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Schleswig-Holstein

03. Dezember 2016 | 12:48 Uhr

H5N8 in Schleswig-Holstein : Sperrgebiete in SH: Hunde und Katzen dürfen nicht mehr frei umherlaufen

vom

Auch Glücksburg wird jetzt von den Behörden beobachtet. Dort ist am Mittwoch ein mit dem Virus infizierter Wildvogel gefunden worden.

Kiel/Hannover | Auch mehr als eine Woche nach Bekanntwerden der ersten Vogelgrippe-Fälle in Schleswig-Holstein, ist mit einem schnellen Ende der Epidemie nicht zu rechnen. Unter anderem dürfen Hunde und Katzen in den Sperrbezirken nicht mehr frei umherlaufen, wie das Umweltministerium in Kiel am Dienstag mitteilte. Nordfriesland droht Hobby-Haltern mit Zwangsschlachtung, sollten sie ihre Tiere weiter im Freien halten. Auch in Niedersachsen ist das gefährliche Vogelgrippevirus H5N8 jetzt erstmals nachgewiesen worden. Trotz zahlreicher Zugvögel im Norden hat die Vogelgrippe Hamburg bislang verschont.

Ein Zuchtbetrieb für Bruteier im Kreis Schleswig-Flensburg ist bundesweit die erste Massentierhaltung, die von der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie betroffen ist. Auf der Hühnerfarm (einem Zuchtbetrieb für Bruteier) in Twedt/Grumby war am Sonnabend bei 30.000 Tieren Geflügelpest festgestellt worden. Alle Tiere mussten gekeult werden. Die ersten Ausbrüche bei Hausgeflügel waren am Freitag bei zwei weitaus kleineren Höfen in der Nähe von Lübeck sowie in Vorpommern gemeldet worden.

Haustiere würden im Regelfall nicht erkranken, sagt Nikola Kabel, Sprecherin des Agrarministeriums Schleswig-Holstein. Sie können das Virus nach Kontakt  jedoch weiter verbreiten. Daher sollte direkter Kontakt von anderen Haustieren, insbesondere Hunden und Katzen, mit toten oder kranken Vögeln außerhalb der Restriktionsgebiete verhindert werden. Die Regelungen für Schleswig-Holstein ergeben sich aus der Geflügelpest-Verordnung.

Auch in Niedersachsen gilt jetzt eine Stallpflicht für Geflügel.

Auch in Niedersachsen gilt jetzt eine Stallpflicht für Geflügel.

Foto: dpa

Um Fundorte von an Geflügelpest erkrankten Wildvögeln beziehungsweise betroffenen Tierhaltungen müssen die zuständigen Kreise Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete einrichten. 

Zuletzt war am Mittwoch in Glücksburg - im Kreis Schleswig-Flensburg - ein infizierter Wildvogel gefunden. Hier wurde „für die Dauer von 21 Tagen“  ein Sperrbezirk eingerichte, heißt es auf der Homepage der Stadt Glücksburg. Sperrbezirke liegen drei Kilometer um Fundorte von Kadavern, Beobachtungsgebiete zehn Kilometer.

Der Sperrbezirk umfasst die Gebiete der Stadt Glücksburg mit Teilen der Gemeinde Wees und Munkbrarup (nördlich B 199), heißt es in einem Schreiben des Kreises vom Mittwochabend.  Das Beobachtungsgebiet umfasst demnach unter anderen die Stadt Flensburg, Gemeinde Harrislee, das Amt Hürup, das Amt Langballig und Teile der Gemeinde Wees und Munkbrarup (südlich B 199).

Landesweit gibt es inzwischen zwölf - von den zuständigen Kreisveterinärbehörden eingerichtete - sogenannnte Restriktionsgebiete, teilte das Umweltministerium am Mittwochabend mit. Diese bestünden aus „Sperrbezirken im engeren Umkreis der Befunde sowie Beobachtungsgebieten im weiteren Umkreis der Befunde“.

Strengere Vorschriften für kleine Geflügelhalter

Wegen der Ausbreitung der Geflügelpest im Norden gelten ab Donnerstag in Schleswig-Holstein strengere Vorschriften auch für kleinere Höfe. Laut Landwirtschaftsministerium betrifft dies Betriebe mit weniger als 1000 Tieren. Es müssten strenge Sicherheitsmaßnahmen wie das Tragen von Schutzkleidung und Hygienevorschriften eingehalten werden.

Um Geflügelhaltern in Schleswig-Holstein die Umstellung auf die neuen Sicherheitsmaßnahmen zu erleichtern, hat das Landwirtschaftsministerium eine Handreichung im Internet veröffentlicht und die Verbände sowie Tierärzte darüber informiert. Die notwendigen Desinfektionsmittel können beispielsweise im Landhandel oder über Tierärzte, Desinfektionsmittelwannen in den Baumärkten erworben werden, heißt es vom Ministerium.

In Grumby (Schleswig-Holstein) waren nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in dem Geflügelbetrieb 30.000 Hühnern getötet worden.

In Grumby (Schleswig-Holstein) waren nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in dem Geflügelbetrieb 30.000 Hühnern getötet worden.

Foto: dpa

Neun der Restriktionszonen - die sich vor allem im Osten des Landes befinden - wurden nach Feststellung der Geflügelpest bei Wildvögeln festgelegt. Zwei weitere gelten nach amtlich festgestellten Ausbrüchen bei Hausgeflügel, teilte Kabel mit. Die Areale sollen demnach gemäß Geflügelpest-Verordnung eingerichtet werden.

Bei verendeten Wasservögeln an Seen im Kreis Plön war das hochansteckende Virus H5N8 der aktuellen Epidemie erstmals in Deutschland am 8. November nachgewiesen worden. Die landesweiten Untersuchungen nach Ausbruch der Geflügelpest des aggressiven Erregers vom Typ H5N8 laufen weiter. Der Landtag in Kiel befasste sich am Mittwochnachmittag mit der Vogelgrippe. Ergebnisse sollten am Abend bekanntgegeben werden.

Wo in SH und Mecklenburg-Vorpommern die Geflügelpest schon aufgetreten ist, zeigt unsere Karte (kein Anspruch auf Vollständigkeit):


Erster Vogelgrippe-Fall in Niedersachsen

Bei der Untersuchung einer Wildente ist erstmals seit Beginn der aktuellen Epidemie in Niedersachsen das gefährliche Vogelgrippevirus H5N8 nachgewiesen worden. Das tote Tier wurde am Sonntag von einem Spaziergänger am Eixer See im Kreis Peine gefunden. Das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems bestätigte in der Nacht zum Mittwoch, dass die Ente mit der hochpathogenen Variante des Virus' infiziert war. Der Kreis ordnete umgehend eine Stallpflicht für Geflügel an.

Mittlerweile wurden landesweit sogenannte Beobachtungsgebiete eingerichtet.

Mittlerweile wurden landesweit sogenannte Beobachtungsgebiete eingerichtet.

Foto: dpa

Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) betonte, es seien alle Vorkehrungen getroffen, „um im Ernstfall schnell zu agieren“. Er appellierte an alle Geflügelhalter, strikt die Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten. „Das gilt insbesondere für Hygienevorkehrungen etwa durch Schleusen, Desinfektionsmatten, Handwaschbecken und Schutzkleidung. Zutritt zu den Beständen sollten allein die Tierhalter haben.“ In Niedersachsen werden rund die Hälfte aller deutschen Hühner, Puten und Enten gehalten.

Die tote Ente sei am Montag beim Laves eingegangen, untersucht und dann wegen des Vogelgrippeverdachts nach Riems geschickt worden, sagte Hiltrud Schrandt, Sprecherin des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves). Seit Jahresanfang seien bislang mehr als 700 Tiere im Rahmen des jährlich durchgeführten Wildvogelmonitorings in Niedersachsen beprobt worden. 2014 gab es laut Agrarministerium bereits zwei Fälle, bei denen H5N8-Viren festgestellt wurden.

Rund um den Fundort im Kreis Peine wurde ein Sperrbezirk mit einem Radius von drei Kilometern eingerichtet. Hier gebe es in 50 Betrieben etwa 1600 Tiere, so Landkreissprecher Henrik Kühn. In einer zusätzlichen Beobachtungszone von zehn Kilometern würden in Geflügelhaltungen rund 120 000 Tiere leben. Wegen der Vogelgrippegefahr gilt inzwischen in mehr als der Hälfte der Landkreise in Niedersachsen die Stallpflicht. Inzwischen wurden aus sechs Bundesländern Vogelgrippe-Fälle gemeldet.

Diese Puter müssen zunächst im Stall bleiben.

Diese Puter müssen zunächst im Stall bleiben.

Foto: dpa

Seit Mittwoch gilt auch in den Landkreisen Friesland, Wittmund, Wesermarsch die sogenannte Aufstallungspflicht. In der Region Hannover tritt sie am Freitag in Kraft. Viele Rassegeflügelschauen wurden abgesagt.

Die Aufstallung des Geflügels ist nach Expertenansicht keine Garantie gegen eine Ansteckung mit der Vogelgrippe. Das Virus wird über den Kot der Wildvögel übertragen, der auf verschiedene Weise, etwa durch Mäuse oder Ratten oder auch durch Spuren von Exkrementen am Schuhwerk in die Ställe gelangen kann. In allen Bundesländern - außer in Berlin - herrscht inzwischen Stallpflicht.

Immer mehr Länder verhängen Einfuhrverbote für deutsches Geflügel

Wegen der Vogelgrippe haben mehrere Länder Europas und Asiens sowie Südafrika Einfuhrsperren für Geflügel und Geflügelerzeugnisse aus Deutschland verhängt. Wie Mecklenburg-Vorpommerns Agarminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch in Schwerin mitteilte, führen Japan, Südkorea, Hongkong, Bosnien und Herzegowina kein lebendes Geflügel und kein Geflügelfleisch mehr ein. Außerdem bestehen wegen früherer Seuchenausbrüche noch Handelsbeschränkungen mit weiteren Ländern, darunter Teilen der Eurasischen Union (Russland, Weißrussland, Kasachstan, Armenien und Kirgistan).

Backhaus sagte, Auswirkungen des Seuchengeschehens auf den internationalen Handel seien zu erwarten gewesen. Es gelte nun, im Seuchenmanagement weiterhin akribisch vorzugehen, um wirtschaftliche Einbußen für die Betriebe so gering wie möglich zu halten.

Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zur Vogelgrippe

Ist die Vogelgrippe für den Menschen gefährlich?

Das hängt vom Erreger ab. Zudem hatten die meisten der an Influenza erkrankten Menschen engen Kontakt zu krankem oder verendetem Geflügel. Mediziner gehen davon aus, dass Säugetiere und Menschen sehr große Virusmengen aufnehmen müssen, um sich zu infizieren.

Am hochpathogenen Erreger H5N1 erkrankten laut Weltgesundheitsorganisation seit 2003 weltweit rund 850 Menschen, etwa 450 starben. Für den hochpathogenen Erreger H5N8 sind bislang weltweit keine Erkrankungsfälle bekannt. Augenmerk richten die Forscher auf H7N9. Als niedrigpathogene Variante bleibt er im Geflügel lange unauffällig, kann aber beim Menschen zu Erkrankungen und Todesfällen führen. Seit 2013 wurden weltweit knapp 800 erkrankte Menschen registriert, mehr als 300 starben an H7N9.

Kann ich jetzt noch Fleisch und Eier essen?

Bislang ist nach Angaben des zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Ostsee-Insel Riems kein Fall bekannt, bei dem H5N8 auf den Menschen übertragen wurde. Dennoch könne eine Empfänglichkeit des Menschen nicht völlig ausgeschlossen werden. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung „theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich“.

Angst vor dem Verzehr von Geflügelfleisch oder Eiern muss der Verbraucher nicht haben. Das Virus ist hitzeempfindlich und hält Temperaturen von mindestens 70 Grad nicht stand. Durchgegartes Fleisch und hartgekochte Eier können also bedenkenlos genossen werden. Wer ganz sichergehen will, sollte auf Produkte mit rohen Eiern wie etwa Tiramisu vorerst verzichten.

Worin unterscheidet sich der jetzige Ausbruch von der Geflügelpest 2006?

Anfang 2006 war die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, schon einmal in aller Munde. Damals hatte sich der aus Asien stammende Erreger H5N1 rasant über Sibirien bis nach Deutschland ausgebreitet. Auch Schleswig-Holstein war 2006 betroffen. Im Kreis Ostholstein wurden damals zwei tote Enten gefunden, die mit einer Variante des Erregers infiziert waren. Auf der Insel Rügen, wo 2006 die ersten deutschen Fälle der Vogelgrippe auftauchen, wurde nach kurzer Zeit der Notstand ausgerufen. Dort wurden immer wieder infizierte Wildvögel gefunden. Auf der Insel wurden massenweise Nutzvögel vorsorglich getötet. Nachdem das Virus in einem sächsischen Mastbetrieb ausgebrochen war, werden auch dort Zehntausende Tiere gekeult. 

In Deutschland infiziert sich 2006 kein Mensch mit dem H5N1-Virus.

Ist die Vogelgrippe immer gleich gefährlich?

Nein. Es gibt niedrigpathogene (gering krankmachende) und hochpathogene (stark krankmachende) Varianten und verschiedene Subtypen. Gefährlich können die Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 werden. Geringpathogene Influenzaviren dieser beiden Subtypen verursachen bei Hausgeflügel kaum oder nur milde Krankheitssymptome. Allerdings können diese Viren zu einer hochpathogenen Form der klassischen Geflügelpest (Vogelgrippe) mutieren. Die Krankheit ist für Hausgeflügel hochansteckend und verläuft mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen. Aktuell haben wir es in Deutschland mit einem hochansteckenden Erreger zu tun.

Wie kann die Vogelgrippe nach Deutschland kommen?

Wildlebende Wasservögel sind das natürliche Reservoir für die niedrigpathogenen Vogelgrippe-Erreger. Es ist davon auszugehen, dass Zugvögel das Virus großflächig verbreiten. Der aktuelle Ausbruch steht nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, im Zusammenhang mit dem Vogelzug. Der Import von infiziertem Futter oder Eiern spielt demnach bei den aktuellen Fällen im Wildvogelbereich eher keine Rolle.

Bei jedem Ausbruch bei Nutzgeflügel werden laut FLI mögliche Eintragungsquellen wie Futter und Einstreu untersucht. Ist der Erreger in der Wildvogelpopulation vorhanden, kann er direkt und indirekt - etwa über den Kot infizierter Wildvögel - übertragen werden. Daher sollte Futter für Nutzgeflügel nicht frei gelagert werden. Wildvögel sollten keinen Zugang zum Trinkwasser von Nutzgeflügel haben und Menschen über Seuchenmatten Ställe betreten.

Kommt die Vogelgrippe häufiger in Deutschland vor als früher? 

Durch die verbesserte Diagnostik werden heute mehr Fälle bekannt. Nach Einschätzung des FLI hat die Zahl und Schwere der Ausbrüche seit den 1990er Jahren aber auch zugenommen. Eine Ursache könnte die Art der engen Tierhaltung in Südostasien sein.

Wie wird die Geflügelpest übertragen?

Die Geflügelpest ist ein für Hühner, Puten und andere Vogelarten hochansteckendes Virus. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, so dass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tode führt“, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts.

Infizierte Vögel scheiden das Virus über die Atemwege sowie Sekrete und Exkrete aus. Daher breitet sich das Virus schnell aus, wenn ein infiziertes Tier eng mit anderen Tieren in Kontakt steht. Das ist zum Beispiel in der Stallhaltung aber auch beim Transport des Geflügels der Fall.  

Auch indirekt kann das Virus übertragen werden – beispielsweise über ungereinigte Kleidungsstücke, Fahrzeuge, Transportkisten, Mist und Futter.

Wie kann man sich vor dem Virus schützen?

Es wird dringend dazu geraten, Vogelkadaver nicht mit den bloßen Händen zu berühren. In betroffenen Gebieten sollte zudem der direkte Kontakt zu Wildvögeln, etwa zur Fütterung, gemieden werden. Tote Tiere sollten den örtlichen Behörden gemeldet werden.

Betroffenen Tieren sollte sich nur in entsprechender Schutzkleidung genähert werden. Das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt zudem Menschen, die in Kontakt zur Geflügelzucht stehen, eine Influenza-Schutzimpfung.

Woran erkennt man infizierte Tiere?

Die Symptome des H5N8-Erregers können vielfältig und von Art zu Art unterschiedlich sein. Bei Hühnervögeln ist auf ein stumpfes, gesträubtes Federkleid zu achten, auch voranschreitende Teilnahmslosigkeit der Tiere ist ein Indiz auf eine Infektion mit dem Virus. Verweigerung von Futter und Wasser sowie Fieber, Atemnot, Niesen, Durchfall und Ausfluss aus Augen und Schnabel deuten ebenfalls auf eine Infektion des Tieres hin. Schließlich sind auch zentralnervöse Auffälligkeiten wie Gleichgewichtsstörungen oder eine ungewöhnliche Kopfhaltung bei den Tieren Anzeichen für die Erkrankung. Bei Enten und Gänsen können sich ähnliche Symptome zeigen, sie erkranken jedoch häufig weniger schwer. Hier führt die Krankheit nicht immer zum Tod des Tieres.

Welche Maßnahmen haben die Kreise erlassen?

Ebenso wie in Schleswig-Holstein gilt seit Donnerstag auch in Hamburg ein Aufstallungsgebot, Geflügel muss in Ställen untergebracht werden. Im Hamburger Tierpark Hagenbeck wurden aus Angst vor der Vogelgrippe alle Vögel in die Winterquartiere geschickt. Unter den gut 800 betroffenen Tieren sind auch Flamingos und Pelikane.

Der Ausbruch der Vogelgrippe sorgt auch im benachbarten Niedersachsen für eine erhöhte Alarmbereitschaft bei den Behörden: Cloppenburg, das Emsland und die Grafschaft Bentheim – Hochburgen der bundesdeutschen Geflügelwirtschaft – haben vorsorglich und ab sofort eine Stallpflicht verhängt. In den Landkreisen sind etwa 60 Millionen Tiere betroffen. Die Regelung gilt dort zunächst bis zum 31. Januar 2017 – das von Habeck verhängte Aufstallungsgebot im Norden gilt „bis auf Weiteres“.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Hannover gibt es in Niedersachsen derzeit noch keinen Fall von Vogelgrippe. Habecks Kollege Christian Meyer (ebenfalls Grüne) appellierte jedoch an die Geflügelhalter, Ställe nur noch mit Schutzkleidung zu betreten.

Wie ist die Lage in anderen Bundesländern und in den Nachbarstaaten?

Es gibt neue Meldungen über positive H5N8-Befunde auch in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich. Die Schweiz, Polen und Ungarn waren bereits betroffen. Vorsorglich haben die Niederländer ein Aufstallungsgebot erlassen. Auch Dänemark bereitet sich darauf  vor. „Bund und Länder sind in enger Abstimmung über die notwendigen Krisenmaßnahmen“, erklärte Habeck. Die Mitarbeiter der zuständigen Behörden im Land arbeiten auf Hochtouren, um die Ausbreitung der Tierseuche möglichst gering zu halten. „Wir können nicht ausschließen, dass es weitere Fälle in Tierhaltungsanlagen gibt.“

Wie reagieren der Geflügelwirtschaftsverband und die Eierlieferanten?

Mitglieder des Geflügelwirtschaftsverbandes im Norden zeigten sich am Donnerstag gefasst, angesichts der Problematik. „Wir kennen das Spiel schon aus dem Jahr 2014, allerdings sorgt die Geschwindigkeit, in der sich die Epidemie ausbreitet, doch für Erstaunen“ erklärt Verbandschef Nicolai Wree. Preisreaktionen bei Eiern oder Schlachtgeflügel seien derzeit noch nicht zu befürchten. Das Aufstallungsgebot bereite allerdings einigen Gänsehaltern Probleme. „Die meisten versuchen aber, die Tiere zu halten, weil sie jetzt noch nicht schlachtreif und vermarktungsfähig sind.“

Auch Hans von Meerheim, der mit seiner Gutshof-Ei GmbH zu den größten Lieferanten in der deutschen Eierbranche zählt, gibt sich gelassen. Rund eine Million Tiere vermarkte er pro Jahr aus Beständen in Schleswig-Holstein – bundesweit sind es in über 60 Stallungen weit über drei Millionen Tiere in Bodenhaltung. „Für die großen Betriebe ändert sich durch die Vogelgrippe kaum etwas, weil wir grundsätzlich hohe Hygienestandards einhalten – nicht nur in Seuchenzeiten.“ Offen ist derzeit noch, wie die Verbraucher reagieren. Laut Habeck könnten sie ihre Martinsgans oder anderes Geflügel essen, wenn sie die üblichen Hygienemaßnahmen einhalten.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 19:48 Uhr

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