aufgefallen. Die betroffenen Brennelemente stammen nach Angaben des Ministeriums aus zwei Chargen, Betreiber Preußenelektra spricht von einer. Habeck untersagte das Wiederanfahren des Kraftwerks, das für den 24. Februar geplant war. Seitdem hatte Preußenelektra mehrere Termine zum geplanten Wiederanfahren genannt, zuletzt den 21. März.

Das Ministerium wirft Preußenelektra vor, die Ursache der starken Oxidationen noch immer nicht geklärt zu haben. Es seien nur Stichproben genommen worden. Zudem sei es nötig, ähnliche Schäden an Brennstäben aus anderen Kernkraftwerken in die Untersuchung mit einzubeziehen. „Eine Zustimmung der Atomaufsicht zum Wiederanfahren des Kernkraftwerks ist erst möglich, wenn ausgeschlossen ist, dass sich das Problem an anderen Brennstäben wiederholt“, so Habeck.

Preußenelektra erklärt, dass ein großes Expertenteam akribisch mit der Klärung der Befunde befasst sei. Es werde kein Brennelement aus der beschädigten Charge eingesetzt. Preußenelektra handele „mit aller gebotenen Sorgfalt“ – ein Wiederanfahren sei „so bald wie möglich“ geplant. „Das Kernkraftwerk Brokdorf ist in vollständig bestimmungsgemäßem Zustand und in etwa zwei Wochen nach Abschluss der letzten ausstehenden Arbeiten wieder bereit, seinen erheblichen Beitrag zur klimafreundlichen Grundversorgung zu leisten“, meint Geschäftsführer Erwin Fischer.

Grundsätzlich sei es zwar richtig, dass eine Neu-Beladung des Kerns drei Monate vorher angezeigt werden müsse, gibt seine Sprecherin Almut Zyweck zu. „Wir sind aber der Meinung, dass wir alle genehmigungsrechtlichen Grundlagen erfüllt haben.“ Das betreffe auch die Untersuchung der Ursache der Korrosion. Zyweck sieht noch „einigen Gesprächsbedarf mit der Atomaufsicht“ – und will deswegen die Vorwürfe über die Medien nicht weiter kommentieren. Nur so viel: „Am Freitag ist ein Gespräch mit dem Ministerium geplant, von dem wir denken, dass wir darin viele Punkte klären können.“

Habeck hält sein Handeln indes für unumgänglich. Es gehe nicht darum, das Kernkraftwerk bis nach der Landtagswahl vom Netz zu lassen. „Wir hätten genauso vor fünf Jahren gehandelt.“ Und: Jeder andere Minister müsse laut Atomrecht so handeln – egal welcher Partei er angehöre.

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erstellt am 14.Mär.2017 | 19:39 Uhr

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