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Schleswig-Holstein

26. Juli 2016 | 21:50 Uhr

Ausstellung : Segelfliegen in den Sylter Dünen

vom

Fotograf Bleicke Bleicken hielt in den 1930er-Jahren das Abenteuer im Bild fest. Das Rote Kliff als Startrampe.

Sylt | Segelfliegen in den Dünen - würde heute ein Hobbypilot auf diese Idee kommen, wären die Naturschützer wohl blitzartig "auf der Palme". Bleicke Bleicken, der renommierte Sylt-Fotograf, hat in den 1920er Jahren die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten als Motive seiner Bilder gewählt. Diese Fotos gehören zur Ausstellung von historischen Bildern Bleicke Bleickens, die wir in loser Folge vorstellen. Eine Ausstellung mit 78 Fotos ist noch zu sehen bis zum 20. April im Sylter Heimatmuseum Keitum, Am Kliff 19, mittwochs bis freitags von 12 bis 16 Uhr.

Start vom hohen Dünenkamm, Startrichtung zum Wasser, gegen den strammen Westwind, der das Flugzeug schnell trägt - ideale Bedingungen, die die Insel den begeisterten Fliegern bot.

"Auf dem Sylter Kliff zwischen Wenningstedt und Kampen haben die Segelflieger ein Übungsgelände von seltener Vollkommenheit gefunden", beschrieb Bleicken den neuen Trend. Junge Leute aus ganz Deutschland "finden sich hier von Mai bis Oktober zu gemeinsamer Arbeit ein. Die Aufwinde am steilen Kliff geschickt ausnutzend, ist hier schon mancher Rekord geflogen. Herrlich der Augenblick, in dem die Flugkiste - bestiegen wird. Die mahnenden Worte des Lehrers, seine genauen Anweisungen lösen Aufregung und prickelnde Ungeduld, höchste Konzentration aus auf den nahen Flug."

Eine Besonderheit war der Start per Katapult: "Die Schwanzpiloten stemmen die Füße tief in den Sand; sollen sie doch, während das Gummizugseil weit ausgezogen wird, das Flugzeug festhalten. Kameraden - je sechs - fassen das starke Gummizugseil. Ein kurzes Auspendeln durch den Lehrer; dann kommt das Kommando: Achtung, ausziehen, laufen! Das Startseil aus Gummi strafft sich. Die Schwanzpiloten halten eisern fest, bis der Ruf "Los!" ertönt. Nur wenige Meter gleitet das Flugzeug über den Sand, erhebt sich, schwingt frei durch die Luft und gleitet lautlos über Dünen und Meer dahin. Nach dem Start geht der Flieger gleich in die Rechtskurve, um nun die Aufwinde am hohen Kliff auszunutzen, je nach Fähigkeit des Piloten ruhig oder hin- und herpendelnd die Strecke Wenningstedt-Kampen in wenigen Minuten mehrfach zurückzulegen. Ein Verwundern überkommt den Zuschauer immer wieder über diese großen Vögel, die genau wie die Möven lautlos durch die Lüfte schweben." So weit Bleickens Schilderung von Start und Flug.

Bleiben noch die Landung und das mühevolle Hinaufschieben des Flugzeugs auf das hohe Kliff: "Der weite, ebene Strand ist ein idealer Landungsplatz. Dann geht es schnell wieder hinauf, das hohe steile Kliff bietet jugendlichem Tatendrang kein Hindernis. Kinder hängen sich ins Gestänge. Auf dem Kliff fassen eifrige Menschen die Flugkiste, um sie zu neuem Start auf die hohe Düne zu bringen."

In der Geschichte des Aeroclubs Sylt sind die ersten Starts aus den Dünen heraus per Gummiseil für das Jahr 1928 dokumentiert. Zwei Jahre darauf absolvierte Pilot Willi Gutsche den ersten Hangflug am Roten Kliff zwischen Wenningstedt und Kampen. 1932 wurde der Segelflugbetrieb verlegt von List nach Wenningstedt und eine Segelflugschule gegründet. Für Juni 1934 ist die Gründung des Aero-Club Sylt dokumentiert. Einen Weltrekordflug absolviert Ernst Jachtmann 1937 am Roten Kliff: Er hält sich 40 Stunden und 55 Minuten in der Luft. Mit Kriegsbeginn 1939 wird der Segelflugbetrieb eingestellt, nach dem Zusammenbruch ist das Inventar des Clubs verschollen. In Zusammenarbeit mit den Engländern beginnt das Segelfliegen wieder im Jahr 1953. Bis 1961 findet Segelflug auf Uthörn bei List statt. Am 1. Oktober 1967 stoßen zwei Segelflugzeuge am Roten Kliff in der Luft zusammen. Aus Gründen des Naturschutz wird 1982 der Flugbetrieb am Roten Kliff eingestellt.

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erstellt am 17.Apr.2013 | 07:22 Uhr

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