zur Navigation springen

Schleswig-Holstein

11. Dezember 2016 | 14:51 Uhr

Jakobskreuzkraut : Sommerhonig aus Schleswig-Holstein stark belastet

vom

Mehr giftige Pyrrolizidin-Alkaloide im Honig: Minister Habeck fordert einen Grenzwert.

Kiel | Schleswig-holsteinische Sommerhonige sind deutlich mehr mit Giftstoffen belastet als in den Vorjahren. Das geht aus Untersuchungen im Auftrag der Stiftung Naturschutz hervor. Demnach wurden in drei Vierteln der 273 untersuchten Sommerhonige Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) nachgewiesen (207 Honige). Im Vorjahr galt das nur für 53 Prozent der Proben.

Aufgrund niedriger Temperaturen und wegen des Regens habe es weniger blühende Pflanzen als Nahrung für die Bienen gegeben, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) zu den Ergebnissen. „Das hat sie zum Ausweichen ins Jakobkreuzkraut (JKK) gezwungen.“ Diese und andere Wildpflanzen bilden PA als Abwehrstoffe gegen Freßfeinde. Sie können unter bestimmten Umständen aber auch für Menschen gefährlich sein.

Bei knapp einem Fünftel des untersuchten Honigs war der Orientierungswert von 140 Mikrogramm/Kilogramm überschritten. 2015 lag dieser Wert bei lediglich drei Prozent. Für 20 Proben stehen die Ergebnisse noch aus. Honige mit einem PA-Gehalt oberhalb des Orientierungswertes sind für den täglichen Verzehr ungeeignet.

Der Sommerhonig macht in diesem Jahr aber nur acht Prozent der heimischen Produktion aus. In anderen Jahren macht er ein Drittel aus. Sorgen müssen sich Verbraucher nach Ansicht von Minister Habeck nicht. „Ja, man kann schleswig-holsteinischen Honig mit gutem Gewissen essen“, sagte er. Habeck erneuerte seine Forderung nach Einführung eines Grenzwerts. „Wo der aber liegen sollte, kann ich nicht sagen.“

Den betroffenen Imkern empfahl das Ministerium, die belasteten Honige nicht zu vermarkten. „Da ein Grenzwert fehlt, gibt es kein Verbot.“ Im Rahmen des Projekts „Blüten für Bienen“ werden seit 2014 Proben von 200 Standorten untersucht. Als es im Sommer erste Hinweise auf eine deutliche Erhöhung gab, stockte das Land die Mittel auf.

Grund für den deutlichen Anstieg der Werte ist nach Einschätzung von Habeck nicht, dass es in diesem Sommer mehr Jakobskreuzkraut im Norden gegeben hätte: „In keinem anderen Bundesland ist das Problem so intensiv behandelt worden wie in Schleswig-Holstein.“ Nach Ansicht von Experten ist vielmehr der Witterungsverlauf Grund für die Belastung des Honigs in diesem Jahr. Pyrrolizidin-Alkaloiden können nur in Sommerhonigen vorkommen, die spät geschleudert wurden.

Laut der Stiftung Naturschutz sind in diesem Jahr auch vermehrt Giftstoffe aufgetreten, die nachweislich nicht vom Jakobskreuzkraut, sondern anderen Wildpflanzen wie dem Wasserdost oder Borretsch stammen.

Eine Lehre aus den Ergebnissen könnte laut Habeck sein, künftig mehr auf die Blütezeit von Jakobs-Kreuzkraut und Co. zu achten. Beim Jakobskreuzkraut beträgt sie drei Wochen. „Um Einträge von Pyrrolizidin-Alkaloiden zu vermeiden, hilft nach bisherigen Erkenntnissen ein früher Schleudertermin“, sagte er. Zudem macht Habeck sich für mehr Artenvielfalt in der hiesigen Agrarlandschaft stark: „Je größer und vielfältiger die Bienenweide ist, desto weniger fliegen die Tiere das Jakobskreuzkraut an.“

Die Imkerschaft fühlte sich bereits im September im Stich gelassen und vermisste eine konsequente Linie bei der Stiftung Naturschutz.

zur Startseite

von
erstellt am 02.Nov.2016 | 16:56 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen