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Schleswig-Holstein

05. Dezember 2016 | 09:26 Uhr

Busse und Bahnen : So stellt SH die Weichen für die Zukunft im Nahverkehr

vom

Die Verkehrsplaner in SH wollen den ÖPNV attraktiver machen. Dazu gehört auch die Reaktivierung alter Bahnstrecken.

Kiel | Mehr Menschen in SH sollen mit Bus und Bahn fahren. Doch sie dazu zu bewegen, gelingt den Verkehrsplanen bisher nur mäßig. Zwar fuhren im vergangenen Jahr nicht weniger Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch nicht mehr - der Anteil des Nahverkehrs bei der Wahl des Verkehrsmittels mit durchschnittlich 7,1 Prozent ist im Vergleich zu 2014 unverändert geblieben. Dem schleswig-holsteinischen Verkehrsministerium wäre es lieber, er wäre gestiegen. Das dem nicht so ist, liegt besonders an einer eingeschränkten Mobilität in ländlichen Gebieten. Nun soll gegengesteuert und der ÖNPV gestärkt werden. Welche Maßnahmen in den kommenden Jahren geplant sind, stellten Verkehrsminister Reinhard Meyer und nah.sh-Geschäftsführer Bernhard Wewers bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Kiel vor.

500 Millionen Euro - so viel Geld kann das Land Schleswig-Holstein bis 2031 zusätzlich für die Entwicklung des Nahverkehrs einplanen. Der Bonus entspringt einem Topf für sogenannte Regionalisierungsmittel. Nun liegt es an Reinhard Meyer und seinem Ministerium, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.

Reaktivierung alter Bahnstrecken

Bis zum Jahresende erstellt nah.sh im Auftrag des Landes den Entwurf für einen neuen Landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP), in dem die Ziele für die nächsten Jahre festgelegt werden. Dazu zählen unter anderem der Ausbau des Busangebots, die Optimierung der Tarife inklusive neuer Vertriebswege, neue Mobilitätsangebote, der Ausbau des Bahnangebots und Reaktivierungen, zum Beispiel der Bahnstrecken Kiel – Schönberger Strand und Wrist – Kellinghusen. Zudem soll das Angebot auf bestehenden Strecken wie etwa zwischen Hamburg und Büchen oder Kiel und Lübeck verbessert werden.

Die Bauarbeiten an den ersten neuen Stationen Oppendorf und Kiel-Ellerbek an der Bahnstrecke Kiel – Schönberger Strand sollen voraussichtlich in drei Wochen starten.

Entgegen dem Bundestrend wird der Nahverkehr der Bahn in Schleswig-Holstein mehr genutzt. Im vergangenen Jahr legten die Fahrgäste fast 1,76 Milliarden Kilometer zurück und damit 1,5 Prozent mehr als 2014. Die Strecken Pinneberg-Hamburg, Flensburg-Eckernförde und Lübeck-Hauptbahnhof-Travemünde konnten sogar zweistellige Zuwächse verbuchen.

W-LAN in Zügen wird getestet

Bereits seit einiger Zeit fährt im Auftrag des Landes ein Triebwagen der Deutschen Bahn AG vom Typ Lint durch das Land, in dem WLAN installiert ist. Mit dem Triebwagen soll vor allem die Netzabdeckung im ländlichen Raum ermittelt werden. Testweise soll auch ein Doppelstockzug der Deutschen Bahn auf der Strecke Lübeck – Hamburg mit einem Test-WLAN ausgestattet werden.

Verkehrsminister Meyer sagte: „Die nah.sh GmbH spricht mit der Deutschen Bahn AG momentan über die Konditionen dieses Modellprojektes für Züge mit WLAN. Ich wünsche mir, dass wir den Zug noch in diesem Jahr aufs Gleis setzen können.“

Schnellbus von Brunsbüttel nach Itzehoe

Eine Neuerung auf der Straße ist der Schnellbus Brunsbüttel. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 soll er den Betrieb aufnehmen. Dann bindet er Brunsbüttel, das derzeit keine SPNV-Anbindung besitzt, an die Stadt Itzehoe an. Von Itzehoe aus besteht für die Fahrgäste Anschluss in und von Richtung Hamburg.

Auch in anderen Regionen wollen Land und Nahverkehrsbund gemeinsam mit den Kreisen und kreisfreien Städten das Busangebot weiter ausbauen. Als Beispiele gelten die Verbundbusse, die bereits in Kiel, Lübeck, Eckernförde sowie in den Kreisen Ostholstein und Schleswig-Flensburg unterwegs sind. Ende des Jahres sollen außerdem Bushaltestellen durch Verbundhaltestellenschilder gekennzeichnet sein.

Züge sollen pünktlicher werden

In 2015 mussten Bahnreisende in SH im Durchschnitt länger auf ihren Zug warten als ein Jahr zuvor. Das ergab eine Umfrage für den Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein. 90,6 Prozent der Nahverkehrszüge kamen demnach in 2015 pünktlich, im Vorjahr waren es noch 92,4 Prozent. Vor allem im Herbst 2015 brachen die Werte auf einigen Linien auf durchschnittlich 82,7 Prozent ein. Als Gründe werden Mängel an der Infrastruktur sowie Bauarbeiten angeführt.

Er würde sich wünschen, dass die Bahn ein Jahr vorher sagt, wo sie bauen will und nicht erst ein paar Wochen vorher, sagte Meyer. Es sei aber gut, dass endlich gebaut werde, sagte Nah.SH-Geschäftsführer Bernhard Wewers. Künftig sollte die Kommunikation bei Störfällen besser laufen.

Ein Tarif für SH, HH und nördliches Niedersachsen

Geht es nach Verkehrsminister Meyer ist ein „erklärtes Ziel in der Vernetzung mit Hamburg und Niedersachsen ein norddeutscher Tarifverbund, der allen Menschen in Schleswig-Holstein zugutekommt.“ Den Einheitstarif hatte auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gefordert.

Und so könnten bald von Flensburg bis nach Lüneburg dieselben Tarife gelten. Der Minister hält zudem weitere zielgruppengerechte Angebote für nötig. Dazu gehören unter anderem eine sogenannte „9-Uhr-Zeitkarte“ und ein landesweites Semesterticket.

Wewers: „Unser Ziel als Verkehrsverbund ist ein wahrnehmbarer Nahverkehr mit einem gut abgestimmten Angebot für Alle. Dazu gehört, dass die Fahrgäste mit einer Fahrkarte Bahn und Bus nutzen können, auch in Hamburg. Diese Botschaft tragen wir mit nah.sh-Bussen und Haltestellen noch deutlicher ins Land.“

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erstellt am 16.Aug.2016 | 15:33 Uhr

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