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Schleswig-Holstein

27. August 2016 | 08:24 Uhr

Segelflugzeug unter Denkmalschutz

vom

Fliegender Oldtimer Minimoa D-8064 ist der Stolz der Aventofter Segelflieger / Eintragung ins Denkmalbuch mit Feier auf dem Flugplatz

Aventoft | Sie ist das erste Segelflugzeug in Schleswig-Holstein, das von der Landesdenkmalpflege als bewegliches, technisches Kulturdenkmal unter ihre Fittiche genommen wird. Und: Sie ist der ganze Stolz des Luftsportvereins Südtondern in Aventoft: die Minimoa D-8064. 75 Jahre zählt die rüstige Dame, aber die sieht man dem durch seine Eleganz bestechenden Segler wahrlich nicht an. Am Freitag, 16. August, wird der Landeskonservator des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Michael Paarmann, in Aventoft die Minimoa nach Eintragung in das Denkmalbuch unter Denkmalschutz stellen. "Damit unterliegt sie dann dem besonderen Schutz der öffentlichen Hand", erklärt Gerhard Allerdissen. Der 72-Jährige ist Ehrenmitglied im Deutschen Aero Club, Präsident im Kuratorium sowie Vorsitzender im Förderverein Deutsches Segelflugmuseum mit Modellflug auf der Wasserkuppe in der Rhön. Was bedeutet die Ehrung für die Aventofter? Unter anderem finanzielle Hilfe beim Erhalt der Maschine. Fallen eine Grundüberholung oder Reparaturen an, dann springt die Stiftung Denkmalschutz mit Zuschüssen ein.

Die Minimoa D-8064 hat eine bewegte Geschichte. Sie wurde 1938 in Deutschland unter der Werknummer 184 bei der Firma Schempp-Hirth in Göppingen gebaut und war die erste mit einem Wassertank. Der 75 Liter fassende Balastbehälter aus Sperrholz ist im Rumpf untergebracht. "Dadurch sollte die Maschine bei guter Thermik schwerer werden, um schneller gleiten zu können", erklärt Allerdissen. Später wurden Wassertanks in den Tragflächen untergebracht. Matthias Dubbick vom Luftsportverein Südtondern ergänzt: "Damals war sie der Hochleistungssegler schlechthin." Von der Röhn aus wurden Streckenflüge von bis zu 500 Kilometern mit ihr unternommen.

Der Luftsportverein Aventoft hat die Minimoa 1996 erworben. Bis es dazu kam, machte die Maschine eine wahre Odyssee durch. 1942 wurde sie während des Krieges versteckt, sollte auf keinen Fall den Besatzungsmächten in die Hände fallen. Daher wurde das Flugzeug zerlegt, die Einzelteile in einen Möbelwagen verstaut, dieser verplombt und das Ganze als Umzugsgut in die Schweiz gefahren. Vor dort aus gelangte die Minimoa D-8064 nach dem Krieg und über Umwegen nach Frankreich, später in die Vereinigten Staaten von Amerika. Besitzer wurde schließlich Jan Scott aus dem US-Bundesstaat Virginia. "Wir haben ihn in Budapest kennengelernt", berichtet Gerhard Allerdissen. In losen Kontakten ergab sich schließlich, dass Scott die Maschine verkaufen wollte. Einzige Bedingung: "Er wollte, dass wir in Deutscher Mark zahlen." 1996 kehrte die Minimoa auf einem Autotransporter zurück nach Deutschland und Aventoft. Allerdissen: "Sie ist ein Stück deutsche Segelfluggeschichte und gehört nach Deutschland."

Die Minimoa hat seither einiges von der Welt gesehen. "Sie war auf der Internationalen Luftfahrtschau (ILA) in Berlin zu sehen. Dort hat sie sogar als schönstes Flugzeug den Airbus 380, er wurde damals zum ersten Mal auf einer Messe gezeigt, ausgestochen." Sie war 2000 bei einem Treffen in England, im ungarischen Budapest, in der Champagne (Frankreich) und im slowakischen Nitra zu bestaunen, aber auch auf der größten Luftfahrtmesse für Segler in Friedrichshafen am Bodensee. Gerhard Allerdissen: "Die Minimoa ist ein Botschafter für Nordfriesland." Und: Sie ist eine Seltenheit. Vier flugtüchtige Originalmaschinen weltweit sind noch vorhanden: eine in Japan, eine in England, eine in den Niederlanden, und ein Flugzeug steht in Aventoft. Hinzu kommen ein Neubau sowie ein fluguntüchtiges Exemplar im Museum der Wasserkuppe. Bei der Aventofter Maschine handelt es sich um eine Gö3 (Gö steht für Göppingen). Die Gö4 ist ein Doppelsitzer, bei dem die Sitze nebeneinander angeordnet sind. Eine Gö5 war in Planung, ist aber über das Stadium der Konstruktionszeichnungen nie hinausgekommen. Der Entwürfe für diese Maschine sind heute auf dem Briefbogen des Hotels Stadt Hamburg in Westerland zu finden.

Das Original Flugbuch der D-8064 existiert noch - und hat etliche bekannte Namen derer, die das Flugzeug einst gelenkt haben, aufzubieten: Darunter natürlich Wolf Hirth, der Konstrukteur der Minimoa. Auch Segelfliegerin Hanna Reitsch, geborene Rendsburgerin und Flugkapitän während des II. Weltkrieges, ist hier als Pilotin eingetragen. "Sie hat bei Wolf Hirth das Segelfliegen erlernt."

Unterdessen laufen beim Luftsportverein Südtondern die Vorbereitungen für die große Zeremonie am 16. August auf Hochtouren. Sie ist öffentlich. "Wir wünschen uns, dass möglichst viele Besucher dabei sind", erklärt Gerhard Allerdissen. Ab 16 Uhr geht es auf dem Flugplatz in Aventoft los. Jeder ist eingeladen. Dabeisein wird auch die Freiwillige Feuerwehr aus Dollerup. "Sie hat ein Feuerwehrfahrzeug, dass unter Denkmalschutz steht."

Mehr über den Luftsportverein Südtondern finden Interessierte unter www.Flugplatz-aventoft.de.

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erstellt am 18.Jul.2013 | 03:59 Uhr

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