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Schleswig-Holstein

29. Juli 2016 | 21:43 Uhr

Nord- und Ostsee : Seenotretter halfen 538 Menschen - Markus Knüfken erzählt von Einsätzen

vom
Aus der Onlineredaktion

Nicht nur für zwei Touristen hätte ihr Ausflug im Watt dramatisch enden können - gäbe es die Seenotretter nicht.

Cuxhaven | Die Seenotretter haben im vergangenen Jahr in der deutschen Nord- und Ostsee 538 Menschen in gefährlichen Situationen geholfen. Von ihnen mussten 55 aus akuter Seenot befreit werden. Das sagte der neue „Bootschafter“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), der Schauspieler Markus Knüfken, am Dienstag in Cuxhaven. Im Jahre 2014 waren es 768 Menschen, denen die Retter halfen.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) finanziert ihre Arbeit durch Spenden und freiwillige Zuwendungen. Sie sind auf Nord- und Ostsee jederzeit einsatzbereit - mit einer Flotte von 60 Seenotkreuzern und Seerettungsboten.

An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste waren die Seenotretter 725 Mal im Einsatz, 72 Mal weniger als im Vorjahr. Sie retteten 40 Menschen aus Seenot und befreiten 253 weitere aus anderen Gefahrensituationen. An der Nordseeküste bargen die Teams bei insgesamt 255 Einsätzen zwei Menschen aus Seenot und halfen 21 in weiteren Gefahrensituationen.

Eine der dramatischen Szenen des vergangenen Jahres ereignete sich Anfang November, als die Seenotretter einem Skipper in der Kieler Bucht zu Hilfe kamen. Dessen Segeljacht war wegen eines Maschinenausfalls manövrierunfähig geworden. Sie drohte, bei stürmischem Wetter mit einem Frachtschiff zusammenzustoßen. Insgesamt fuhren die deutschen Seenotretter fast 2100 Mal zu Einsätzen raus. Im Vorjahr waren es 2200 Einsätze.

Schauspieler Markus Knüfken weiß um die Gefahren der See. Der 50-jährige Wahl-Hamburger, bekannt unter anderem aus der ZDF-Krimiserie „Notruf Hafenkante“, ist oft mit seinem Seekajak unterwegs. Vor über fünf Jahren entdeckte er bei einer Tour in der Ostsee eine gekenterte Jolle, der Segler war ins Wasser gestürzt. Der Verunglückte konnte sich an Knüfkens Kajak festhalten. „Ich wollte ihn an Land ziehen“, erinnert sich der Schauspieler. „Aber der Wind und die Strömung waren zu stark.“ Beide waren erleichtert, als die Helfer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) kamen.

Es war der erste Kontakt Knüfkens mit den Seenotrettern, seit diesem Jahr ist der Schauspieler der neue Botschafter des Verbandes. Die ausschließlich aus Spenden finanzierte DGzRS beruft jedes Jahr einen Prominenten, der dabei helfen soll, auf die oft gefahrvolle Arbeit der Retter aufmerksam zu machen. „Ich habe einen Heidenrespekt vor den Seenotrettern“, sagte Knüfken. „Es ist unglaublich, bei welchem Wind und Wetter sie rausfahren.“ Im letzten Jahr kamen die Retter in Nord- und Ostsee 538 Menschen in gefährlichen Situationen zu Hilfe, 2014 waren es mit 768 deutlich mehr gewesen. 55 von ihnen wurden aus akuter Seenot befreit.

Hinter den Zahlen verbergen sich dramatische Situationen: So eilten im November die Seenotretter einem 20-jährigen Windsurfer in der Eckernförder Bucht zu Hilfe, der bei neun Grad Wassertemperatur und kabbeliger See auf seinem Surfbrett kauerte. Der Mann schaffte es bei starkem Westwind nicht, aus eigener Kraft an Land zu kommen. „Das war eine gefahrenvolle Situation“, sagte DGzRS-Sprecher Christian Stipeldey. Die genaue Position des Mannes war nicht bekannt, die Sicht ungünstig.

Im August retteten die Helfer eine 19-jährige Frau und einen 22-jährigen Mann vor Cuxhaven, die bereits bis zur Brust im Watt versunken waren. „Zahlreiche Menschen beobachteten das Unglück vom Deich aus, konnten aber nicht helfen“, sagte Stipeldey. Mit dem Tochterboot eines Seenotkreuzers konnten die Seenotretter bis auf zwei Meter an die Versunkenen heranfahren. Ein Seenotretter mit Überlebensanzug robbte sich an die beiden verunglückten Touristen heran und zog sie aus dem Schlick.

Auch DGzRS-Botschafter Knüfken kam schon mit seinem Seekajak in Situationen, in denen er froh war, dass er zur Not die Retter hätte rufen können. „Das bestärkt die Psyche“, betonte er. Im letzten Sommer wurde er auf der Überfahrt vom deutschen Festland auf die dänische Insel Ærø von ungünstigen Winden überrascht. „Ich musste kämpfen, um nicht zu kentern“, erzählte der 50-Jährige. Er habe daraus eine Lehre gezogen: Er werde bei solchen Strecken künftig zu zweit fahren. 

Was genau die Retter in ihren Einsätzen erleben und warum es für sie gefährlich werden kann, haben die Retter auch den shz.de-Redakteuren erzählt. Die haben sie bei ihrer Arbeit mit der Kamera begleitet. Hier geht es zur großen Multimedia-Reportage.

 

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erstellt am 12.Jan.2016 | 18:08 Uhr

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